Aufwendige Sanierung Bonnus-Geburtshaus „Juwel“ der Quakenbrücker Stadtgeschichte

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Quakenbrück. 2015 war die Rettung des Geburtshauses von Hermann Bonnus noch ein Thema in der Roten Mappe des Niedersächsischen Heimatbundes (NHB). Zwei Jahre nach seiner Gründung steckt der Trägerverein viel Geld und noch mehr Zeit in den Wiederaufbau. Ein Besuch auf der Baustelle.

Nicht erst mit dem 98. Niedersachstag rückte das auf den ersten Blick unscheinbare Fachwerkhaus an der Goldstraße wieder in den Blickpunkt des Interesses. Seit zwei Jahren arbeitet ein Trägerverein mit weit mehr als 80 Mitgliedern daran, das Haus aus dem Dornröschenschlaf zu holen.

Geburtshaus des Reformators Hermann Bonnus

„Fachwerkhaus-Methusalem“ bezeichnet die Deutsche Stiftung Denkmalschutz den Zweiständer-Fachwerkbau in der Altstadt, in dem 1504 der Reformator Hermann Bonnus zur Welt gekommen sein soll. Es sei, sind sich die Experten einig, eines der letzten, original erhalten gebliebenen Geburtshäuser eines Reformators. Das macht es zu einem bedeutenden Ort in der Burgmannstadt und – mit Blick auf die Reformation – weit darüber hinaus.

Erbaut auf der Schwelle vom 15. zum 16. Jahrhundert

Klarheit brachten sogenannte dendrochronologische Untersuchungen: Fachleute nahmen aus dem Gebälk gezogene Bohrkerne unter die Lupe und stellten fest, dass das Holz um 1495 gefällt, das Haus also auf der Schwelle vom 15. zum 16. Jahrhundert gebaut worden war. Und damit sei es als Kulturdenkmal mindestens von regionaler Bedeutung, weiß Paul Gärtner. „Das Haus ist eines der bedeutendsten Juwelen unserer Stadt“, schiebt er nach. Es dürfte sogar zu den ältesten kleinstädtischen Häusern im westlichen Niedersachsen zählen. „Und damit ist es ein spannendes Objekt für jede Stadtführung“, sagt der Gästeführer.

Angemessene Nutzung für das Kleinod

Der frühere Quakenbrücker Bürgermeister und langjährige Lehrer am Artland-Gymnasium hat im Juli 2015 den Vorsitz des neu gegründeten Trägervereins Hermann-Bonnus-Geburtshaus übernommen. Unter dessen Regie soll nun in Kürze mit der Restaurierung begonnen werden und, was genauso wichtig ist, für das Kleinod eine angemessene Nutzung gefunden werden. Dafür wirbt der Verein Spenden ein und rührt die Werbetrommel.

Gärtner: Stadtgesellschaft trägt das Vorhaben mit

Gärtner ist optimistisch, das Ziel zu erreichen. „Die Stadtgesellschaft trägt das Vorhaben mit“, sagt er. Auch Peter Hohnhorst, Mitarbeiter der Samtgemeinde Artland und Vize-Vorsitzender des Trägervereins, ist überzeugt, mit dem restaurierten Hermann-Bonnus-Geburtshaus ein neues Highlight in Sachen Tourismus zu schaffen. Der Kulturschatz Artland, den die mächtigen Fachwerk-Bauernhöfe rund um Quakenbrück prägen, bekomme einen neuen Hingucker. Und einen Ort, der die Bikonfessionalität, das Nebeneinander von Katholiken und Protestanten in der Region, beleuchtet. 2018 soll es, wenn die papiernen Pläne so umgesetzt werden wie beschlossen, so weit sein.

Faszinierende Einblicke nach dem Entrümpeln

Regelmäßig treffen sich Paul Gärtner, Peter Hohnhorst und mit ihnen Vorstand und Mitglieder des Trägervereins in dem Fachwerkgebäude an der Goldstraße. Zu tun gibt es immer etwas: Im Frühjahr halfen Schüler der Bramscher Berufsbildungsstätte „Die Brücke“, die Räume zu entrümpeln und die Wände teilweise freizulegen. Und das, was Denkmalschützer wie Elisabeth Sieve von der Unteren Denkmalschutzbehörde beim Landkreis Osnabrück zu sehen bekamen, war faszinierend: Reste alter Lehmwände kamen zum Vorschein, Gefache, die mit Stroh ausgekleidet waren, Stuckdecken, die allerdings erst im 19. Jahrhundert geschaffen wurden. Der Blick hinter die Wände offenbarte aber auch, vor welchen Herausforderungen der mit der Sanierung beauftragte Quakenbrücker Architekt Klaus Keller bei der behutsamen Restaurierung steht. Das Fachwerkhaus muss gesichert werden, weil Balken marode sind und die Last nicht mehr tragen können.

Bausünden aus den 1960er- und 1970er-Jahren

Vor allem aber müssen die Bausünden aus den 1960er- und 1970er-Jahren wieder rückgängig gemacht werden. Damals wurde die Fassade zur Goldstraße um einen halben Meter zurückversetzt. Alle Balken wurden gekürzt, das Haus erhielt eine Schaufensterfront, die später wieder durch Fachwerk ersetzt wurde. „An dieser Stelle wird der alte historische Zustand wiederhergestellt“, versprach der Architekt, als er dem Vorstand im Frühjahr die Pläne erläuterte: Eine Stufe führt nach dem Umbau ins Haus, durch eine zweiflügelige Tür.

Archäologen nutzten Zeit für Grabungen

Auch für die Mitarbeiter der Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück ist das Hermann-Bonnus-Geburtshaus ein begehrtes Forschungsobjekt. Archäologe Simon Haupt und Patricia Bersabé Gutiérrez, Studentin der Archäologie-Geschichte-Landschaft an der Universität Münster und freie Mitarbeiterin der Stadt- und Kreisarchäologie, gingen in den vergangenen Wochen der Geschichte buchstäblich auf den Grund. In einem Raum gleich neben dem bisherigen Seiteneingang gruben sie sich fast zwei Meter in die Erde. In dem quadratischen, etwa zwei mal zwei Meter großen Loch haben sie die Erdschichten behutsam mit der Kelle abgetragen.

Hinweise auf einen Stadtbrand gefunden

Für den Laien wechseln sich helle und dunkle Schichten ab, Auffüllhorizonte nennt der Archäologe die unterschiedlich breiten Streifen. Und manches lässt sich auf den ersten Blick deuten: Während die gelbe Schicht weiter unten wohl für den Hasesand steht, der an dieser Stelle einst aufgeschüttet wurde, um den Bau des Hauses in der nassen und sumpfigen Ecke mit einem sicheren Fundament zu ermöglichen, könnte eine dünne schwarze Schicht möglicherweise ein Hinweis auf einen Stadtbrand sein. „Wir sichten und dokumentieren alle Befunde, ausgewertet werden sie hinterher am Schreibtisch“, erklärt Haupt. Paul Gärtner und Peter Hohnhorst hören den Experten aufmerksam zu. Sie ahnen: Noch hat das Gebäude nicht alle seine Geheimnisse preisgegeben.


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