Erdverkabelung als Alternative Artland Tourismus bezieht Stellung gegen 380-kV-Leitung

Von Mirko Nordmann

Der Artland Regional Tourismus Verband (ARTour) sieht den Erfolg der Tourismuswirtschaft im Artland durch die geplante 380-kV-Leitung gefährdet. Symbolfoto: dpaDer Artland Regional Tourismus Verband (ARTour) sieht den Erfolg der Tourismuswirtschaft im Artland durch die geplante 380-kV-Leitung gefährdet. Symbolfoto: dpa

Quakenbrück. Der Artland Regional Tourismus Verband (ARTour) sieht den Erfolg der Tourismuswirtschaft im Artland durch die geplante 380-kV-Leitung gefährdet, schreibt er in seiner Stellungnahme an das Amt für regionale Landesentwicklung.

Wie berichtet, können Bürger und Träger öffentlicher Belange noch bis zum Montag, 11. Dezember, ihre Einwendungen zur geplanten Höchstspannungsleitung von Conneforde nach Merzen beim Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems abgeben. Die betroffenen Kommunen haben noch bis zum 29. Dezember Zeit, im laufenden Raumordnungsverfahren ihre Stellungnahme abzugeben. Der Tourismusverband ARTour hat bereits sein Schreiben an die für Raumplanung zuständige Behörde in Oldenburg geschickt – und sich ganz deutlich gegen die Vorzugstrasse der Stromnetzbetreiber Tennet und Amprion ausgesprochen. „Wir fordern ein Moratorium für die Maßnahme 51b, 380 kV-Leitung von Cloppenburg nach Merzen, um als Alternative eine durchgehende Erdverkabelung zu planen und auszuführen“, heißt es in dem dreiseitigen Schreiben des Tourismusverbandes an das ArL, das der Redaktion vorliegt.

Stellungnahme an das ArL abgegeben

Der Tourismusverband, dem Gastronomie- und Hotelbetriebe, Betreiber von Ferienwohnungen, Direktvermarkter und andere Tourismusbetriebe aus des Samtgemeinde Artland und der Gemeinde Gehrde angehören, sieht die erfolgreiche Entwicklung der Tourismuswirtschaft im Artland durch den Bau der Freileitung stark gefährdet. Der Tourismus mit jährlich steigenden Umsätzen spiele als „weicher Wirtschaftsstandortfaktor“ eine richtige Rolle, heißt es in der Stellungnahme. Das Erholungsgebiet Hasetal, zu dem als Highlight das Artland gehöre, zähle jährlich 100.000 Radtouristen. Eine jährlich vorgenommene Gästebefragung belege, dass „das höchste Gut unserer Region das Natur- und Landschaftserlebnis“ sei. „Wir sehen die großartigen Erfolge der Tourismuswirtschaft im Artland, die Bedeutung als kulturhistorischer Leuchtturm im Landkreis Osnabrück und die weitere langfristige Entwicklung der in diesem Bereich arbeitenden Betriebe durch den Bau einer 380-kV-Freileitung stark gefährdet“, so die Sorge des Tourismusverbandes, „die erforderlichen riesigen Schneisen werden das Landschaftsbild nachhaltig zerstören und zu erheblichen Einbußen im Naturerlebnis führen.

Durchschneidung der Landschaft befürchtet

Das Artland sei eine weltweit einmalige Bauernhofkultur, eingebettet in einer schützenwerten Kultur- und Naturlandschaft. 700 Bauernhöfe mit mehr als 6000 Gebäuden, überwiegend in Fachwerkbauweise, stünden seit 1978 unter Denkmalschutz. Dass die Unesco das Artland in den 1980er-Jahren auf die Liste des Weltkulturerbes setzen wollte, sei noch heute ein Beleg für die besondere kulturhistorische Bedeutung des Artlandes. „Eine Durchschneidung der international bedeutenden historischen Kultur- und Naturlandschaft des Artlandes würde zu erheblichen Ansehensverlusten des Labels ,Kulturschatz Artland‘ und damit auch zu volkswirtschaftlichen Schäden durch Einbrüche in der Tourismuswirtschaft führen“, schreibt der ARTour-Vorsitzende Hans-Wilhelm Welker an das ArL. Der Tourismusverband verweist in dem Schreiben auch darauf, dass Landkreis und Gemeinden in vergangenen Jahren viel Geld in den Ausbau des Radwegenetzes investiert hätten. Viele touristische Vorhaben würden zudem durch EU-, Bundes- und Landesprogramme unterstützt. Die Stromtrasse würde vieler dieser Fördermaßnahmen und Initiativen ad absurdum führen. Zudem wären zukünftige Förderungen im Bereich der Dorferneuerung, des Denkmalschutzes und des Tourismus ebenfalls gefährdet.

Weil auch betroffene Betriebe und Bürger in Sichtweite der Anlage erhebliche Wertverluste ihrer Immobilien hinnehmen müssten, kommt der Tourismusverband zu dem Schluss, dass die Höchstspannungsleitung im Widerspruch zu den im niedersächsischen Landesraumordnungsprogramm festgelegten Zielen und Grundsätzen zur Sicherung und Verbesserung der natürlichen Lebensgrundlagen und der Lebensbedingungen von Menschen, Tieren und Pflanzen stehe. Daher seien die Grundsätze der Raumordnung nicht eingehalten worden.