Natalia Gerdes im Interview Hilfe für bedürftige Familien im Altkreis Bersenbrück

Von Katharina Preuth

Natalia Gerdes, Diplom-Sozialarbeiterin und Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes des Kirchenkreises Bramsche. Foto: Katharina PreuthNatalia Gerdes, Diplom-Sozialarbeiterin und Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes des Kirchenkreises Bramsche. Foto: Katharina Preuth

Quakenbrück. Der Kinder- und Jugendfonds der Diakonie unterstützt seit zehn Jahren sozial schwache Familien. Dabei sind die Helfer auf Spenden angewiesen. Im Interview erzählt Fonds-Gründerin Natalia Gerdes, warum Hilfe wichtig ist.

Frau Gerdes, Sie haben den Kinder- und Jugendfonds vor zehn Jahren ins Leben gerufen. Was war der Anlass?

Vor zehn Jahren hatten wir im Kirchenkreis die Aktion: Sieben Wochen mit Hartz-IV. Menschen mit normalen Berufen haben versucht, mit dem Hartz-IV-Satz zu leben. Das waren harte Wochen, mein Mann und ich haben auch mitgemacht. Letztendlich haben wir bei dieser Aktion gemerkt, dass es für Familien mit Kindern am schwersten ist. Erwachsene können diese Situation einfacher händeln, als es Kinder können. Sie sind die Leidtragenden.

Aus dieser Erfahrung ist dann der Fonds hervorgegangen?

Genau. Der Fonds hat zunächst Kinder- und Jugendkonto geheißen, ist aber nach der Umbenennung eine Investition für Chancengleichheit geblieben. Wir unterstützen dort, wo das Gesetz Lücken aufweist. Es geht darum, den Kindern aus sozial schwachen Familien zum Beispiel Schulbedarf zu kaufen, Sportausrüstung oder ärztliche Zusatzleistungen zu übernehmen. Zunehmend benötigen Jugendliche eigene Laptops und Drucker für die Schule und beides ist teuer.

Geht es nur um die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen oder helfen sie auch den Eltern?

Wir sehen es so, dass den Eltern zu helfen, auch gleichzeitig eine Unterstützung für die Kinder ist. In den Familien, die wir betreuen, gibt es keine Rabeneltern, aber sie haben oft sehr eingeschränkte Möglichkeiten, sich ausreichend um ihre Kinder zu kümmern. Wir hatten einen Fall, da haben die Eltern Geld für das Kind ausgegeben, anstatt die Stromrechnung zu bezahlen. Das verurteilen wir natürlich nicht, aber ohne Strom muss das Kind im Dunkeln oder im Kerzenschein Hausaufgaben machen und damit ist ihm nicht geholfen. Die Beratung der Eltern spielt also eine große Rolle.

Für das Bersenbrücker Kreisblatt haben Sie vier beispielhafte Familienschicksale aufgeschrieben, die in der Adventszeit veröffentlich werden. Was steckt hinter dieser Idee?

Es handelt sich dabei um reale Familien, die trotzdem als Beispiel für viele weitere Familie dienen können. Es geht dabei um einen Studenten, der einen Computer benötigt oder um zwei Geschwister, die sich eine teure Sportausrüstung nicht leisten können. In einem anderen Fall haben die psychisch kranken Eltern vier Kinder, die zwar Probleme verschiedener Art zu bewältigen haben, aber vieles sich mit der eigentlich einfachen Anschaffung von funktionsfähigen Fahrrädern lösen lassen könnte. In dem vierten Beispiel hat die Tochter eine Allergie. Sie braucht verschiedene Hilfsmittel, die die Krankenkassen nicht übernehmen.

Und Sie hoffen, mit der Veröffentlichung der Geschichten die Spendenbereitschaft der Leser zu erhöhen?

Den Fonds gibt es seit zehn Jahren. In dieser Zeit ist die Zahl der Anfragen gewachsen. Jetzt zum Herbst haben wir viel Geld für den Schulbedarf ausgegeben, unsere Töpfe sind leer. Bei uns landet jede Spende zu 100 Prozent bei den Bedürftigen. Als diakonisches Hilfswerk verwenden wir von den Spenden keinen Euro für Verwaltungs- oder Personalkosten.

Sie werden jedes Jahr an Weihnachten besonders aktiv. Ist die Spendenbereitschaft in dieser Zeit größer?

Als christliche Organisation sehen wir Weihnachten nicht nur als Fest, an den man viele Geschenke bekommt, sondern eben auch schenkt. Das Bewusstsein der Menschen für Bedürftige ist in der vorweihnachtlichen Zeit tatsächlich größer.


Zur Person

Natalia Gerdes (55) ist seit 1999 als Sozialarbeiterin beim Kirchenkreis Bramsche beschäftigt. Dort arbeitet sie als Leiterin des Diakonisches Werkes und als Vorsitzende des Diakonieausschusses.