Start für Millionenprojekt Erneuerung der Hasedeiche im Artland beginnt

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Quakenbrück/Badbergen. Das Land Niedersachsen beginnt in der kommenden Woche mit der Erneuerung der Dämme an der Gehobenen Hase. Der erste Bauabschnitt zwischen der Sohlengleite in Quakenbrück und Devermanns Brücke in Badbergen ist 600 Meter lang.

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) startet eines seiner größten Bauprojekte in der Region. Auf einer Länge von etwa 6,5 Kilometern oberhalb der Sohlengleite am Schützenhof in Quakenbrück und dem Gehrder Ortsteil Rüsfort werden in den kommenden Jahren die Deiche und Dämme der Gehobenen Hase beidseitig erneuert.

Deiche nicht standsicher

Die zuständige NLWKN-Betriebsstelle Cloppenburg sieht den Hochwasserschutz hier auf Dauer als gefährdet an. Die Standsicherheit der sogenannten „Stauhaltungsdämme“, so die Argumentation der Experten, sei unzureichend, deshalb müssten sie teilweise abgetragen, neu aufgebaut, verbreitert und abschnittsweise erhöht werden. Ihre Gesamtlänge beträgt 13 Kilometer. Daneben werden laut Ausbauplan sogenannte Unterhaltungs- und Verteidigungswege angelegt. „Da der Wasserspiegel höher als das anstehende Gelände liegt, sind die Dämme in diesem Abschnitt besonders beansprucht, und die Folgen eines Bruchs wären gleichzeitig besonders schwerwiegend“, schreibt die NLWKN-Direktion in Norden in einer Pressemitteilung.

Hasetal-Radweg wird gesperrt

In der kommenden Woche wird die mit den Arbeiten beauftragte Firma Peters aus dem emsländischen Vrees mit den vorbereitenden Arbeiten beginnen, wie Michael Willms, zuständiger Dezernent in der NLWKN-Betriebsstelle Cloppenburg, auf Anfrage unserer Redaktion berichtet. Die Baustelle werde eingerichtet, im Anschluss werde die Umleitungsstrecke für den Hasetal-Radweg ausgeschildert, der während der Bauarbeiten nicht befahrbar sei.

Arbeiten dauern bis Oktober

Bei den Pfählen auf beiden Seiten der Hase, die mit rot-weißem Flatterband versehen sind, handelt sich nach Willems Angaben um eine „Vergrämungsmaßnahme gegen Brutvögel“. So sei sichergestellt worden, dass sich Brutvögel nicht im unmittelbaren Baufeld ansiedelten, sondern auf benachbarte Flächen auswichen, in denen Gelege nicht durch die Arbeiten zerstört würden. Willems: „Die eigentlichen Arbeiten an den Dämmen der Gehobenen Hase werden erst in der zweiten Juni-Hälfte beginnen.“ Die Arbeiten dauerten vermutlich bis Oktober. Das Kanupoloturnier Mitte Juni sei durch die Arbeiten nicht betroffen und könne wie geplant stattfinden.

Erster Bauabschnitt kostet 1,2 Millionen Euro

Die Kosten für diesen ersten von insgesamt vier geplanten Bauabschnitten summieren sich nach Angaben des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz auf rund 1,6 Millionen Euro. Die Gesamtbaukosten, die vom Land Niedersachsen und vom Bund aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe der Agrarstruktur und des Küstenschutzes, belaufen sich auf zwölf Millionen Euro.

Plan seit 2015 genehmigt

Der Planfeststellungsbeschluss für dieses millionenschwere Wasserbauprojekt ist nach erfolgter Genehmigung bereits am 23. März 2015 erteilt worden. Bereits zwischen November 2014 und Februar 2015 waren zwischen Sohlengleite und Devermanns Brücke zwei direkt an den Deich angrenzende Teiche verfüllt worden. Dies geschah nach Behördenangaben, „um die Standsicherheit zu erhöhen und die Erneuerung vorzubereiten“.

Kritik der Anwohner an den Plänen

Skeptisch bis ablehnend stehen viele Anlieger der Gehobenen Hase der nun beginnenden Erneuerung der Hasedämme gegenüber. Seit Bekanntwerden des Projektes sind sie vom Ausmaß der Pläne überrascht, wobei sich ihr Protest nicht prinzipiell gegen die Ertüchtigung der Deiche zwischen Quakenbrück und Gehrde richtet. Die Kritiker lehnen insbesondere den Bau von sogenannten Flutmulden im Hasedeich ab und wehren sich gegen die Ausweitung des Überschwemmungsgebietes. Der Badberger Gemeinderat begrüßte die Ertüchtigung, stellte aber auch fest, „dass der vorgesehene Schutz der Gemeinden unterhalb von Badbergen einseitig zulasten der Badberger Bürger, insbesondere derer in Wehdel und Wulften“ gehe. Diese Überlaufstrecken in der Gehobenen Hase sind nach NLWKN-Angaben „wegen des veränderten Abflussgeschehens vorgesehen“. Diese würden im ersten Bauabschnitt aber noch nicht hergestellt, erläuterte Michael Willems. Diese Schwellen sollten später bei besonders hohen Abflüssen das Wasser aus der Hase in die angrenzende Wrau ableiten und somit die Hasedämme oberhalb der Sohlengleite am Schützenhof entlasten und schützen.

Drei Klagen vor dem Verwaltungsgericht anhängig

Während der Baustart nun kurz bevorsteht, steht eine juristische Klärung noch aus: Vor dem Verwaltungsgericht Osnabrück haben drei Anlieger den Planfeststellungsbeschluss beklagt. Eine Entscheidung der Richter liegt laut Niedersächsischem Landesbetrieb bisher aber noch nicht vor.


Gehobene Hase

Insgesamt sollen rund 13 Kilometer Deiche entlang der Hase zwischen der Sohlengleite in Quakenbrück und dem Gehrder Ortsteil Rüsfort erneuert werden. Diesen Abschnitt des Flusses nennen Fachleute „Gehobene Hase“. Er wurde im 13. und 14. Jahrhundert von Mönchen künstlich erhöht, um die Hase aufstauen zu können und um mehr Antriebskraft für die Mühlen in der Stadt Quakenbrück zu erreichen. Der erhöhte Flussabschnitt musste später eingedeicht werden, um sich vor Hochwasser zu schützen. Das verwendete Material, sagen Experten, sei aus heutiger Sicht für den Dammbau allerdings ungeeignet. cg

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