Ausverkaufter Auftritt in Quakenbrück Luke Mockridge ist der „Lucky Man“ in der Artland Arena

Von Bjoern Thienenkamp



Quakenbrück. Auf seiner Tour „Lucky Man“ trat Luke Mockridge in der Artland Arena auf. Mit seiner Gegenüberstellung der Kids der 1990er-Jahre und den nach 2000 geborenen Millenniums begeisterte der Comedian die Gäste in der ausverkauften Halle. Als Zugabe überraschte er mit einem vollwertigen Popkonzert.

Eigentlich ist das, was Luke Mockridge erzählt, gar nicht lustig. Eigentlich ist der 28-Jährige nur ein feiner Beobachter der Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte, der seine Erfahrungen wiedergibt. Aber wie er das macht, persifliert und karikiert, das ist eben zum Schreien komisch.

Dialog mit dem Publikum

Toll auch, dass der Kölner keine frontal abgegrenzte Show durchzieht, sondern einen Dialog mit seinen Gästen führt. Dass der Comedian dabei am Meisten redet, fällt überhaupt nicht störend auf. So stellt er auch Fragen und geht auf die Antworten aus dem Publikum ein, statt gelangweilt eine Pointenliste herunterzurattern. Und er ist vor allem eines: sympathisch.

„Hat denn noch jemand eine weite Anreise gehabt?“, fragt Mockridge, der aus Köln gekommen ist. Eine Gruppe Cloppenburger meldet sich. Kritisch hinterfragt Mockridge und ist von den 25 Kilometern nicht sonderlich beeindruckt. Bietet jemand mehr? Die Gruppe aus Damme bringt es auf 30 Kilometer und entzückt den Künstler damit nicht wesentlicher. Allemal sind beide fortan Bestandteil der Show.

Schokobons für Leo

So wie auch Leo Schockemöhle aus Mühlen bei Steinfeld. Wenn es um die junge Generation geht, wird der 13-Jährige in der ersten Reihe gefragt. Nach nicht ganz stubenreinen Witzen bekommt er stets einen Schokobon zugeworfen. Und Leo bekommt viele Schokobons.

„Diem carpe“, zitiert Mockridge ein Wandtatoo und hat bei der Wortverdrehung sogleich den Satzbauverfälscher Yoda aus dem Krieg der Sterne in Verdacht. „Lovestory never endings“, geben Laura und Snezhana aus ihrer Werlter Wohngemeinschaft wieder. „Das ist grammatikalisch falsch“, stellt Mockridge sofort fest, benutzt den Spruch aber wohl gerade deshalb noch zigfach als Running Gag, als durchgezogenen Witz. Reichlich amüsant ordnet er die verschiedenen Generationen ein. Er sei als Kind noch von einer Couch zur anderen gesprungen, um bloß nicht in die vermeintlich kochende Lava dazwischen zu stürzen. Die Millenniums aber hätten ohne Internet gar keinen Lebenssinn mehr. „Wer hat die Kokosnuss geklaut?“, sei die Frage seiner Generation. „Wer hat an der Uhr gedreht?“, habe die Generation davor gefragt. „Wollt Ihr den totalen Krieg?“, habe die Frage der Generation davor gelautet.

„Der Englischunterricht kam von der Kassette“, erinnert sich der Spaßvogel an seine Schulzeit. „Listen and repeat. This is Jack. Jack lives in Dover“, weiß er noch ganz genau. Und auch, wie er zum Helden wurde, als die Kreide alle war. „Luke, gehst du ins Sekretariat und holst Kreide?“, habe der Lehrer gefragt. Den Auftrag habe er natürlich in vollem Verantwortungsbewusstsein ausgeführt. Frustrierend aber sei es gewesen, als er mit seiner Punk-Rock-Band Sprengstoff wegen des Namens nicht beim Schulfest habe auftreten dürfen.

Ein Traum wird wahr

„4000 Schlümpfe in dem Dorf, aber nur eine Schlumpfine“, habe ihm damals nicht zu denken gegeben – jetzt schon. Warum der geschwungene Ikea-Flurspiegel so verbreitet ist, sei ihm jedoch weiterhin nicht klar, könne man sich darin doch gar nicht vollständig sehen. Und dass die Homosexualität von Tinky-Winky bei den Teletubbies mittels Handtasche dargestellt wird, verwundere ihn schon sehr.

Als die Show eigentlich schon aus ist, überrascht Mockridge als Zugabe mit der Metamorphose zu einem Popkonzert. Imposant singt er „Hänschen Klein“ in zahlreichen Variationen, etwa so, wie es bei Linkin Park oder Falco klingen würde. Letztlich steht er mit drei weiteren Musikern als Sprengstoff auf der Bühne, als sei sein Kindheitstraum wahr geworden.

Spätestens bei der grandiosen Simulation von Trailern für einen Aktion- und einen Horror-Film kommt der Komiker zu der Erkenntnis: „Das Leben ist nicht so wie im Film.“ Und er gibt seinem Publikum noch eine Weisheit mit: „Wenn du dich selber suchst, wirst du im Internet nicht fündig.“


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