Altbürgermeister erinnert sich Bersenbrück: Walter Sandbrink wird 85

Von Martin Schmitz

Sein Garten ist sein Hobby: Walter Sandbrink. Foto: SchmitzSein Garten ist sein Hobby: Walter Sandbrink. Foto: Schmitz

Bersenbrück. Er war der Bürgermeister von Bersenbrück. So, als hätte es vor und nach ihm nie einen anderen gegeben. Am Donnerstag wird Walter Sandbrink 85 Jahre alt.

Von 1981 bis 2001 war er der Bürgermeister der Stadt, und viermal hat ihn der Stadtrat ohne Gegenstimme gewählt, darauf ist er stolz. Der Landwirt aus Hastrup verband Durchsetzungsvermögen mit Verbindlichkeit, vielleicht ist das sein Erfolgsgeheimnis. „Man muss die Menschen nehmen, wie sie sind“, sagt Walter Sandbrink. Auch eine harte Auseinandersetzung dürfe nie so weit gehen, „dass man hinterher nicht noch ein Bier miteinander trinken kann“. Und seltsam, am gleichen Tag verwendet einer, der ihn kennt, aber nicht seinem politischen Lager angehört, genau die Formulierung: Mit Walter Sandbrink habe man „hinterher immer noch ein Bier trinken können“.

Und harte Auseinandersetzungen gab es. Bis hin zum Versuch in den Achtzigerjahren, die Samtgemeinde mit ihrem Doppelzentrum Ankum-Bersenbrück in zwei Samtgemeinden zu zerlegen. In letzter Sekunde brach die Mehrheit für eine Samtgemeinde Ankum weg. Die Ankumer waren zutiefst gekränkt. Und doch fanden Sandbrink und Ankums Mastermind Heinrich Wittmann wieder zusammen und kämpften gemeinsam für ein Mittelzentrum in der Altkreismitte, Schlüssel zum Aufstieg, zum Gleichziehen mit den alten Zentren Bramsche und Quakenbrück.

„Allein kann man nichts bewegen“

Als jahrelange Versuche nichts fruchteten, versuchte es die CDU mit der Brechstange, mit der Fusion von Bersenbrück und Ankum zur Einheitsgemeinde. Es endete mit dem Verlust ihrer Mehrheit in Ankum und in der Samtgemeinde. Aber das war nach seiner Zeit.

Sandbrink trat 1968 in die Politik ein, im Jahr des Umbruchs auch im Kreis Bersenbrück. In den Stadtrat gewählt wurde er als unabhängiger Kandidat. „Ich habe dann gesehen, dass man allein nichts bewegen kann“, erzählt er. Also schloss er sich der CDU an. Bis zur Gebietsreform 1976 hatte er Erfahrung gesammelt in allen Ausschüssen des Stadtrates, im wichtigen Bau- und Straßenausschuss am Ende als Leiter. Nach der Gebietsreform war er auch auf der Ebene der Samtgemeinde dabei, lange Zeit auf dem Schlüsselposten des CDU-Fraktionsführers, danach als Vizebürgermeister.

Auf Stadtebene rückte er zum Stellvertreter des Bürgermeisters Bernd Zur-Lienen auf, löste ihn fünf Jahre später ab, als der sich vom Amt zurückzog. Ebenso hatte er den späteren Europapolitiker Hans-Gert Pöttering an der Spitze des CDU-Stadtverbandes abgelöst, als der sich anderweitig orientierte.

Grundstückspolitik

Sein Gedächtnis ist unglaublich präzise. Wo sich anderen der Blick in die Vergangenheit verklärt, bleibt er nüchtern und realistisch. Klar doch, dass Bersenbrück die Ortsumgehung bekam, war ein großartiger Erfolg. Aber in erster Linie ein Erfolg des Bauamtes, seiner Leiterin Maria Bergfeld, des Samtgemeindirektors Günther Marotzke, und ihrer Beziehungspflege zur Straßenbauverwaltung des Landes.

Und es war bitter, dass es Bersenbrück im Gegensatz zu den anderen großen Orten rundum nicht ins Stadtsanierungsprogramm schaffte. Die Umgestaltung zu einer modernen lebenswerten Stadt musste es großenteils aus eigener Kraft meistern. Aber das schaffte die Stadt am Ende, weil ihre Wirtschaft sich prächtig entwickelte, weil ihre Mittelständler Mut hatten und Neues wagten. „Und wenn die Unternehmen sich entwickeln wollten, hatte die Stadt immer die Grundstücke dafür bereit“, sagt Sandbrink. Was er nicht sagt: Dass die Stadt einen Bürgermeister hatte, mental auf einer Wellenlänge mit den bäuerlichen Grundbesitzern, der die Grundstückspolitik zusammen mit dem Kämmerer Lothar Böse geschickt zu managen verstand. Mit Böse und Marotzke verbindet ihn heute noch eine tiefe Freundschaft.

Spannungen und Haarrisse

Und die Samtgemeinde? Da spricht er etwas an, das die CDU immer noch verdrängt. Dass nämlich der Ankumer Reinhold Coenen ein großartiger Landtagsabgeordneter war, der in Hannover mit großem Fleiß und mit Erfolg für die Region arbeitete. Doch auf kommunaler Ebene blieb er glücklos, als Bürgermeister in Ankum wie als CDU-Fraktionsvorsitzender im Samtgemeinderat. Da hinterließ er Spannungen und Haarrisse, die deutlich zum Zusammenbruch der CDU-Dominanz in der Samtgemeinde beitrugen.

Sandbrink hatte immer ein Leben neben der Politik, und jetzt hat er eines nach ihr. Den Hof in der Bauerschaft Hastrup, seit dem 12. Jahrhundert durchgehend in Familienbesitz, seine Frau Agnes, seine fünf Kinder, zehn Enkel und mittlerweile vier Urenkel. Aber was hat er nach der Politik gemacht? „Das“, sagt er und reicht seinem Besucher einen Fotoband mit prachtvollen Aufnahmen von Georg Geers. Meere von Rhododendronblüten, die Pflanzen holt er sich regelmäßig vom Züchter seines Vertrauens in Bad Zwischenahn. Ein Garten so ausgedehnt, dass man ihn einen Park nennen könnte, mit seltenen Bäumen und sogar einer immergrünen Eiche aus Kaliforniern darunter.

Und manchmal sind da noch die Geschwister. Sein ältester Bruder wird gerade 97, weshalb die Stadtpolitik ihren Geburtstagsbesuch ein wenig verschieben muss. Ein zäher Menschenschlag, diese Sandbrinks.