Schmerztherapie mit VR-Brille Zweiter Prototypentest im Quakenbrücker Krankenhaus


Quakenbrück. Ein virtuelles Eigenheim mit Garten bildet die Umgebung, in der zukünftig Schmerzpatienten im Christlichen Krankenhaus Quakenbrück anhand unterschiedlicher Übungen ihre Mobilität trainieren sollen. Das Haus ist poppig bunt, die Sonne scheint, Bienen summen durch die Luft, und hin und wieder schaut ein kleiner Wurm aus einem der Äpfel am Apfelbaum.

Ausgestattet mit VR-Brille und zwei Controllern als Handersatz, taucht der Patient in die virtuelle Welt ein und hat schnell vergessen, dass man eigentlich in einem kahlen Hörsaal steht. Nach einer kurzen Orientierung befolgt man die Anweisungen von Corantis-Projektkoordinator Benjamin Kinast. Verschiedene Aufgaben wie das Einsortieren von Büchern im Wohnzimmer, die Obst- und Gemüseernte im Garten und die anschließende Zubereitung von Speisen in der virtuellen Küche stehen für die Probanden auf dem Programm.

Beweglichkeit verbessern

Dabei werden spielerisch verschiedene Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit ausgeführt. Vom Hinhocken über das Strecken des Körpers bis hin zur präzisen Ausführung bestimmter Bewegungen reichen die durch die Übungen geforderten Bewegungen. Mit einem Klick beamt man sich in die einzelnen Räume des Hauses oder – zur Belohnung nach erfolgreicher Übungsfolge – in den Meditations- und Entspannungsbereich der virtuellen Welt.

Fünf weitere Projektpartner

Bereits im vergangenen Jahr lief eine erste Testphase des Projektes ViReP (Virtual Reality in Pain Management) der Corantis Kliniken im Christlichen Krankenhaus unter der Fragestellung „Kann der Einsatz von VR zu einer Verbesserung der Behandlung von chronischen Rückenschmerzen beitragen?“ ViReP ist ein Teilprojekt des Interreg-V-Programms „Medizinische Innovation Niederlande-Deutschland (Mind)“. Beteiligt sind fünf weitere Projektpartner. Nach der ersten Testphase im Jahr 2016 wurde die virtuelle Therapieumgebung erheblich erweitert und optimiert. „Durch visuelle Reize soll die Konzentration der Patienten vom Schmerz auf die Umgebung gelenkt werden, um so betroffene Körperteile schmerzfrei therapieren zu können und den Patienten zusätzlich die Angst vor sonst schmerzenden Bewegungen zu nehmen“, erläutert Kinast.

Und so zeigt sich auch Dr. Bernhard Birmes, Chefarzt der Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie des CKQ und Leiter des Zentrums für Multimodale Schmerztherapie der St.-Anna-Klinik Löningen, erfreut über die Fortschritte des Projektes: „In einem nächsten Schritt möchten wir den medizinisch-therapeutischen Mehrwert anhand von Studien mit unseren chronischen Schmerzpatienten prüfen“, plant Birmes.

„Everyday Tasks“

Neben den Schmerz-Experten testeten im CKQ auch Pflegefachkräfte, Physiotherapeuten und Psychologen die erheblich weiterentwickelte Therapieumgebung mit dem Namen „Everyday Tasks“, um zu ermitteln, wie das Angebot noch besser auf die speziellen Bedürfnisse von Schmerzpatienten angepasst werden kann. Dabei beurteilten die Probanden Grafik und Umgebung überwiegend positiv.

In den kommenden Monaten soll laut Pressemitteilung der Prototyp an weiteren Corantis-Kliniken getestet werden.


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