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Volksfeststimmung bei Kemper Spektakulär: Transrapid erreicht Nortrup

Von Katharina Preuth und Christian Geers


Nortrup. Der Transrapid hat in Nortrup seine Endstation erreicht. Vor dem Gelände der Firma Kemper verfolgen am Donnerstag einige Hunderte Schaulustige die Ankunft und den Aufbau der Magnetschwebebahn. Am späten Nachmittag schließlich liegt die erste der drei Sektionen auf der Betontrasse.

Es herrscht Volksfeststimmung vor dem Gelände des Wurstfabrikanten Kemper. Schon am frühen Morgen gibt es Bratwürste, Getränke – und nur ein Thema. Und das schon seit Wochen. Viel haben die Nortruper über ihren Transrapid gesprochen. Das ganze Dorf hat mitgefiebert, wie die Familie Kühnl, Eigentümer der Firma Kemper, im vergangenen Jahr zunächst den Zuschlag für den Transrapid 09 für 200001 Euro erhielt und wie dann die Vorbereitungen für den Umzug aus Lathen in vollem Gang waren.

Zwei Kräne im Einsatz

In der Nacht zu Donnerstag ging es endlich los. Drei Schwertransporter, viele Helfer, regionale und überregionale Presse machten sich gemeinsam auf den Weg über die nächtlichen Straßen, zunächst zur Anschlussstelle Lathen auf die Autobahn 31. Weiter ging es über Lingen, die Bundessstraßen 213, 70 und 214 entlang über Löningen, Menslage und schließlich nach Nortrup. Der Tross erreichte das Kemper-Gelände gegen 5 Uhr am Morgen.

Kemper-Geschäftsführer Wolfgang Kühnl ist erleichtert, dass der Transport so reibungslos über die Bühne gegangen ist. „Ich war schon angespannt. Aber es ist alles gut gegangen, auch das stürmische Wetter hat den Transport nicht unterbrochen“, freut er sich.

Langsam weicht die nächtliche Dunkelheit, und die ersten Sonnenstrahlen lassen den roten Lack der Magnetschwebebahn glänzen. Mit der aufgehenden Sonne versammeln sich immer mehr Schaulustige auf der abgesperrten Hauptstraße. Die ersten Würstchen gehen über die Theke, während die Arbeiten rund um die Betontrasse voranschreiten.

Zwei Autokräne beginnen, die erste von drei Sektionen anzuheben. Dann gerät der Magnetzug in eine leichte Schieflage, und die Funkgeräte, die die Männer bei sich haben, geben knackende Geräusche von sich. Kommando zurück, heißt es zunächst. Eigentlich sollte der erste Waggon bereits am Vormittag auf der Trasse liegen, doch die Arbeiten verzögern sich. Mehrere Versuche, die erste, rund 35 Tonnen schwere Sektion anzuheben, scheitern. Fieberhaft suchen Techniker nach der Ursache für die offensichtliche Gewichtsverlagerung. Gegen Mittag entscheiden sich die Verantwortlichen schließlich, die Aufhängung zu wechseln, an der der Magnetzug hängt.

Stolze Azubis

Die Einsatzkräfte auf dem Gelände teilen sich auf: Weiße Helme tragen die Mitarbeiter des Transportunternehmens Ulferts, die blauen Schutzhelme gehören zur Firma Kemper. Darunter sind auch die vier Mechatroniker-Auszubildenden Johannes Schulte, Philipp Klippenstein, Tom Arens und Niklas Mitgös. Sie und viele andere Kollegen waren von Beginn an mit dabei.

Bereits in Lathen haben sie den Abbau der Bahn unterstützt, und vor Ort packen sie mit an, wo es nötig ist. Sobald sich der Trubel gelegt hat, wird es ihre Aufgabe sein, den TR 09 wieder zusammenzubauen. „Nee, fahren muss der natürlich nicht mehr, aber gut aussehen sollte er hier schon“, sagt Tom Arens.

Stolz schwingt bei den Auszubildenden hörbar mit. „Zu Recht“, findet auch Werner Lager. Der Betriebsratsvorsitzende hat den Erfinder der Magnetschwebebahn, Hermann Kemper, selbst noch erlebt, wie viele ältere Nortruper auch. Ihn freut, dass die Firma einen schicken Hingucker bekommt, „der Transrapid gehört schließlich zur Familien- und Firmengeschichte dazu“. Auch der Altkreis Bersenbrück werde von dem wiederaufgestellten Transrapid profitieren und um eine Touristenattraktion reicher werden.

Für die Kindergartenkinder und Grundschüler ist er das schon. Die Jungen und Mädchen quetschen sich an den Absperrzaun, um ja nichts zu verpassen. „Der Transrapid ist in den Klassen ein großes Thema“, sagt Lehrerin Margot Tykfer. Dass sie bei gutem Wetter mal vorbeischauen würden, stand für die Grundschule Nortrup fest. „Den hat der Uropa vom Herrn Kemper erfunden“, weiß Erstklässler Jakob zu berichten und zeigt dabei auf die Bahn.

Gegen 15 Uhr ist es schließlich so weit: Die beiden Autokräne heben die erste Sektion des Transrapids an. Gebannt schauen die Techniker, wie der Zug Zentimeter für Zentimer in die Höhe schwebt und an seinen endgültigen Standort manövriert wird. Den Verantwortlichen und auch Wolfgang Kühnl fällt „ein Stein vom Herzen“, für ihn sei das auch ein „sehr emotionaler Moment“. Bis zum Abend sollen auch die anderen Sektionen ihre endgültige Position erreicht haben.