Floristin Helga Schäfer hört auf Quakenbrückerin setzte 60 Jahre lang Blumen in Szene

Helga Schäfer hat nach fast 60 Jahren ihren Abschied von der Floristik genommen. Foto: Alexandra LüdersHelga Schäfer hat nach fast 60 Jahren ihren Abschied von der Floristik genommen. Foto: Alexandra Lüders

Quakenbrück. Das Typische einer Pflanze herauszukristallisieren und den Werkstoff ganz individuell passend zu Anlass und Jahreszeit zu gestalten – dies war fast 60 Jahre lang Zielsetzung im Arbeitsalltag der Floristik-Meisterin Helga Schäfer an der Bahnhofstraße in Quakenbrück. Nun hat sie ihr zauberhaftes, kleines Geschäft geschlossen. Sehr zum Bedauern ihrer Kunden, die der Ruheständlerin jahrzehntelang die Treue gehalten haben.

„Ich habe bei der Anfertigung von Werkstücken immer besonders viel Wert gelegt auf Farbe, Form und Proportionen. Die Grundlage meiner Gestaltungen traf meistens genau den Geschmack der Kunden, weshalb ich viele gute Rückmeldungen bekommen habe. Jetzt klopfen sie immer noch an, umarmen mich und danken für die vielen Sträuße und Gestecke. Das tut mir richtig gut“, sagte die 75-Jährige. Sie bedanke sich bei den Kunden für die lange Treue und Zusammenarbeit. „Mir hat meine Arbeit immer sehr viel Freude gemacht.“

Lehrzeit in Lingen

Ihre Leidenschaft zu allem Blühenden begann 1957 während ihrer dreijährigen Lehre als Blumenbinderin in Lingen. Für ihre Arbeit erhielt die Quakenbrückerin dort Kost und Logis und im dritten Jahr noch 50 Euro Taschengeld. Nach der Ausbildung arbeitete Schäfer – damals noch Thönebe – ein halbes Jahr in Wuppertal-Barmen. Es folgten Fortbildungen und der Besuch der einjährigen Meisterschule in Bonn-Bad Godesberg.

Blumenschmuck für Staatsempfänge gestaltet

„Mein damaliger Lehrer hat mich stilistisch sehr geprägt. In dieser Zeit habe ich sogar Blumenschmuck für Staatsempfänge im Schloss Brühl und für die Redoute in Bad Godesberg kreiert“, schwärmt Schäfer von ihren floristischen Highlights. 1967 heiratete sie den Gärtnermeister Walter Schäfer und kehrte ins elterliche Geschäft von Rudolf Thönebe zurück, das dieser 1938 gegründet hatte und das seine Tochter ab 1989 übernahm.

Zehn Lehrlinge ausgebildet

Seitdem hat sie zehn Lehrlinge ausgebildet und wirkte 40 Jahre im Prüfungsausschuss der Industrie- und Handelskammer (IHK) Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim mit. „In dieser Zeit hat es viele Gesetzesänderungen gegeben. Es war eine spannende und verantwortungsvolle Aufgabe, von der ich menschlich und beruflich sehr profitiert habe. Ich hatte zwar schon immer viel Liebe für die Blumen und die Natur. Aber die Jahre als IHK-Prüferin haben mein Auge für Gestaltung sehr geschärft“, erinnert sich Helga Schäfer gern an die vielen Inspirationen.

In sechs Jahrzehnten viele Trends erlebt

Die Seniorin hat im Laufe der 60 Jahre viele Trends kommen und gehen gesehen, ist aber ihrem eigenen, filigranen Stil treu geblieben. Deshalb auch hat sich ihre Vorliebe für die zarten, duftenden , rankenden Wicken bis heute erhalten. Zu ihrem Bedauern habe sich in den vergangenen Jahrzehnten der Braut- und Trauerschmuck stark verändert. „Früher legte man Wert auf üppige und schöne Sträuße. Das Auto, der Saal und die Kirche wurden opulent geschmückt. Von Geld wurde nicht gesprochen. In der heutigen Zeit wird der Blumenschmuck einen Tag vor der Hochzeit bestellt, und es darf kein Geld kosten. Die kirchliche Trauung ist zunehmend unwichtiger geworden“, bedauert Schäfer die Entwicklung. Der Kunde orientiere sich in seinem Geschmack an Hochglanzmagazinen, wo meistens die Farbe weiss die bevorzugte Blumenfarbe sei. „Auf den Friedhöfen nehmen Urnenbestattungen zu und statt der großen Trauerkränze sind nur kleine Gebinde nachgefragt.

Auch im Ruhestand will sie kreativ bleiben

Das Zeitalter des Minimalismus spiegelt sich auch in unserem Beruf“, resümiert Helga Schäfer. In ihrem Ruhestand will sie sich verstärkt anderen kreativen Tätigkeiten und ihrem Hund Lilo zuwenden. Denn sie hat noch weitere Talente.


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