Im Pflaster vor dem Heimathaus Zehn Stolpersteine erinnern an Badberger Familie Meyer

Von Bjoern Thienenkamp

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Badbergen. Weitere zehn Stolpersteine sind am Samstag in Badbergen verlegt worden – zur Erinnerung an die Opfer des NS-Terrors. Der Kölner Künstler Gunter Demnig war zum zweiten Mal in der Artlandgemeinde zu Gast.

Zehn charakteristische Betonquader mit der Messingplatte erinnern auf dem Marktplatz vor dem Heimathaus an der Bahnhofstraße an die jüdische Familie Meyer. 1934 brannte das Gebäude der Familie Meyer ab, und es scheint fraglich, ob die Feuerwehr damals nicht löschen konnte oder durfte.

Das Schicksal der jüdischen Familie Meyer steht viele

„Das Schicksal der Familie Meyer ist exemplarisch: Verfolgung, Verhaftung und Ermordung in Konzentrationslagern, Flucht ins Ausland und doch Ermordung, selbst ein kleines Mädchen wurde nicht verschont, Flucht in Länder, die die Nazis nicht erreichen konnten“, sagte Dietmar Berger. Badbergens Bürgermeister begrüßte zur Verlegung der Stolpersteine insbesondere den aus Pastor i.R. Bernhard Bauch, Margret Morthorst, Irene Poesthorst, Heiko Trepte und Holger Wehrmann bestehenden Initiativkreis, dem Helmut Behnke von der Gemeinde organisatorisch half. Zudem dankte der 75-Jährige den Spendern und Sponsoren.

Bereits sieben Stolpersteine im Januar 2015 verlegt

„Wir hoffen, dass Nortrup und Menslage sich dieser Idee anschließen“, lautete das Fazit von Heiko Trepte, der Pastor Bauch als „Querdenker“ lobte. Sieben Stolpersteine waren bereits im Januar 2015 an der Dinklager Straße/Ecke Sonnenhöhe in das Pflaster des Bürgersteigs gesetzt worden.

Kein Grabstein erinnert an die Badberger Familie

„Ich habe den 1929 geborenen Sohn Erwin 2011 eine Woche lang in Argentinien besucht. Bei der Flucht war er sieben Jahre alt, jetzt ist er 87“, erzählte Dieter Przygode, der in seinem Buch „Von Bramsche nach Buenos Aires“ die Geschichte der jüdischen Familie Voss schildert – Ida Voss war eine geborene Meyer. „Von den Stolpersteinen ist er sehr erbaut, denn es gibt keine Erinnerungsstücke, keinen Grabstein, der an die Familie erinnert“, berichtete der 58-jährige Bramscher, der noch einen Brief von Vater und Opa David vom 5. November 1942 aus dem niederländischen Lochem vortrug.

Bauch: Ein schweres Thema

„Jahrzehntelang ist bei der jährlichen Ansprache zum Volkstrauertag am Ehrenmal der Gefallenen der beiden Weltkriege gedacht worden“, erinnerte sich Bernhard Bauch. „Mit den Juden und russischen Kriegsgefangenen in Vehs tat man sich schwer, daran erinnert zu werden“, blickte der frühere Pastor von St. Georg zurück. „Jetzt bin ich sehr erfreut über das Echo bei den Mitstreitern, mit der Erinnerung an hiesige Ereignisse, an die man sich sonst nicht wagte, um sie zu bewältigen“, sagte der 78-Jährige.

Erinnerung wachhalten

„Die Anteilnahme an den ersten ertrunkenen Flüchtling war deutlich spürbarer, als sie bei den aktuellen Fällen ist; Empathie scheint eine Sättigung erfahren zu können“, stellte Ina Eggemann fest. „Dagegen hilft Erinnerung, und ich werde zukünftig erinnert, wenn ich zum Einkaufen hier an den Stolpersteinen entlanggehe“, sagte pastorale Mitarbeiterin der katholischen Pfarreingemeinschaft im Artland.

Gunter Deming erhielt drei Morddrohungen

Über seine vielseitigen Erfahrungen bei der Verlegung von Stolpersteinen in Deutschland und Europa berichtete abschließend der Kölner Künstler Gunter Demnig – einschließlich dreier Morddrohungen, die er bisher erhalten hat.


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