Vortrag über Hermann Bonnus Der Quakenbrücker Reformator und der „religiöse Flächenbrand“

Von Bernard Middendorf

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„Von Quakenbrück nach Wittenberg – von Wittenberg nach Quakenbrück“ – so lautete der 14. Vortrag der Artland-Akademie Quakenbrück (AAQ), den Theologieprofessor Martin H. Jung im Hörsaal des Christlichen Krankenhauses Quakenbrück hielt. Foto: Bernard Middendorf„Von Quakenbrück nach Wittenberg – von Wittenberg nach Quakenbrück“ – so lautete der 14. Vortrag der Artland-Akademie Quakenbrück (AAQ), den Theologieprofessor Martin H. Jung im Hörsaal des Christlichen Krankenhauses Quakenbrück hielt. Foto: Bernard Middendorf

Quakenbrück. Fesselnd, lebendig und manchmal mit feinsinnigem Humor – auf diese Weise brachte Dr. Martin H. Jung den Zuhörern der Artland-Akademie Quakenbrück (AAQ) im Hörsaal des Christlichen Krankenhauses Quakenbrück (CKQ), die Person des in Quakenbrück geborenen Reformators Hermann Bonnus näher brachte. Jung erwies sich als ausgesprochener Experte für den Verlauf der Reformation im Osnabrücker Land.

Wer war der Reformator, der vor 513 Jahren in Quakenbrück geboren wurde und seine ganze Energie einer durchaus revolutionär zu nennenden Bewegung widmete? Dieser Frage ging Martin Jung, Professor für Evangelische Theologie an der Universität Osnabrück, nach, und er blieb keine Antwort schuldig.

„Begegnung“ vor 20 Jahren

„Ich bin Hermann Bonnus erstmals vor 20 Jahren begegnet“, gestand er lächelnd die große Anziehungskraft ein, die dessen Vita auf ihn ausübte. Ohne Martin Luther, seinen Thesenanschlag 1517 in Wittenberg und seinen spektakulären Auftritt 1521 vor dem Kaiser in Worms hätte es zwar niemals eine Reformation gegeben, aber ohne „Jünger“ wie Hermann Bonnus auch nicht den religiösen Flächenbrand, der sich in ganz Deutschland ausbreitete. „Es muss in Quakenbrück schon damals ein kleines evangelisches Nest gegeben haben, weil gleich drei Studenten an die Reformations-Universität nach Wittenberg geschickt wurden“, scherzte Jung.

„Pionier“ der religiösen Bewegung im Osnabrücker Land

Bonnus genoss große Wertschätzung bei Melanchthon und sogar bei Luther, der ihm persönlich schrieb „Halte durch!“. Nach der Rückkehr aus Wittenberg an seinen Geburtsort quasi als „Pionier“ der religiösen Bewegung im Osnabrücker Land aktiv, wurde er von Bischof Franz von Waldeck strategisch klug eingesetzt, um diese gewaltlos zu verbreiten. „Wie macht man eine Reformation? Man braucht Theologen, die was von der Sache verstehen, Politiker, die mitgehen, eine neue Kirchenordnung und sodann Visitationen in den Gemeinden“, fand Jung auch ein historisches „Controlling“ wichtig, das Bonnus konsequent praktizierte. „In Quakenbrück hat er vor allem allzu frühen Branntweingenuss und Ehebruch gerügt“ – diese augenzwinkernde Bemerkung erzeugte Heiterkeit im Auditorium.

Toleranz als Alleinstellungsmerkmal im Osnabrücker Land

Ein Alleinstellungsmerkmal im Osnabrücker Land sei die außergewöhnliche Toleranz der ansonsten deutschlandweit verfeindeten Konfessionen gewesen, lobte Jung auch die Vorfahren der Artländer. Er freute sich über die geplante Restauration des Hermann-Bonnus-Geburtshauses und empfahl den 20. Mai – Datum der Verkündung der neuen Kirchenordnung durch Hermann Bonnus an „Trinitatis“ in der St.-Sylvester-Kirche – als Gedenktag.

Predigten waren die Bildungsquelle

Ina Eggemann, katholische Theologin und Mitglied im Arbeitskreis Christlicher Kirchen im Artland (ACK), dankte für den „kurzweiligen und doch weiten Bogen“, der geschlagen worden sei. Sie leitete die rege Diskussion mit diversen Fragen, die Jung sehr aufschlussreich beantwortete. Predigten seien einzige Bildungsquelle des „kleinen Mannes“ gewesen. Nicht die Abschaffung des Zölibats durch Luther, sondern vielmehr seine erzwungene Einführung im Mittelalter sei kritikwürdig. Monetäre Motive hätten beim liberalen Landesherrn Franz von Waldeck sicher nur eine untergeordnete Rolle gespielt. „Gegenwehr“ hätte es bei Gläubigen im Osnabrücker Land kaum gegeben – dem Prediger, der die neue Konfession überzeugend rüberbrachte, wurde vertraut.

Bonnus-Geburtshaus soll Museum werden

Pastor Wolfgang Thon-Breuker übergab dem Referenten ein Präsent. Paul Gärtner als Vorsitzender warb um Mitglieder und Spenden für den Trägerverein des Hermann-Bonnus-Geburtshauses, dessen denkmalsgerechte Renovierung sehr kostenträchtig werde. Helmut R. Henrichs schloss in seinen Dank den Hinweis auf den am 28. April geplanten Vortrag von Stefanie Bröring, Bonner Professorin für Technologie- und Innovationsmanagement, mit ein.


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