Thema: Sinti und Roma Fraktionen gestalten erstmals Holocaust-Gedenkfeier in Bersenbrück

Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Bersenbrück. Foto: Lena StangenbergMahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Bersenbrück. Foto: Lena Stangenberg

Bersenbrück. Bislang waren es überwiegend Schulen, die die Gedenkfeier zum Holocausttag am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Bersenbrück gestalteten. Am 27. Januar übernehmen die Fraktionen im Bersenbrücker Stadtrat zum ersten Mal die Aufgabe.

Die Feier an kleinen Denkmal unweit des Bersenbrücker Bahnhofs beginnt wie üblich um 11.35 Uhr. Diesmal ist sie den Sinti und Roma gewidmet, teilt auf Nachfrage Bernhard Mecklenfeld mit. Auch die Zigeuner, das fahrende Volk, wurden in der Ära des Nationalsozialismus ausgegrenzt, verfolgt, schikaniert, in Konzentrationslager eingesperrt und umgebracht, in diesem Punkt teilte sie das Schicksal von Juden, Regimegegnern oder Homosexuellen.

Ähnlich den Juden spielten Sinti und Roma in Bersenbrück einst eher eine untergeordnete Rolle. Es gab sie aber, und sie waren im Alltagsleben durchaus präsent, wie etwa die Familie Imker, deren Kinder in der St. Vincentius-Kirche in Bersenbrück katholisch getauft worden waren. Wenn die Imkers in der Gegend waren, stand ihr Wohnwagen südlich von Bersenbrück an der Hase. Die Familie lebte nämlich von der Korbflechterei, am Fluss konnte sie die Weidenzweige schneiden, die sie dafür als Material brauchte.

Schattenschicksale

Die Historikerin Maria von Borries hat die umfangreichste und am besten dokumentierte Abhandlung zur Geschichte der Juden vor 1945 im damaligen Kreis Bersenbrück verfasst. Sie habe auch zum Schicksal der Sinti und Roma in der Region geforscht, berichtet Mecklenfeld, Sprecher des Arbeitskreises „Geschichte der Judenverfolgung in der Samtgemeinde Bersenbrück“. Die in Wehbergen geborene Akademikerin sei aber leider im vergangenen Jahr verstorben, ihr Nachlass nicht mehr zugänglich.

Ersatzweise stützt sich Franz Buitmann deshalb auf einen Beitrag im Buch „Schattenschicksale“, in dem Schüler des Gymnasiums Bersenbrück dem Schicksal unterschiedlicher Außenseitergruppen in der jüngeren Geschichte des Kreises Bersenbrück nachgegangen sind.

Für dieses Geschichtsprojekt stellten Vera Bollmann und Sabrina Büscher mit Unterstützung von Verena Torbecke Nachforschungen zum Imker-Clan an, unter anderem im Staatsarchiv in Osnabrück. Die Imkers hielten sich zeitweilig auch in der Papenhütte auf, einer Barackensiedlung am Rande Osnabrücks. Nationalsozialisten überfielen am 1. März 1943 die nach der heute nicht mehr vorhanden Straße Papenhütte benannte Siedlung, raubten ihre Bewohner aus und trieben sie zum Osnabrücker Bahnhof. Von dort wurden sie in Konzentrationslager gebracht. Nur wenige der Imkers überlebten.

Beiträge zur Feierstunde planen neben CDU-Vertreter Franz Buitmann laut vorläufigem Programm Josef Weissmann von den Grünen, Widu Höckelmann als Vertreter der SPD und Erika Jellema für die UWG Bersenbrück.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN