„Achtsamkeit ist elementar“ Ankumer Experte gibt Tipps gegen die Schweinepest

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Altkreis Bersenbrück. Die afrikanische Schweinepest breitet sich in Osteuropa aus. Wie kann die Chance erhöht werden, dass die Seuche nicht auf Wild- und Hausscheine in Deutschland übergreift? Antworten gibt Fachmann Frank von der Haar aus Ankum.

Frank von der Haar ist Agaringenieur und staatlich anerkannter Desinfektor. Seine Firma schult unter anderem regelmäßig Feuerwehren, das Technische Hilfswerk sowie Veterinäre, wenn es darum geht, Tierseuchen wie Vogelgrippe, Geflügelpest oder eben die europäische beziehungsweise afrikanische Schweinepest nach einem Ausbruch einzudämmen und zu bekämpfen. Zudem entwickelt er Hygienekonzepte für landwirtschaftliche Betriebe in ganz Deutschland. Kurzum: Frank von der Haar ist im Thema, wenn es um die afrikanische Schweinepest geht. Und er legt auch sofort los, wenn die Sprache darauf kommt: Wie andere Experten stellt er erst einmal kategorisch fest, dass es vor allem der Mensch ist, der für das Ausbreiten des Virus sorgt beziehungsweise sorgen kann. Der sei der Hauptkrankheitsüberträger, in der Fachsprache auch Vektor (lateinisch: Reisender) genannt.

Erreger reisen auch per Lkw

Der Mensch könne dank der heutigen Verkehrsinfrastruktur in kürzester Zeit Erreger über weite Strecken tragen. Wenn beispielsweise ein polnischer Lkw-Fahrer oder ein Erntehelfer konterminierte Wurstwaren nach Deutschland mitbringe, die Reste anschließend achtlos wegwerfe, sodass sie von einem Wildschwein gefressen werden könnten, sei es womöglich schon geschehen. Ein Kontakt reiche, so Frank von der Haar. Aber auch nach Deutschland einwandernde Wölfe könnten für eine Übertragung sorgen, wenn sie zuvor in Polen oder einem anderen Land Osteuropas ein infiziertes Wildschwein gerissen hätten. Frank von der Haar glaubt nicht, dass sich die afrikanische Schweinepest insbesondere in Polen kurz- oder mittelfristig komplett eindämmen lässt. Das liege auch an der vielfach kleinbäuerlichen Struktur ohne ausreichenden Seuchenschutz. So könnte es immer wieder zu Übertragungen der afrikanischen Schweinepest kommen.

Wildschweine nicht stärker bejagen

Was also tun beziehungsweise nicht tun? Frank von der Haar hält beispielsweise nichts davon, den Jagddruck auf die Wildschweinpopulation weit über das normale regulative Maß zu erhöhen. Das sei eher kontraproduktiv. Der Grund: Wildschweinrotten seien normalerweise standorttreu und trügen somit auch nicht zu einer Verbreitung der afrikanischen Schweinepest über viele Kilometer bei. Merkten sie jedoch, dass sie stark bejagt würden, nähmen die verbleibenden Tiere wider ihrer Natur auch weite Strecken in Kauf und trügen somit zur Ausbreitung bei. Er hält es bei einer Infektion in einer Rotte für besser, den Standort weiträumig abzusperren, die Infektionskette zu unterbrechen und lediglich in den Randbereichen zu jagen. So lasse sich die Situation besser kontrollieren.

Kein Fleisch aus Osteuropa mitbringen

Und was sollen die Menschen nun tun? Frank von der Haar rät unter anderem Gemüse- und Obstbauern, ihren osteuropäischen Erntehelfern nahezulegen, keine Fleischwaren mitzunehmen und auch auf die Kleidung zu achten. Auch sie könne konterminiert sein. Und weiter: Auch Deutsche, die nach Osteuropa führen, trügen Verantwortung. Sie sollten ebenfalls keine Fleischwaren mitbringen und stets prüfen, ob sie zu einem Vektor geworden sein könnten. „Achtsamkeit ist elementar“, sagt Frank von der Haar.

Frische Kleidung und desinfizierte Hände

Und wie könnten die Hausschweinbestände geschützt werden? Ganz wichtig sei natürlich die Personalhygiene, so Frank von der Haar. Wer also einen Stall betrete, müsse unbedingt die Hände desinfizieren. Auch müsse er stets frische Kleidung tragen. Das sei ebenfalls wichtig. So sei der Ausbruch der europäischen Schweinepest vor gut zehn Jahren in Nordrhein-Westfalen auf einen Bauern und Jäger zurückgegangen, der – ohne es zu wissen – mit konterminierter Kleidung seinen Stall betreten habe.

Darüber hinaus sei es wichtig, die Ställe „nagersicher“ zu machen. Auch Ratten könnten Überträger sein, betont Frank von der Haar. Sein Fazit: Die Schweinepest lässt sich zwar nicht kurz- oder mittelfristig eliminieren, aber mit viel Disziplin lassen sich zumindest die Hausschweinebestände schützen und auch Infektionsketten in der Natur unterbrechen.


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