Neujahrsempfang Ankumer Oberschule startet ins Jubiläumsjahr

Von Martin Schmitz


Ankum. Hand in Hand ging die Schulgemeinschaft der August-Benninghaus-Schule ins Jubiläumsjahr. Mit einem Neujahrsempfang startete die Schule den Reigen der Feierlichkeiten rund um 150 Jahre weiterführende Schule in Ankum.

Hermann Rieke-Benninghaus hatte mit einer Fantasiereise zum Schulpatron August Benninghaus im Himmel eine bewegende Szene herbeigeführt. Auf einmal hielten sich Schüler, Lehrer, Eltern und Gäste an den Händen, wie beim Handgiftentag, der in und um Osnabrück zelebriert wird.

Zuvor gab es Szenen aus einem Film zu sehen, den Schüler drehen, um ihre Schule zu zeigen. Dort stellt Rieke-Benninghaus im Interview seinen Großonkel August Benninghaus vor. Ein katholischer Priester, der für seinen Glauben bewusst den Tod auf sich nahm, wurde der Schule zum ökumenischen Vorbild für Zivilcourage.

Und das ist nur eine der vielen Besonderheiten der August-Benninghaus-Schule. Auf eine andere waren alle Festredner des Neujahrsempfangs parallel zueinander gestoßen: Andreas Güttler, der als Erster Samtgemeinderat für den Schulträger Samtgemeinde Bersenbrück sprach, Martina Westerkamp als Dezernentin der Landesschulbehörde, Ankums Bürgermeister Detert Brummer-Bange: Sie alle wiesen darauf hin, dass die August-Benninghaus-Schule von Anfang an eine Ankumer Schule war. Es waren Ankumer, die 1868 den Antrag zur Gründung einer Bürgerschule stellten. Das „Amt“, die damals preußische Verwaltung in Bersenbrück, reagierte mit Vorbehalten, machte dann aber doch zügig den Weg frei. Noch im gleichen Jahr startete die Schule provisorisch. Kaum ein Jahr später zog sie auf den Vogelberg um, der bis zum Wegzug der Grundschule 2016 Ankums klassischer Schulstandort blieb.

Schule musste sich neu erfinden

Trotz aller Dauerhaftigkeit erlebte die Ankumer Schule eine bewegte Geschichte, immer geprägt vom Leitgedanken, ihren Schülern einem Goethe-Zitat nach „Wurzeln und Flügel“ zu verleihen, berichtet Schulleiterin Gabriele Balgenort. Erst ab 1921 durften auch Mädchen die Schule besuchen. 1931 wurde sie zur Mittelschule, in der Ära des Nationalsozialismus aufgelöst. Wiedereingerichtet 1946, blieb Ernst Tüting bis 1974 ihr Leiter. 1972 zog die Schule in einen Neubau auf den Kattenboll. Etwa zeitgleich siedelte sich auch die Hauptschule hier an.

Balgenort erinnert sich an die Neunzigerjahre, als die Realschule aus allen Nähten platzte. Dann legte sich Bersenbrück eine eigene Realschule zu, die Ankumer Schule musste sich neu erfinden. Heute können die Bewohner der Samtgemeinde Bersenbrück wählen zwischen zwei Oberschulen. Beide haben starke Profile, sind aber zugleich sehr individuell und unverwechselbar.

Für Ankum führte der Weg dorthin über die Zusammenlegung der Realschule mit der Hauptschule 2007, den Einstieg in die Ganztagsschule 2011 und die Wahl von August Benninghaus zum Namenspatron 2012.

Schulstunde von 1906

Noch kürzer als die Beiträge der Ehrengäste fielen die Grußworte der Elternsprecher Annemarie Koldeweihe und Liesel Billenkamp und von Gabriele Wesselkamp vom Förderverein aus, als wollten sie im Hintergrund bleiben und sagen: Wir sind da, wenn wir gebraucht werden. Zum Beispiel, wenn eine Seilbahn gebaut wird, so solide, dass sie beim Belastungstest auch dem Gewicht des Bürgermeisters standhält.

Zwischen diesen Beiträgen moderierte Balgenort Beiträge der Schüler an, die in der Projektwoche zum Jubiläum im Herbst sehr produktiv waren, wie die Ausschnitte aus dem Schulfilm „Vielfalt“ zeigen, die Revue mit Tänzen, die zu unterschiedlichen Schulepochen modern waren. Sie hatten das Schullied „Lollipop“ neu getextet, den Älteren zuliebe einen Hit aus den Neunzigerjahren in Szene gesetzt, und als aktuellen Beitrag „Lieblingsmensch“ der Künstlerin Namika. Sie hatten eine Schulstunde von 1906 in Szene gesetzt, Lichtjahre entfernt von der partnerschaftlichen Schule heute. Und Lehrer Florian Brechmann riskierte eine dicke Lippe, blies und spielte „Amazing Grace“ auf dem Dudelsack.

Zum Einstieg gab es Glühwein am offenen Feuer vor der Tür, und nach dem offiziellen Teil kleine Ausstellungen über das Schulgebäude verteilt, über Kochen, Mode, Spiele Schulwege und Klassenfahrten aus 150 Jahren. Und es gab Themenführungen, kleine Inszenierungen, die Besonderheiten der Schule vorstellten, ihr Kunstfach, ihre Teilnahme an vielen Wettbewerben wie etwa „Jugend debattiert“, ihre Digitalisierung mit jetzt mehr als 400 Schul-Laptops, ihren naturwissenschaftlichen Zweig und ihr Engagement für Hilfsprojekte in Afrika. Ein vielversprechender Jubiläumsauftakt, dem noch einiges folgen soll.