Ein Monat ohne Bewährung Quakenbrücker Gurkendieb muss ins Gefängnis

Weil er fünf Gurken im Wert von einem Euro gestohlen hat, muss ein 59-jähriger Quakenbrücker für einen Monat ins Gefängnis. Das entschied das Landgericht. Symbolfoto: dpaWeil er fünf Gurken im Wert von einem Euro gestohlen hat, muss ein 59-jähriger Quakenbrücker für einen Monat ins Gefängnis. Das entschied das Landgericht. Symbolfoto: dpa

Osnabrück/Quakenbrück. Weil er fünf Gurken im Wert von einem Euro gestohlen hat, muss ein 59-jähriger Quakenbrücker für einen Monat ins Gefängnis. Damit bestätigte das Landgericht Osnabrück am Mittwoch das Urteil des Amtsgerichtes Bersenbrück.

Fünf Gurken im Wert von einem Euro. Diese hatte ein 59-jähriger Quakenbrücker im März dieses Jahres in einem Supermarkt gestohlen. Selbst der Richter konnte sich angesichts des Corpus Delicti ein Lächeln nicht verkneifen. „Das ist aber auch das einzig Lustige“, steuerte auch der Staatsanwalt später in seinem Plädoyer bei. Das Amtsgericht Bersenbrück verurteilte den Mann im September zu einer Haftstrafe von einem Monat, die nicht zur Bewährung ausgesetzt wurde. Dagegen legte er Berufung vor dem Landgericht ein. „Ich will nicht wieder in den Knast“, gab er als Grund dafür an.

„Ich dachte, ich hab die bezahlt“

Der 59-Jährige ist alkoholkrank und seit fünf Jahren arbeitslos. Bei seinem Einkauf trug er zwei Taschen bei sich. Einige Gurken hatte er in der einen, die fünf restlichen Gurken in der anderen Tasche verstaut, die, so die Anklage, „für eigene Zwecke vorgesehen waren“. An der Kasse bezahlte der Mann die Lebensmittel aus der ersten Tüte, die Gurken in dem anderen Beutel jedoch nicht. Ein Verkäufer, der am Mittwoch als Zeuge aussagte, hatte den 59-Jährigen beobachtet und ihn später auf den Vorfall angesprochen. Es sei „dumm gelaufen“, so der Verurteilte. „Ich dachte, ich hab die bezahlt“ und ergänzte noch, dass er auch ausreichend Geld dabei gehabt hätte. Auf Nachfrage des Richters gab er an, an dem Tag betrunken gewesen zu sein und wohl vergessen zu haben, die Gurken zu bezahlen.

Supermarkt erteilte Hausverbot

Da der Angeklagte nicht mit dem Supermarktpersonal kooperieren wollte, wurde ein Hausverbot ausgesprochen und die Polizei verständigt. Den Beamten gegenüber gestand der Mann die Tat. Eine Alkoholisierung konnten die Polizisten auf den ersten Blick nicht feststellen, was aber offenbar daran lag, dass der 59-Jährige vor allem Wodka konsumiert, der meist geruchslos ist.

Erhebliches Vorstrafenregister

Der Grund, warum das Amtsgericht Bersenbrück keine Bewährungsstrafe aussprach, offenbart sich mit Blick auf die Vorstrafen des Mannes. Im Bundeszentralregister finden sich 43 Einträge, die bis ins Jahr 1988 zurückreichen, darunter Diebstahl, Erschleichen von Leistungen, Trunkenheit im Verkehr und Betrug. In einigen Fällen handelte es sich dabei um ähnlich geringfügige Vergehen, wie in diesem Fall. Die angeklagte Tat ereignete sich allerdings während einer aktuellen Bewährungsstrafe.

„Sie saufen sich um Kopf und Kragen“

Der Richter gab dem Quakenbrücker den Rat, seine Einstellung gründlich zu überdenken. „Aber da bin ich wahrscheinlich nicht der Erste, der Ihnen sagt, dass Sie da was machen müssen“, so die Worte des Vorsitzenden. „Sie saufen sich um Kopf und Kragen“, mahnte er weiter. Ähnlich beurteilte auch der Bewährungshelfer des Mannes die Situation. „Wenn der 59-Jährige seinen „Pegel erreicht hat, dann passiert ihm das eben“. Er könne und wolle aber auch nicht mit dem Trinken aufhören. So habe zum Beispiel auch eine verordnete Therapie nicht angetreten. „So nett, wie er anderen gegenüber ist, ist er auch gegenüber sich selbst. Er kann sich nicht in den Hintern treten“, so der Bewährungshelfer weiter. Seiner weiteren Einschätzung nach wäre die Haft „eine lebensverlängernde Maßnahme“.

Angeklagter verteidigt sich selbst

Der Staatsanwalt beantragte in seinem Plädoyer, die Berufung des 59-Jährigen zu verwerfen. „Er hört anscheinend nicht auf“, so der Jurist, sodass keine andere Möglichkeit bliebe. Eine Therapie sei nicht sinnvoll, da der 59-Jährige diese ablehne. Eine Geldstrafe sei nicht angemessen und da es „bei Weitem nicht die erste Tat ist“, sei eine Bewährungsstrafe nicht vertretbar.

Zwei Sätze als Plädoyer

Der Angeklagte verteidigte sich selbst. Denn ein Pflichtverteidiger steht einem Angeklagten nur zu, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind, etwa wenn eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr droht oder eine schwere Straftat zur Verhandlung steht. Entsprechend beschränkte sich das Plädoyer auf die Sätze „Ich weiß, ich hab einen Fehler gemacht“ und „Ich will nicht gegen den Staatsanwalt reden“.

„Wir können ja die Klauerei nicht sehenden Auges zulassen“

In seinem Urteil verwarf der Richter die Berufung. „Dass wir hier zusammensitzen wegen fünf geklauter Gurken ist ein Witz“. Es auch für ihn ein „komisches Gefühl“, jemanden deswegen ins Gefängnis schicken zu müssen. Aber „was soll man machen“,. „Sie klauen mit einer Selbstverständlichkeit, mit der andere ihre Einkäufe erledigen“, so der Vorsitzende weiter. „Wir können ja die Klauerei nicht sehenden Auges zulassen“, obwohl es sich um die unterste Grenze der Strafwürdigkeit handle. Sinnvoll wäre, den 59-Jährigen zu einem Aufenthalt in einer Erziehungsanstalt zu verurteilen. Dies sei allerdings nicht angemessen, „täte Ihnen aber gut“, schloss der Richter.


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