Leichnam exhumiert Ermittlungen gegen Todespfleger Niels H. auch in Quakenbrück


Quakenbrück. Im Zuge der Ermittlungen der Sonderkommission „Kardio“ von Staatsanwaltschaft und Polizei Oldenburg gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels H. aus Delmenhorst ist am Dienstagvormittag auf einem Friedhof in Quakenbrück eine Leiche exhumiert worden. Durch toxikologische Untersuchungen der entnommenen Gewebeproben soll nun geklärt werden, ob es sich bei dem Leichnam um ein weiteres Opfer des Todespflegers handelt.

Wie Maike Meisterling, Sprecherin der Sonderkommission (Soko) „Kardio“ auf Anfrage unserer Redaktion berichtete, wurde der Leichnam am Dienstagvormittag in Quakenbrück exhumiert und ins Institut für Rechtsmedizin nach Oldenburg gebracht. Dort wurden dem Leichnam Gewebeproben entnommen. Am Dienstagnachmittag bereits fand die Wiederbeisetzung in Quakenbrück statt. Wie die Soko-Sprecherin erklärte, sei es gängige Praxis, dass Exhumierung, Gewebeentnahme und Wiederbeisetzung an einem Tag stattfinden.

Durch toxikologische Untersuchung der Gewebeproben wollen die Experten herausfinden, ob sich im Körper des Leichnams Inhaltsstoffe befinden, die „nicht ärztlich indiziert worden sind“, erklärte Maike Meisterling. Im Klartext: Die Pathologen suchen nach Spuren des Herzmedikaments, dass Niels H. seinen Opfern verabreicht hat. Falls Rückstände solcher Präparate nachgewiesen werden können, „erhärtet sich für uns der Tatverdacht“, so Maike Meisterling. Wann die Ergebnisse der toxikologischen Untersuchungen vorliegen, konnte die Soko-Sprecherin nicht sagen.

Lebenslang in Haft

Bei den Ermittlungen gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels H., der bereits im November 2015 vom Landgericht Oldenburg wegen zweifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs sowie gefährlicher Körperverletzung in einem weiteren Fall zu lebenslanger Haft verurteilt war, hatten sich den Beamten der Soko „Kardio“ Hinweise auf die in Quakenbrück beigesetzte Person ergeben.

Nähere Angaben zur Identität des oder der Verstorbenen machte die Sprecherin der Soko „Kardio“ nicht. Fest steht nur, dass die Person zwischen 1999 und 2002 im Klinikum Oldenburg behandelt worden sein muss und dort auch verstorben ist. Zu der Zeit war Niels H. nämlich als Intensivpfleger am Klinikum Oldenburg beschäftigt, von 2002 bis 2005 arbeitete er am Klinikum Delmenhorst.

Während die Untersuchungen der Fälle im Klinikum Delmenhorst abgeschlossen sind, ermittelt die Soko „Kardio“ nun, ob und für wie viele Todesfälle Niels H. am Klinikum Oldenburg verantwortlich ist. Bei der Überprüfung mehrer Hundert Patientenakten war ein unabhängiger Gutachter, der die Todesfälle in Oldenburg untersucht, auf die in Quakenbrück beigesetzte Person gestoßen.

Niels H. hatte in dem Prozess vor dem Landgericht Oldenburg zugegeben, Patienten ein Medikament gespritzt zu haben, um bei ihnen Herzrhythmusstörungen auszulösen und sich anschließend bei der Reanimation beweisen zu können. Dabei hatte er den Tod der Patienten billigend in Kauf genommen.

Wie viele Menschen Niels H. dadurch tatsächlich getötet hat, ist noch unklar. Bislang gegen die Ermittler von mehr als 40 Taten aus. Mittlerweile sind mehr als 100 ehemalige Patienten der Kliniken Delmenhorst und Oldenburg exhumiert worden, zuletzt auch in Heede (Kreis Emsland) und in Ostrhauderfehn (Landkreis Leer) .


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