Schuldner muss zur Therapie Freie Kunstakademie Maiburg: Kein Zuschlag

Von Martin Schmitz

Lilo und Dieter Mastall in ihrer Freien Kunstakademie Maiburg. Foto: Archiv/Jürgen SchwietertLilo und Dieter Mastall in ihrer Freien Kunstakademie Maiburg. Foto: Archiv/Jürgen Schwietert

Bersenbrück/Bippen. Die Zukunft der Freien Kunstakademie Maiburg bleibt weiter offen: Das Amtsgericht Bersenbrück hat das Zwangversteigerungsverfahren für das parkähnliche Gelände mit Fachwerkhaus in Bippen für ein halbes Jahr ausgesetzt.

Grund sind schwere Bedenken um den Gesundheitszustand des Schuldners Dieter Mastall. Das Gericht erteilt ihm die Auflage, sich einer Therapie zu unterziehen, und kündigt an, die Einhaltung seiner Auflagen streng zu kontrollieren.

Mastall hatte über Jahrzehnte mit seiner Familie aus einem Bauernhofgelände im Waldgebiet Maiburg in Klein Bokern mit viel Eigenarbeit ein Gesamtkunstwerk mit vielen fernöstlichen Anklängen gemacht. Mit öffentlichen Zuschüssen und unterstützt von einem Förderverein hatte die Familie ein historisches Fachwerkhaus auf dem Gelände wiederaufgebaut, als Ersatz für das abgerissene Haupthaus des Hofes.

Finanziell stand das Projekt offensichtlich aber unter keinem guten Stern. Sämtliche Versuche, dem Kunstexperiment eine finanzielle Basis zu verschaffen, es zum Beispiel als Kulturzentrum zu nutzen, sind bislang gescheitert. In einem Spendenaufruf der Familie Mastall zur Rettung ihrer Freien Kunstakademie im vergangnen Jahr war von etwa 300000 Euro Schulden die Rede.

Zu diesem Zeitpunkt war die Kreissparkasse Bersenbrück als Hauptschuldner bereits mit einem Zwangsversteigerungsverfahren gescheitert. Dann aber meldeten sich neue Interessenten, die dem Geldinstitut seine Forderungen abkauften und ein neues Zwangsversteigerungsverfahren einleiteten.

Gütliche Einigung?

Seit November 2017 liegt in diesem Verfahren ein Gebot von 172000 Euro für das Grundstück auf dem Tisch. Gegen den Zuschlag erhob der Anwalt Dieter Mastalls Einspruch. Das Gericht gab deshalb im Dezember ein Gutachten in Auftrag.

Auf der Basis des Gutachtens erteilte das Gericht nun den Zuschlag nicht und verordnete dem Schuldner Dieter Mastall eine Therapie. Es setzte eine Frist bis zum 13. August. Danach könne das Verfahren auf Antrag des Kaufinteressenten wieder aufgenommen werden. Es gebe aber auch die Möglichkeit einer gütlichen Einigung der Parteien außerhalb des Verfahrens, deutete die Rechtspflegerin an, als sie am Mittwoch ihre Entscheidung bekannt gab.

Wie diese Einigung aussehen könnte, ist derzeit völlig offen. Lilo Mastall erklärte in Bersenbrück nach der Bekanntgabe, sie könne sich nicht vorstellen, mit ihrem Mann die Freie Kunstakademie zu verlassen. Die sei ein Gesamtkunstwerk, an dem ihre Familie und insbesondere Dieter Mastall seit 37 Jahren arbeiteten. Sie verwies aber auf ihre Spendenaktion und ihre Bereitschaft, eine einvernehmliche Lösung herbeizuführen. Der Kaufinteressent lehnte eine Stellungnahme ab, möchte zuvor die Entscheidung des Gerichts gründlich prüfen.