Stadt pflegt Erinnerungskultur Quakenbrücker Synagogenplatz „würdiger Ort des Gedenkens“

Kleine Steine legten die Teilnehmer auf dem Gedenkstein ab. Er erinnert daran, dass an dieser Stelle von 1897 bis 1938 das Bethaus der Jüdischen Gemeinde stand.Foto: Christian GeersKleine Steine legten die Teilnehmer auf dem Gedenkstein ab. Er erinnert daran, dass an dieser Stelle von 1897 bis 1938 das Bethaus der Jüdischen Gemeinde stand.Foto: Christian Geers

Quakenbrück. Mit einer Gedenkfeier hat die Stadt Quakenbrück am Donnerstagabend den umgestalteten Synagogenplatz an der Kreuzstraße/Ecke Friedrich-Ebert-Straße seiner Bestimmung übergeben.

Mehr als 100 Menschen stehen auf dem Platz am Rande des Kreisverkehrs, darunter sind auch Nachfahren von jüdischen Familien aus Quakenbrück. Eigens aus Tel Aviv angereist ist Joseph Hirsch, dessen Vater Fritz in Quakenbrück geboren wurde, sowie Fritz Cohen, der von 1936 bis 1938 in der Stadt lebte.

An dieser Stelle stand das Bethaus der Jüdischen Gemeinde

Es ist kalt und dunkel. Auf dem aus zweifarbigen Granitsteinen gestalteten Davidstern steht das Rednerpult mit spärlicher Beleuchtung. Der Rahmen passt, denn es geht um ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zünden NS-Schergen in Deutschland jüdische Synagogen. Auch das Gebetshaus der jüdischen Gemeinde in Quakenbrück wird zerstört. Es stand an diesem Ort.

Brüggemann: Diskriminierungen im Alltag nicht bagatellisieren

„Die Nacht markiert den Beginn der gezielten Verfolgung von Menschen jüdischen Glaubens im nationalsozialistischen Deutschland“, sagt Bürgermeister Matthias Brüggemann. Sein Appell: Die Erinnerung an die Taten von damals wachzuhalten, „ist für Demokraten eine bleibende Verantwortung“. Es sei Ausdruck einer Erinnerungskultur, „die uns sensibel aufhorchen lassen muss, wo immer rechtsextreme Töne vernehmbar, Anzeichen von Intoleranz, Rassismus oder jedweden totalitären Gebarens spürbar werden“. Das Gedenken an die Geschehnisse von damals müsse eine Mahnung sein, Diskriminierungen im Alltag nicht zu bagatellisieren“. Um die Erinnerung wachzuhalten, sei der Synagogenplatz umgestaltet worden. Für ihn sei dieser „ein sehr berührender, aber gleichzeitig alltäglicher Platz des Erinnerns“ , so der Bürgermeister.

Quakenbrücker Schüler gestalten Gedenkfeier mit

Schüler des Artland-Gymnasiums Quakenbrück intonieren Musik von Brahms, Schubert und Haydn, Jugendliche der Oberschule Artland sprechen das Versöhnungsgebet der Kathedrale von Coventry, das an die Zerstörung des Gotteshauses durch die deutsche Luftwaffe im Jahr 1940 erinnert. Und sie schildern eine Begebenheit aus dem Jahr 1933, als das jüdische Mädchen Ursula Ellen Simon ihren achten Geburtstag feiern will, aber niemand kommt. Auch in Quakenbrück gibt es einen Monat nach der Wahl Adolf Hitlers zum Reichskanzler eine judenfeindliche Stimmung.

Gedanken an die Ereignisse vor 78 Jahren

Baruch Chauskin, Kantor der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, spricht das Abschlussgebet. Der hebräische Sprechgesang klingt eindringlich, übertönt den Straßenverkehr. Er lenkt die Gedanken auf die Ereignisse vor 78 Jahren, als von einem Tag auf den anderen nichts mehr so ist, wie es war.

Poppe: Ein würdiger Ort des Gedenkens

„Quakenbrück hat wieder einen würdigen Ort des Gedenkens“, sagt Samtgemeindebürgermeister Claus Peter Poppe und dankt allen Beteiligten. Es sei beeindruckend zu sehen, „wie er heute angenommen wird“.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN