Genehmigung auf der Zielgeraden Schon 39 Bewerber für neues Quakenbrücker Baugebiet

Von Christian Geers


Quakenbrück. Ein Entwurf für die Erschließung des neuen Baugebiets „Hartlage“ liegt auf dem Tisch. Doch die Empfehlung, diesen als Satzung zu beschließen, gab der Bauausschuss nicht. Die endgültige Entscheidung fällt nun im Stadtrat am 7. Dezember.

Nach der öffentlichen Auslegung des Planentwurfs für das Baugebiet „Hartlage“ am nördlichen Stadtrand hatten Behörden und Bürger Anregungen und Bedenken geäußert, die das Planungsbüro auf 38 Seiten zusammengefasst und zu jedem Punkt jeweils einen Abwägungsvorschlag unterbreitet hatte. Die Eingaben der Bürger drehten sich nach den Worten des zuständigen Fachbereichsleiters Planen und Bauen um vier Bereiche. „Verkehr, Überschwemmungsgebiet, Niederschläge und Naturschutz“, sagt Frank Wuller in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Planen und Bauen. Kritisch hinterfragt worden sei auch, ob das Baugebiet von 11,5 Hektar Größe überhaupt erforderlich sei. Diese Frage beantwortet er mit einem klaren „Ja“: „Wir haben bisher 39 konkrete Bewerbungen für einen Bauplatz vorliegen“, berichtete Wuller. Das seien bereits mehr Anfragen, als im ersten Bauabschnitt überhaupt vorgesehen seien.

Wasserbehördliche Ausnahmegenehmigung

Wuller wies noch einmal darauf hin, dass das Neubaugebiet ursprünglich in einem Überschwemmungsgebiet gelegen habe. Durch die Bebauung entfalle zwar ein Überschwemmungsvolumen von rund 1700 Kubikmetern. Der Landkreis Osnabrück habe aber eine wasserbehördliche Ausnahmegenehmigung erteilt, weil die Stadt eine Sekundäraue an der Großen Mühlenhase mit einem Volumen von rund 7600 Kubikmeter schaffe. Dazu komme das inzwischen fertiggestellte Regenrückhaltebecken an der Mohnstraße mit weiteren 1200 Kubikmetern. „Die Situation verschlechtert sich also nicht. Das neue Baugebiet hat mit Blick auf die Hochwassergefahr keine negativen Auswirkungen auf die Hengelage“, erläuterte der Fachbereichsleiter. Auch auf Starkregen sei der Bebauungsplan abgestimmt: Durch die vorgesehenen wasserbaulichen Maßnahmen sei eine Zunahme der Hochwassergefahr wegen des Baugebiets nicht zu erwarten.

„Fledermausfreundliche Beleuchtung“ festgeschrieben

Was den Naturschutz angeht, fand das beauftragte Fachbüro während seiner fünf Begehungen keine Habitate für Uhu, Waldohreule und Waldkauz. Auch Hinweise auf Fledermäuse habe es nicht gegeben, so Wuller. Dennoch werde im Bebauungsplan festgelegt, dass es eine „fledermausfreundliche Beleuchtung“ geben werde.

Höhe der Gullydeckel als Bezugspunkt

Zu Fragen des Verkehrs wies Frank Wuller darauf hin, dass die Straßen im neuen Baugebiet „Hartlage“ verkehrsberuhigt ausgebaut würden. Eine reine Durchgangsstraße für Autos gibt es nicht, nur Rad- und Fußgänger können diese Straße durchgängig benutzen. Damit auch die Müllfahrzeuge keine Probleme haben, wird ein großer Wendehammer mit eingeplant. Die Brücke über die Große Mühlenhase wird einspurig sein. Und eine Premiere gibt es im aktuellen Entwurf des Bebauungsplanes auch noch: Erstmals wird die Höhe der Gullydeckel (über Normalnull) in den Straßen als maßgeblicher Höhenbezugspunkt festgelegt. Damit gilt die Vorgabe, dass der Erdgeschossfußboden eines Neubaus maximal 50 Zentimeter höher liegen darf als die Oberkante der Straße.

Henemann: Bebauungsplan ist ergänzungsbedürftig

Für Andreas Henemann (Bündnis 90/Die Grünen) ist „der Bebauungsplan immer noch ergänzungsbedürftig“. Er wiederholte seine Kritik, wonach die Kfz-Brücke über die Große Mühlenhase überflüssig sei. Außerdem bemängelte er, dass die südliche Erschließung des Gebietes über die Bürgermeister-Magnus-Straße nicht berücksichtigt werde. Henemann vermisste auch einen Standort für Plusenergiehäuser, die als Pilot- und Demonstrationsprojekt sehr gut zum Klimaschutzprogramm des Landkreises Osnabrück passten. Er mahnte ein „städtebauliches Gesamtkonzept“ an, um ein stimmiges Bild in dem Gebiet zu erhalten. „Sonst droht ein Konglomerat an Zufälligkeiten mit ein- oder zweigeschossigen Gebäuden“.

Fachbereichsleiter warnt vor „zu starren Festlegungen“

Wuller versuchte, die Einwände zu entkräften. Die Erschließung über die Bürgermeister-Magnus-Straße habe die Stadt im Blick und „wird auf lange Sicht kommen“. Plusenergiehäuser seien kein Thema für den Bebauungsplan, das könne der Stadtrat in einer Vergaberichtlinie für die Baugrundstücke regeln. Größeren Geschosswohnungsbau wird es laut Wuller nicht geben, zu starre Festlegungen allerdings würden den Bauherrn in seiner individuellen Gestaltungsfreiheit beschränken. Es gebe aber Festlegungen, wonach für den Bau von Carports ein Mindestabstand gelte und die Häuser mindestens drei Meter Abstand zur Straßenflucht haben müssten.

Neebuhr: Bürger nicht gängeln

„Es gibt Vorschriften, aber wir sollten jedem Bauherrn überlassen, wie er baut, und ihn nicht gängeln“, sagte Manfred Neebuhr ( FDP ). Er sprach sich dagegen aus, Straßenzüge festzulegen, in denen Plusenergiehäuser gebaut werden sollten. Das sei auch nicht ohne Weiteres möglich, erläuterte Fachbereichsleiter Frank Wuller. Jede nachträgliche neue Festlegung im Bebauungsplan ziehe eine erneute Auslegung mit Öffentlichkeitsbeteiligung nach sich. „Im Klartext: Es vergeht wieder ein Vierteljahr.“

Gärtner: Das Ding ist ausverhandelt

„Das Ding ist ausverhandelt“, stellte Paul Gärtner (SPD) fest. Doch eine Empfehlung an den Stadtrat, den Bebauungsplan als Satzung zu beschließen, fasste der Ausschuss nicht. Stattdessen folgte er mehrheitlich dem Vorschlag von Bernhard Stöver (CDU): Demzufolge fällt das endgültige Votum in der Sitzung des Stadtrates am Mittwoch, dem 7. Dezember.