Prototyp im CKQ getestet Virtuelle Übungswelt für Quakenbrücker Schmerzpatienten


Quakenbrück/Vechta. Virtuelle Realität (kurz VR) ist gegenwärtig in aller Munde: Doch die virtuelle Welt bietet nicht nur Spaß in der Freizeit, zukünftig soll sie auch die Therapie für Patienten mit chronischen Schmerzen unterstützen.

Wie das funktionieren kann, untersucht ein Projekt der Corantis Kliniken GmbH unter der Fragestellung „Kann der Einsatz von VR zu einer Verbesserung der Behandlung von chronischen Rückenschmerzen beitragen?“ ViReP (Virtual Reality in Pain Management) ist ein Teilprojekt des Interreg V - Programms „Medizinische Innovation Niederlande-Deutschland (Mind)“ an dem fünf weitere Projektpartner beteiligt sind. Begleitet wird das Projekt seitens Corantis von Dr. Carsten Giehoff und Marion Pahlmann.

Auf Praxistauglichkeit getestet

Im Christlichen Krankenhaus Quakenbrück testeten jetzt Ärzte, Physiotherapeuten und Pflegekräfte einen ersten Prototypen auf seine Praxistauglichkeit. Ausgestattet mit VR-Brille und zwei sogenannten Controllern, die die Bewegung erfassen und als „Hände“ dienen, konnten die Probanden in die virtuelle Welt wechseln.

Dort erwarteten sie unterschiedliche virtuelle Räume und Aufgaben: So sollten in einer Autofabrik mit Fließband Autos montiert werden. In einer traumhaften Landschaft wurde die korrekte Ausführung von entspannenden Übungen mit einem immer heller werdenden Sonnenaufgang belohnt und eine Menge bunter, mit virtuellem Wasser gefüllter Eimer musste in Regale und auf Podeste gesetzt werden.

Weitere Optimierung

„Gute Möglichkeiten bietet eine Anwendung in der individuell geführte Bewegungsabläufe vom Therapeuten mit dem Patienten aufgenommen werden, die dieser anschließend alleine trainiert“, meint Marion Pahlmann. So sollen spielerisch spezielle, für Schmerzpatienten relevante motorische Übungen ausgeführt werden. Durch standardisierte Befragungen und einer anschließenden Diskussion sammelten die Projektleiter wichtige Anregungen und Kritikpunkte für die weitere Optimierung des Systems.

„Wir möchten mit Hilfe des VR-Systems eine attraktive Übungsmöglichkeit entwickeln, die den Patienten zu Bewegung motiviert und gleichzeitig von seinen chronischen Schmerzen ablenkt“, erläutert Dr. Carsten Giehoff.

Birmes: Großes Potenzial

Zur Steuerung des Trainings und zur Dokumentation der Übungserfolge sei ein Portal geplant. Ebenfalls können sich die Projektleiter die Erweiterung zu einem Netzwerk vorstellen, in dem Patienten untereinander, aber auch mit den Therapeuten in Kontakt treten können.

„Ich sehe großes Potenzial in dem neuen Therapiekonzept“, erklärte auch Dr. Bernhard Birmes, Chefarzt der Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie des CKQ und Leiter des Zentrums für Multimodale Schmerztherapie der St. Anna Klinik Löningen. „Mit den entsprechenden Anpassungen wird das VR-System bei der Erhaltung der Alltagsmobilität, beim Muskelaufbau und bei der Schmerzreduktion helfen können.“ Nach der ersten Testphase sei es jetzt nötig, die Bewegungsübungen noch stärker auf die Bedürfnisse der Schmerzpatienten abzustimmen.

Auch mit Patienten testen

Nachdem die Entwickler die Nutzererfahrungen der ersten Testphase umgesetzt haben, wird ein weiterer Prototyp auch an weiteren Corantis-Kliniken mit den Standorten in Cloppenburg, Damme, Friesoythe, Löningen, Lohne, Neuenkirchen-Vörden, Quakenbrück und Vechta, mit Fachleuten und im späteren Schritt auch mit Patienten getestet. „Nach Projektabschluss soll ein System entstanden sein, dass den Therapieerfolg für Menschen mit chronischen Rückenschmerzen unterstützt und so einen wichtigen Beitrag für die Behandlung von Schmerzpatienten leisten kann“, so Barbara Raude von den Corantis Kliniken GmbH.


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