Doch ohne Frauen geht es nicht Kettenkamper Männer feiern ihren eigenen Karneval

Von Heinz Benken


Kettenkamp. Weil die Männer des Kettenkamper Karnevalsvereins zwar als Tanzkläuschen brillierten, sich ans Gardeballett aber nicht herantrauten, kam die weibliche Tanzgarde gleich in zweien der drei Sitzungsteile im Saal Klaus zum Zuge.

Unter dem Schlagwort „Lachen bei Klaus – die Frauen bleiben zuhaus!“, knüpften die Kettenkamper Karnevalisten an die Premiere vor zwei Jahren an und nutzten den Saal als sturmfreie Bude, um sich endlich einmal ungestört Witze erzählen und ihre Männlichkeit unter Beweis zu stellen. Nach dem Einzug des Elferrates unter der Leitung von Präsident Thomas Küthe freuten sich die bunt und fantasievoll kostümierten Narren über ein abwechslungsreiches Programm aus Büttenreden, Musik und Tanz, wobei der Elferrat mehrere Vortragsvirtuosen stellte. Den Auftakt machte Heino „Buffy“ Niedergesäß mit einem bunten Mix aus Stimmungsliedern und frechen Witzen. Aus Hesepe erneut angereist war Thomas Hirte. Kokettierend mit seinem Gewicht frönte der Bänkelsänger zunächst ausgiebig der Fleischeslust und landete schließlich beim Torfrock.

Einblicke in das Diättagebuch des Bürgermeisters

Auch diesmal wagte sich Bürgermeister Reinhard Wilke, ebenfalls von stattlicher Figur, in die Bütt und machte dort gleichfalls eine gute Figur. Vor dem karnevalistischen Gremium des Elferrats fühlte Wilke sich sichtlich wohl, kennt er doch die Elferkonstellation schon aus dem Gemeinderat. „Dort habe ich aber noch mehr Spaß.“ Das Kettenkamper Oberhaupt hatte wie immer bei seinem Streifzug durch die Gemeinde mit soziologischem Scharfblick die Entwicklung hochintelligenter Fernseher in den Wohnzimmern ebenso genau beobachtet wie die Entwicklung der lebhaften Kettenkamper Vereine. Ganz offen berichtete der Bürgermeister außerdem detailliert über die Erfolge beim Führen seines Diättagebuchs. Etwas aus dem Rahmen fiel das Debüt des jungen Nico Westerkamp, der die Zuhörer als Beatboxer begeisterte und rasant schnelle Drumcomputerbeats mit Mund und Nase imitierte. Dem aktuellen Thema Fake News widmete sich ausgiebig das Duo Rolf „Moppel“ Lukaschewski und Sebastian „Pape“ Papenjohann. Die Elferratsherren verlasen Falschmeldungen nicht nur aus Kettenkamp und dem Rest der Republik, sondern analysierten auch weltweite Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt.

Zwei umjubelte Auftritte der Tanzgarde

Zu schon etwas vorgerückter Stunde schlich sich, schrill und heimlich, Udo Heiden als Gummipuppe in den Männerkarneval und schilderte die merkwürdigen Eindrücke, die erotische Männerfantasien beim elastischen Sexshopartikel hinterlassen hatten. Mit zwei umjubelten Auftritten bezauberte die Tanzgarde unter Leitung von Nicole Küthe das Publikum und erwies sich dabei durchaus flotter und schnörkelloser als einige der Vortragskünstler zuvor. Zur abschließenden Tanzparty, die Martin Singer musikalisch versorgte, leiteten die Wilddeckenden Herzbuben mit kräftigen Tönen über. Mit Lieder wie „Willenlos“ von Marius Müller-Westernhagen und „Skandal im Sperrbezirk“ der bayrischen Spider Murphy Gang und Klassikern des Hardrock und des Heavy Metal wie „Born to be wild“ und „Highway to Hell“ schloss das wilde Quintett den Männerkarneval ab, nachdem die beiden vom Priggenhagener Schützenfest berüchtigten Stimmungskanonen Matze Wellmann und Timo Ahaus den Saal nahezu abgeräumt hatten.