Holzfigur wird 100 Jahre Der eiserne Burgmann aus Quakenbrück bekommt Besuch

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Quakenbrück. Vor 100 Jahren wurde der von Johann Siemer geschnitzte „Eiserne Burgmann“ fertiggestellt, der im Rathaus der Stadt Quakenbrück steht.

Dieter Schumacher und seine Frau Annegret sind zum ersten Mal in Quakenbrück. Sie wollen einem in die Jahre gekommenen Mann einen Besuch abstatten. Dabei handelt es sich aber nicht etwa um einen etwas schrulligen Verwandten. Nein, der Grund ihres Besuches ist aus Holz und bereits 100 Jahre alt. Es ist der Burgmann, den Johann Siemer gemeinsam mit Paul Ehrig im Jahr 1916 fertigte. Eher zufällig ist das Ehepaar aus Uenzen im Landkreis Diepholz auf Fotos von Johann Siemer gestoßen, dem Großvater von Dieter Schumacher, und hat sich daraufhin entschlossen eine kleine Reise zu unternehmen.

Letzte Reise eines Ritters nach Quakenbrück

Zwar habe Johann Siemer seine letzten Jahre gemeinsam mit dem Enkel in einem Haus verbracht, aber das ist jetzt auch schon wieder fast 50 Jahre her. „Früher hat mein Großvater immer mal wieder von dem Burgmann erzählt“, erinnert sich Dieter Schumacher. Von einem Paul Ehrig hat er jedoch noch nie gehört. Dabei haben sie zusammen an der Holzfigur gearbeitet. Den Auftrag erteilte ihnen, so ist es überliefert, ihr Bataillonskommandeur Clemens Freiherr von Schorlemer-Vehr in Frankreich während des Ersten Weltkrieges zur Erinnerung an die Stadt Quakenbrück. Dieser schenkte er den Burgmann, mit dem Hinweis, dass er eine Nagelung des eisernen Mannes wünscht. Bevor er jedoch an die Stadt übergeben wurde, bekam er seinen letzten Schliff in der Künstlerwerkstatt Wulftange in Osnabrück, erst dann, im Jahr 1917, trat er seine letzte Reise nach Quakenbrück an.

Geld für Kriegsopfer gesammelt

Diese Kriegsnagelungen waren in der Zeit ab 1915 in Österreich-Ungarn und im Deutschen Kaiserreich üblich. Gegen eine Spende wurde ein Nagel in ein dafür vorgesehenes Holzobjekt geschlagen. In öffentlichen Veranstaltungen konnte so Geld für Kriegsopfer gesammelt werden. Doch obwohl Millionen von Mark durch die Nagelungen zusammengekommen sein sollen, förderten sie eher den Patriotismus und Zusammenhalt unter der Bevölkerung. Den Burgmann im Quakenbrücker Rathaus zieren eine Reihe solcher Nägel. Somit hat er seine Bestimmung erfüllt. Für Dieter und Annegret Schumacher ist es nicht verwunderlich, dass Johann Siemer für ein Schnitzkunstwerk beauftragt wurde. Der 1886 geborene Großvater studierte nicht nur Innenarchitektur, sondern macht sich auch mit einer Bau- und Möbeltischlerei selbstständig. „Wir haben noch Schränke und Kommoden, die er gebaut hat“, freut sich der Enkel. Den Burgmann fertigten sie aus französischer Pappel. Er erinnert an die Burgmänner des 13. und 14. Jahrhunderts mit ihren Kettenpanzern, Schilden und Schwertern.

Bilder vom Großvater mitgebracht

Bevor die Nachfahren sich nach Quakenbrück aufmachten, kontaktierten sie Peter Hohnhorst von der Wirtschaftsagentur Artland. Zufällig, so erzählt er, habe er sich gerade thematisch mit dem Geburtstag des „eisernen Burgmanns“ auseinandergesetzt und freute sich darauf, mehr über dessen Schaffer zu erfahren. Zu ihrem Besuch bringen Dieter und Annegret Schumacher denn auch Bilder mit, auf denen der Großvater beim Anfertigen des Holzmannes zu sehen ist. Eine Kopie der Fotos wandert auch gleich ins Archiv der Stadt. Heute steht die Skulptur nicht mehr im Sitzungssaal, wie viele Jahre zuvor, sondern für den Besucher des Rathauses auf den ersten Blick sichtbar, im Flur, neben dem Büroeingang des Samtgemeindebürgermeisters.


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