Nächster Verfahrensschritt Nortruper Rat treibt Aufhebung von B-Plan weiter voran

Von Christian Geers

Der Bebauungsplan „Vosshamm“ in Nortrup soll aufgehoben werden. Aus dem Wohngebiet an der Hermann-Kemper-Straße soll ein Mischgebiet werden, so plant es der Gemeinderat. Foto: Rolf KamperDer Bebauungsplan „Vosshamm“ in Nortrup soll aufgehoben werden. Aus dem Wohngebiet an der Hermann-Kemper-Straße soll ein Mischgebiet werden, so plant es der Gemeinderat. Foto: Rolf Kamper

Nortrup. Die von der Gemeinde Nortrup angestrengte Aufhebung des Bebauungsplanes „Vosshamm“ hat den nächsten Verfahrensschritt erreicht: Einstimmig hat der Rat die öffentliche Auslegung der Unterlagen beschlossen. Nun haben erneut Behörden und Bürger Gelegenheit, ihre Bedenken zu äußern.

Einstimmig hat der Gemeinderat beschlossen, alle Unterlagen zum Aufhebungsverfahren öffentlich auszulegen. Die formale Aufhebung des rechtsgültigen Bebauungsplanes „Vosshamm“ aus dem Jahr 1962 steht in Zusammenhang mit der beabsichtigten Erweiterung der Firma Kemper, die nördlich an das Wohngebiet grenzt. Dazu soll ein neues Industriegebiet ausgewiesen werden. Das allerdings ist nur möglich, wenn der Bebauungsplan „Vosshamm“ als solcher aufgehoben und das Wohngebiet in ein Mischgebiet umgewandelt wird, damit die geltenden Lärmschutzwerte eingehalten werden können.

Das sagt der Stadtplaner

Nach Ansicht des Planungsbüros Dehling und Twisselmann hätten die Wohnbauflächen zu beiden Seiten der Hermann-Kemper-Straße vor 50 Jahren nicht als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen werden dürfen. Durch das Wohngebiet sei eine „städtebauliche Gemengelage“ entstanden, weil es gleich in unmittelbarer Nähe der Firma Kemper und der Firma Delkeskamp angelegt worden sei. Die Frage der Belästigung der Bewohner durch Gewerbe- und Verkehrslärm der Betriebe, so die Experten, sei damals nicht untersucht worden, aber schon damals sehr wahrscheinlich gewesen. Die heute geltenden Immissionsrichtwerte seien nicht mehr einzuhalten. Die Empfehlung des Stadtplaners: Aus heutiger Sicht müsste das Gebiet als sogenanntes Mischgebiet ausgewiesen werden. „In einem Mischgebiet gibt es ein Nebeneinander zwischen Wohnen und nicht erheblich störendem Gewerbe.“

Das sagen die Anwohner

Widerstand gegen die Pläne kam von den Anwohner der Hermann-Kemper-Straße. Sie befürchteten in einer Anliegerversammlung im April 2015 einen Verlust an Wohn- und Lebensqualität und erhebliche finanzielle Nachteile, weil die Eigenheime durch die Umwandlung des Wohngebietes in ein Mischgebiet an Wert verlieren würden. Ihr Standpunkt damals: „Die Gemeinde handelt gegen ihre Bürger.“ Diese Bedenken wiederholten sie in einer Anhörungsversammlung im Februar 2016. Damals hatten sie Gesprächsbereitschaft signalisiert, aber auch „ganz klare Zusicherungen“ gefordert.

Der Stand der Dinge

Im März 2015 schob der Gemeinderat das Verfahren an, um den Bebauungsplan aufzuheben und um nach 50 Jahren eine städtebauliche Fehlentwicklung zu korrigieren. In einer Stellungnahme hatte auch der Landkreis Osnabrück erklärt, dass der Bebauungsplan „Vosshamm“ unwirksam sei und nicht mehr zur Beurteilung von Bauvorhaben verwendet werden könne. Er sei „durch die Gemeinde Nortrup zwingend aufzuheben“. Inzwischen hat es zwischen den Anliegern und der Firma Kemper mehrere Gespräche gegeben, um eine Einigung in der Angelegenheit herbeizuführen. Wie Bürgermeister Leonhard Renze in der Ratssitzung erläuterte, „hat es in der jüngsten Zusammenkunft nach meinen Informationen gute Vorschläge gegeben“. Er warb noch einmal dafür, dass beide Seiten eine einvernehmliche Regelung finden sollten, „um die gut nachbarschaftlichen Beziehungen fortzusetzen“. Eine Lösung müsse den Befindlichkeiten der Anwohner entgegenkommen, aber auch die Expansionspläne der Firma Kemper berücksichtigen. Ziel müsse sein, „den Gang vor das Verwaltungsgericht zu vermeiden“.


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