Abschied vom Lieblingstier Das Badberger Kleintierkrematorium ist deutscher Marktführer

Von Katharina Preuth


Badbergen. Das größte deutsche Krematorium für Kleintiere hat seinen Sitz in Badbergen. Den Gründern Gisela und Wolfgang Nietfeld schlug zu Beginn viel Skepsis entgegen. Inzwischen beschäftigt das Kleintierkrematorium im Rosengarten über 100 Mitarbeiter, 36 davon in Badbergen.

Das Kleintierkrematorium im Rosengarten residiert auf einem ehemaligen Bauernhof in Badbergen. Schwarze, firmeneigene Transporter mit roter Schrift stehen auf dem Parkplatz, daneben etwa ein Dutzend Pkw – viel Betrieb an diesem abgelegenen Fleckchen zwischen anderenHöfen mit aktiver Landwirtschaft. Am Haupthaus weist ein Schild in Richtung Empfang. Mitarbeiter begleiten die Haustierbesitzer in den „Raum des Abschieds“. Dort können sie ihren verstorbenen tierischen Begleitern ein letztes Mal Lebewohl sagen.

„In Badbergen haben wir bis zu fünf Verabschiedungen am Tag“, erzählt Emanuel Holle, Vertriebsleiter des 2002 gegründeten Kleintierkrematoriums und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Zwei Krematorien betreiben die Geschäftsführer Gisela und Wolfgang Nietfeld in dem 4500-Einwohner Dorf. Ein weiteres steht in Pritzwalk, nördlich von Berlin. Die meisten Besitzer seien bei der Einäscherung nicht anwesend, erklärt Holle. Stattdessen gelangen die Tiere über Filialen in ganz Deutschland in die Krematorien. Die Kunden kommen meist aus den Großstädten. Emanuel Holle nennt vor allem Ballungsräume wie das Ruhrgebiet oder die Millionenstädte Berlin und Hamburg. Dort hätten die Menschen oft keine Möglichkeit, den Hund oder die Katze im Garten zu beerdigen. Zudem spiele das Tier in vielen Singlehaushalten eine besondere Rolle.

Die Entscheidung für die Einäscherung sei dabei nicht an die Gehaltsklasse des Hundehalters gekoppelt. Zum Kundenstamm zähle die Punkerin mit ihrer Ratte ebenso wie der amerikanische Botschafter in Berlin. Auch Fußballprofis oder Schauspieler seien schon in Badbergen gewesen.

Der Transport wie auch die Annahme der Tiere in den Filialen erfolge über eigene Mitarbeiter, so der Vertriebsleiter weiter. „Wir könnten die Tiere auch über ein Logistikunternehmen transportieren, aber wir wollen sichergehen, dass die Überführung nach unseren Ansprüchen geschieht.“ Die Tiere werden mit Marken gekennzeichnet und über ein Programm erfasst, sodass es nicht zu Verwechslungen kommt.

Bei der Einäscherung können die Kunden aus einer Palettevon Optionen wählen: Am günstigsten ist die „Basiskremierung“. Je nach Gewicht des Tieres kostet sie 25 bis 95 Euro. Die Basisoption ist eine Alternative zur Tierkörperbeseitigung. Zwischen 45 und 185 Euro berechnet das Kleintierkrematorium für die ‚Gemeinschaftskremierung‘, bei der das Haustier zusammen mit anderen Tieren eingeäschert wird. Mitarbeiter verteilen die Asche auf einem Streubeet im Garten. DieBesitzer können die Gedenkstätte besuchen. Zusätzlich erhalten sie eine Erinnerungskarte mit dem Datum der Kremierung. Amteuersten ist die ‚Einzelkremierung‘. Das Kleintierkrematorium garantiert eine separate Einäscherung. Die Asche des Tieres geht zurück an das Herrchen oder Frauchen. Je nach Gewichtbezahlen sie zwischen 95 und 295 Euro.

Urnen kosten extra. Ein Schauraum zeigt Exemplare aus Keramik, Metall oder Holz. Manche sind herzförmig, andere pyramidal, verziert oder schlicht. Sie kosten zwischen 20 und 500 Euro. Der Preis sei auch abhängig von der Größe des Tieres, erklärt Holle: „Pro 20 Kilo rechnen wir mit etwa einem Liter Asche“. Von morgens bis abends laufen in Badbergen die 850 bis 1000 Grad heißen Öfen. Die Asche der Tierkörper sei grobkörniger als zum Beispiel Holz- oder Papierasche, sagt der Vertriebsleiter: „Durch die Knochenreste hat sie etwa die Konsistenz von Muschelsand.“ Darüber seien einige Kunden zunächst erstaunt.

Als die Nietfelds 1999 erste Pläne für ein Kleintierkrematorium hatten, gab es in Badbergen Bedenken gegen das Vorhaben. Kritiker befürchteten, dass es in der Nachbarschaft der Anlage nach verkohltem Fleisch riechen werde. Doch Holle betont, dass durch die Verbrennung keine Geruchsbelästigung entstehe. „Die Luft, die unser Filterungssystem verlässt, ist sauberer als die Umgebungsluft“, sagt er. Mittlerweile ist das Kleintierkrematorium im Rosengarten der zweitgrößte Arbeitgeber in Badbergen. Insgesamt 36 Mitarbeiter sind vor Ort beschäftigt, deutschlandweit sind es über 100. Die Zahlen gibt das Unternehmen nur ungern preis, über Umsatz und Gewinn spricht das Management gar nicht.

„Uns ist der persönliche Kontakt zu unseren Kunden wichtig. Wir wollen nicht als Großunternehmen auftreten“, erklärt Holle. Dabei gelten die Badberger im Bereich der Tierkremierung als deutscher Marktführer. Nur wenige Krematorien agieren überregional. Als nächste Konkurrenten nennt der Vertriebsleiter ‚Cremare‘ aus Wesel oder ‚Anubis‘ mit Sitz bei Nürnberg. „Der wesentliche Wettbewerb findet regional statt“, erklärt er. In mehreren größeren Städten gebe es Krematorien oder Tierfriedhöfe.

Beim Kleintierkrematorium im Rosengarten hat man zwar schon daran gedacht, das Geschäft ins Ausland auszudehnen. Priorität hat aber eine möglichst große Abdeckung in Deutschland. Vielen Kunden aus Süddeutschland, die bei einer Einäscherung dabei sein wollen, ist der Weg nach Badbergen schlicht zu weit.