Klaus von Klitzing zu Gast Launige Lehrstunde in Physik mit Nobelpreisträger in Quakenbrück



Quakenbrück. Mit ihrem zwanzigsten Referenten hat sich die Artland-Akademie Quakenbrück (AAQ) einen lang gehegten Wunsch erfüllt: Klaus von Klitzing, Nobelpreisträger und einstiger Abiturient am Artland-Gymnasium Quakenbrück (AGQ), erteilte seinen Zuhörern eine launige Lehrstunde in Physik.

Wie man es anstellt, einen Nobelpreis zu bekommen? „Sie könnten einen stehlen“, schlägt Klaus von Klitzing vor und lächelt verschmitzt, „aber es wäre schon besser, wenn Sie einfach einen ersteigern.“ Und, stets hilfsbereit, teilt der Direktor des Max-Planck-Instituts für Festkörperforschung in Stuttgart seinem Publikum auch gleich noch mit, bei welchem amerikanischen Auktionshaus dies beinahe in jedem Jahr möglich ist: Heritage Auctions.

Dem Universum ein Geheimnis entlocken

Die sicherste, seriöseste, aber eben auch seltenste Gelegenheit, an das Edelmetall und die mit ihm verbundene Ehre heranzukommen, wäre natürlich, die ganze Sache wie Klaus von Klitzing selbst anzugehen und schlicht und einfach „zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und dort dann auch noch die richtige Idee zu haben“, wie der 74-Jährige es bescheiden formuliert – und damit sein Licht weit unter den Scheffel stellt. Schließlich ist es sogar unter den brillantesten Geistern nur den Wenigsten vergönnt, dem Universum eines seiner gut gehüteten Geheimnisse zu entlocken. Und genau das ist dem ehemaligen AGQler gelungen, als er am 5. Februar 1980 im Hochfeld-Magnetlabor im französischen Grenoble den quantisierten Hall-Effekt entdeckte und daraus die nach ihm benannte Von-Klitzing-Konstante entwicklte (

Rk=25812,8074555 konventionelle Ohm)

. Für die Entdeckung des Quanten-Hall-Effekts wurde der in Essen bei Oldenburg aufgewachsene Wissenschaftler 1985 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

Die Forschung mit Genuss betreiben

Und weil Klaus von Klitzing nicht nur ein außergewöhnlicher Wissenschaftler, sondern auch ein leidenschaftlicher Didaktiker ist – „Der Nobelpreis ist für mich eine Verpflichtung, die Begeisterung für die Naturwissenschaften zu wecken“, betont er immer wieder –  lässt er die vielen Gäste in der Aula des AGQ auch sogleich teilhaben an dem historischen Moment: Auf einem (für die Presse damals nachgestellten) Foto ist der junge Klaus von Klitzing an seinem Arbeitsplatz zwischen allerlei physikalischen Apparaturen zu sehen, mit weißem Kittel und ernstem Wissenschaftlerblick – im Vordergrund der Aufnahme aber, etwas unscharf, verraten eine halb geleerte Flasche Rotwein, die Reste eines Baguettes und ein Stückchen Käse, dass man naturwissenschaftliche Forschung durchaus mit Genuss betreiben kann. Wieder ein breites Lächeln im Gesicht des Nobelpreisträgers, wieder eine charmante Erklärung: „Wir haben oft die Nächte durchgearbeitet – und immer um Mitternacht gab es diesen kleinen Imbiss…“

Aha-Erlebnisse für Schüler und Lehrer

Während die staunenden Laien sich vom Nobelpreisträger mit sichtlichem Vergnügen durch die so fremden wie faszinierenden Welten der Watt-Waagen, Urkilogramme und zweidimensionalen Elektronensysteme lotsen ließen, war vor allem auf den Gesichtern der anwesenden Schüler und Lehrer die erhellende Wirkung des einen oder anderen fachspezifischen Aha-Effektes abzulesen. Den Pädagogen und Nachwuchswissenschaftlern dürfte wohl auch am ehesten die Tragweite bewusst geworden sein, die von Klitzings Entdeckung auch aktuell noch immer in sich birgt: Denn wenn im kommenden Jahr die bisher gültigen SI-Basiseinheiten auf der Grundlage von Naturkonstanten mit universaler Präzision neu definiert werden sollen, dann ist der Grundstein für diese Revolution in der Metrologie (der Wissenschaft des Messens) nicht zuletzt in jener Nacht im Februar 1980 gelegt worden, als Klaus von Klitzing in Grenoble das Rotweinglas erhob – und Wissenschaftsgeschichte zu schreiben begann.

(Weiterlesen: Empfang für Nobelpreisträger Klaus von Klitzing in Quakenbrück.)


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