Titel: „So richtig falsch“ Mehrgenerationenstück feiert in Quakenbrück Premiere

Von Arnold Beuke

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Quakenbrück. Was ist richtig? Was ist falsch? Damit beschäftigt sich das neue Mehrgenerationenprojekt in der Theaterwerkstatt Quakenbrück. Dort hatte das Stück „So richtig falsch“ Premiere.

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ – so lautet der berühmte Satz von Theodor Adorno, einem der bekanntesten Philosophen des vergangenen Jahrhunderts. Also eines Mannes, dessen Beruf es war, durch Nachdenken das Leben besser zu verstehen. Dasselbe haben auch die Mitglieder der bunt und vielfältig zusammengesetzten Gruppe getan, die sich im Mehrgenerationenprojekt der Theaterwerkstatt Quakenbrück zusammengefunden haben. Nachdenken über eine Grundfrage des Lebens: Was ist falsch, was ist richtig? Und was unterscheidet beides voneinander? Aus dem Nachdenken wurde schnell Aktion – Ausprobieren, Experimentieren und die Lust, gemeinsam aus Ideen und Gedankenfetzen ein „Produkt“ zu formen, das alle zusammen als Gemeinschaft auf die Bühne bringen.

Farbenfrohes Kaleidoskop

Unter Leitung der Kulturpädagoginnen Heidi Vollprecht und Aishe Spalthoff probte die Gruppe von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, von hier Aufgewachsenen und Migranten, von Schülern, Berufstätigen und Menschen aus Fördereinrichtungen. Sie probierten aus, verwarfen wieder und fügten ihre persönlichen Erfahrungen, Gefühle und Impulse zu einem farbenfrohen Kaleidoskop von Sketchen und Szenen voller Tanz, Schauspiel, Gesang, Pantomime und Aktion zusammen.

Mit und ohne Bühnenerfahrung

Um bühnenerfahrene Darsteller des Erwachsenen- und der beiden Jugendensembles der Theaterwerkstatt mit Ida Behrens, Katharina Bockstiegel, Carla Koppelmann, Rike Korfhage, Jan Ostendorf, Jonas Sperveslage, Samuel Stokowski, Klara Uhlenkamp, Justus Vallo und Lea Vollprecht gruppierten sich viele neue Gesichter, die teilweise erstmals die Theaterwelt für sich entdeckten: Melek und Miriam Aljazaeery, Samar Hakmed, Tanja Hölscher, Maria Seibel. Sie alle brachten für ihre Auftritte den Mut und die Bereitschaft auf, sich fehlerhaft, also schräg, lächerlich oder hässlich verkleidet zu präsentieren – und damit zu faszinieren und zu überzeugen. Das Ergebnis ist ein unterhaltsames Theatererlebnis für alle Beteiligten – auf der Bühne und im Publikum. Um eine wandelbare Kulissenwand, in der sich wunderbare und geheimnisvolle Klappen, Löcher und Fenster öffnen und schließen und auf die sich Graffitis sprühen lassen, entwickelte sich das Spiel, das das Premierenpublikum begeisterte.

Eine herrlich verworrene Handlung

Die Geschichte? Nun, die ist ebenso verworren wie eigentlich gar nicht wichtig: Da folgen quirlige Elfchen auf eine Strandszene in Rimini mit herrlich schrägen Charakteren, da scheitert eine Teilnehmerin am Lampenfiebercasting, weil sie es einfach zu gut macht, um ordentlich zu scheitern. Da machen unverständlich durch trockene Kuchenbrocken sprechende Geheimagenten einen entscheidenden Fehler, als nach wochenlangem Warten das Telefon klingelt. Jugendliche prahlen mit ganz uncoolen Attributen, wie ihren gut geputzten Zähnen oder ihren herrlich fettig-öligen Haaren. Und schließlich lernen die Zuschauer berühmte Helden von Bühne und Film in vertauschten Rollen kennen: Harry Potter wird von seinem Freund durch dessen Dummheit gerettet, und Romeo und Julia schmachten sich in vertauschten Rollen als Romy und Julian an.

Hat man sich als Zuschauer also erst einmal von dem Versuch gelöst, alles verstehen zu wollen, dann beginnt das Vergnügen erst recht an diesem Spielwiesen-Theater, das märchenhaftes Stückwerk und Picknick-Show zugleich ist und dabei herrlich schräg.

Erkenntnis: Es gibt kein falsches Leben im richtigen

Im Mittelpunkt der skurrilen Szenen steht die Erkenntnis, dass Fehler zum Leben gehören und nicht zu vermeiden sind. Im Gegenteil, erst durch Fehler kann man lernen, daran wachsen und ein gelungenes Leben führen. Dieses Theaterstück hilft Toleranz zu entwickeln, die Fehler der anderen zu akzeptieren. Und so verlässt man gut unterhalten und erfreut die Vorstellung mit der Erkenntnis, dass auch das Gegenteil von Adornos Satz stimmt: Es gibt kein falsches Leben im richtigen!


Vorstellungen

Weitere Aufführungen des Theaterstücks „So richtig falsch“ sind am Freitag, 20. Oktober, und Samstag, 21. Oktober, jeweils um 18 Uhr in der Theaterwerkstatt Quakenbrück zu sehen; Eintritt: sieben Euro/ermäßigt vier Euro.

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