Konfliktlösung und Ehrung Mehr als 130 Gäste beim Unternehmertag in Quakenbrück

Von Jürgen Ackmann


Quakenbrück. Yazan Abo Ayshah ist ein höflicher Mensch. „Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend“, sagt er an die Adresse von mehr als 150 Gäste des Nordkreis-Unternehmertages gerichtet. Er und sein Chef Franz-Josef Fehrmann haben gerade eine besondere Auszeichnung erhalten.

In der großen Halle des Unternehmens Regenis am Finkenweg ist alles hergerichtet – das Buffet, die Sitzplätze, die Bühne. Die betritt nach einer Begrüßung der Gäste durch Moderator Mirko Nordmann, Redakteur beim „Bersenbrücker Kreisblatt“, Claus Peter Poppe als Bürgermeister der ausrichtenden Samtgemeinde Artland. Er freut sich, dass der Unternehmertag in Laufe der vergangenen Jahre immer mehr Zuspruch gefunden hat. Auch erläutert er gerne noch einmal, was es mit der Abkürzung „Ilek“ auf sich hat. Die stehe für „ländliches integriertes Entwicklungskonzept“. Und in ebenjenem Rahmen sei auch der Unternehmertag ins Leben gerufen worden – getragen von den vier Samtgemeinden im Nordkreis.

Die Bedeutung des Unternehmertages unterstreicht auch Landrat Michael Lübersmann mit seiner Anwesenheit. Er wünscht den Gästen, dass sie das Treffen unter dem Regenis-Dach für „viel gute Vernetzungsarbeit“ nutzen. Sie könne eine Antwort sein auf den sich abzeichnenden Fachkräftemangel und den damit verbundenen Kampf um Köpfe. Da seien Kontakte wichtig.

Auch der Gastgeber, Regenis-Geschäftsführer Dieter Schillingmann, ergreift das Wort und macht deutlich, dass er mit Leib und Seele Erfinder, Entwickler und Realisator ist, wenn es um innovative regenerative Energiewirtschaft geht. Vermutlich könnte der Ingenieur über sein Thema stundenlang ohne Punkt und Komma reden, doch lässt er es bei fünf Minuten bewenden und zeigt doch, welches Potenzial in vielen Firmen des Nordkreises steckt.

Dann ist es so weit: Es gilt Yazan Abo Ayshah und Franz-Josef Fehrmann zu würdigen. Das übernehmen Thomas Kohne, Schulleiter der Berufsbildenden Schulen in Bersenbrück, sowie Sven Büsing, Leiter der Agentur für Arbeit im Nordkreis. Die beiden präsentieren zunächst einen Film, der dokumentiert, warum die beiden ein besonderes Beispiel für gelungene berufliche Integration sind.

Yazon Abo Ayshah war 2015 zusammen mit seinem jüngeren Bruder – beide palästinensischer Herkunft – aus seiner vom Bürgerkrieg zerstörten Heimatstadt Damaskus in Syrien über die Türkei, Griechenland und Ungarn nach Deutschland geflohen. Yazon Abo Ayshah hatte zuvor einen dem Abitur vergleichbaren Schulabschluss in Syrien gemacht und strebte ein Studium an. Daraus ist nichts geworden. Und doch ist Yazon Abo Ayshah inzwischen – ebenso wie sein Bruder, der eine Lehre als Zimmermann in Gehrde anfängt, beruflich angekommen. In Deutschland, bei Autohaus Fehrmann. Als Kfz-Mechatroniker-Azubi im zweiten Lehrjahr.

Franz-Josef Fehrmann hat es nicht bereut, Yazon Abo Ayshah eine berufliche Chance zu geben. Wissbegierig sei er, technisch interessiert, begabt. Es mache Spaß, mit ihm zu arbeiten, so Franz-Josef Fehrmann. Yazon Abo Ayshah, der inzwischen gut Deutsch spricht, ist ebenfalls von seinem Arbeitgeber angetan und freut sich, einen Beruf gefunden zu haben, der seinen Neigungen in jeder Hinsicht entspricht.

Von einer „Win-win-Situation“ ist beim Unternehmertag die Rede, von einem guten Beispiel. Und das ist es tatsächlich, wie auch viele Gäste in der anschließenden Buffet-Pause in der Regenis-Halle finden. Sie warten zudem darauf, was da noch kommen möge.

Es kommt Daniela A. Ben Said. Nach eigener Beschreibung „Glücksexpertin aus Freilandhaltung“ und „dialogisch“, „infoblüffend“ sowie „Strategierig“. Und auf jeden Fall unterhaltend. Das Thema der national renommierten Rednerin und Trainerin aus Osnabrück: „Konfliktpsychologik“. Mit vielen anschaulichen Beispielen vermittelt sie in 60 Minuten der vor ihr sitzenden Unternehmerriege, wie sie mit Konflikten in ihren Firmen oder auch im Privatleben umgehen können und welche Arten von Konflikten es gibt.

Zudem gibt sie einige einfache Ratschläge, die viele schon gehört haben, die aber längst nicht immer berücksichtigt werden, wie Daniela A. Ben Said findet: Zuhören, gezielt nachfragen, nicht immer vorpreschen und selbst Lösungen vorgeben und gelegentlich auch einmal Schweigen aushalten. Ebenfalls wichtig bei Auseinandersetzungen in beruflichen Situationen: Kritik immer nur am Verhalten üben, nie an Personen.

All das und noch mehr vermittelt Daniela A. Ben Said bisweilen schauspielerisch, indem sie in wechselnde Rollen schlüpft und Gesprächssituationen aus unterschiedlichen Blickwinkeln gestaltet. Dem Publikum gefällt es. Daniela A. Ben Said auch. Begeistert von Franz-Josef Fehrmann und seinem Auszubildenden Yazon Abo Ayshah bietet sie an, beim Kirschblütenfest in Gehrde, das der Unternehmer mitorganisiert, kostenlos einen Auftritt zu absolvieren. Die Gehrder dürfen sich freuen.