Slava Issa unterstützt Flüchtlinge Syrerin als Bufdi bei der Samtgemeinde Artland

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Syrerin Slava Issa ist als Bufdi bei der Samtgemeinde für die ankommenden Flüchtlinge zuständig. Foto: Katharina PreuthSyrerin Slava Issa ist als Bufdi bei der Samtgemeinde für die ankommenden Flüchtlinge zuständig. Foto: Katharina Preuth

Quakenbrück. Slava Issa leistet den Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) in der Samtgemeinde Artland. Im August 2015 ist sie nach ihrer Flucht aus Syrien in Deutschland angekommen. Jetzt hilft sie Flüchtlingen, sich im Artland zurechtzufinden.

Gemeinsam mit ihren Eltern und ihren Geschwistern wohnt Slava Issa in Quakenbrück. Ihre täglichen Lebensmittel kaufen sie vor allem im Globomarkt an der Farwicker Straße oder im türkischen Lebensmittelmarkt in der Neustadt. Hier bekommen sie das dünne arabische Brot, das sie von zu Hause kennen. Diesen Tipp haben sie von anderen Flüchtlingen. Für Ratschläge dieser Art ist jetzt Slava Issa zuständig.

In Damaskus betrieben ihre Eltern einen Möbel- und Internetshop. Slava Issa studierte Jura an der Universität. Bevor die 27-Jährige ihren Abschluss machen konnte, musste die Familie vor dem Krieg und der Gewalt in Syrien fliehen. „In Deutschland müssen wir kreativ sein. In Syrien haben wir unsere Mahlzeiten stundenlang vorbereitet“, erzählt sie in perfektem Englisch. Und ergänzt: „Hier schmecken sogar Grundnahrungsmittel wie Tomaten und Gurken anders.“

Seit ihrer Ankunft hat Slava Issa unter den Flüchtlingen im Artland eine Sonderstellung. Durch ihre sehr guten Englischkenntnisse übernahm sie schnell die Vermittlerrolle zwischen den Behörden und ihren Landsleuten. Dadurch wurde Franziska Pohlers, die Integrationsbeauftragte der Samtgemeinde, auf sie aufmerksam. Seit Dezember 2015 ist der Bundesfreiwilligendienst auch für „Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive“ offen, heißt es auf der Homepage der Bundesregierung. Diese Stelle in der Samtgemeinde teilt sich Slava Issa seit März mit Manfred Stiewe, einem weiteren Bufdi.

Keine 24/7 Betreuung

Ihre wichtigste Aufgabe ist das Dolmetschen und die Unterstützung der Integrationslotsen. Mithilfe von Freiwilligen heißt sie die neuen Flüchtlinge willkommen und berät sie bei ihren ersten Schritten. Darunter fallen Behördengänge, Eröffnung eines Kontos, Vereinbarung von Arztterminen. Dann zeigt sie ihnen den Weg zur Schule, dem Kindergarten oder wo es das arabische Brot gibt. „Ich mache keine 24/7 Betreuung. Die Menschen sollen sich möglichst schnell eigenständig zurechtfinden“, sagt Slava Issa. Die Koordinatorin der Integrationslotsen Annette Wesemeyer weist in diesem Zusammenhang daraufhin, dass sie dringend Unterstützung benötigen, Menschen, die den ankommenden Flüchtlingsfamilien unter die Arme greifen.

„Für uns ist Slava besonders wertvoll, weil sie uns sehr bei der Kommunikation hilft und weil sie am besten weiß, worauf es für die Flüchtlinge in den ersten Wochen ankommt“, meint Franziska Pohlers.

Deutsch lernen mit YouTube

Für Slava Issa bedeutet die Arbeit in der Samtgemeinde eine willkommene Abwechslung in ihrem Alltag. „Viele Menschen in meiner Situation haben sehr viel freie Zeit und warten darauf, dass ihr Asylverfahren weitergeht“, sagt Slava Issa. Für sie sei es aber das Wichtigste, ihr Deutsch zu verbessern. Es sei nicht geplant gewesen, aus Syrien zu fliehen. Jetzt müsse sie ihre Zukunft neu überdenken. „Wir wollen uns hier eine neue Heimat aufbauen“, sagt Slava Issa. Für sie selbst sei der nächste Schritt das C1-Level zu erreichen. Nur mit Deutschkenntnissen auf diesem Niveau könne sie an der Hochschule in Osnabrück Rechtswissenschaften studieren. „Das ist wirklich schwer für mich. Aber ohne die Sprache geht es nicht“, weiß sie. Auch für die anderen Flüchtlinge, mit denen sie in Kontakt steht, sei das oberste Ziel deutsch zu lernen. „Es ist gut zu wissen, dass ich nicht alleine bin. Es gibt Blogs und Youtube-Videos von anderen Flüchtlingen“, freut sie sich. An die Neuankömmlinge gibt die Samtgemeinde Bilderbücher heraus, mit deren Hilfe zum Beispiel das Einkaufen erleichtert werden soll.

„Teilweise haben wir auch eigene Bezeichnungen erfunden, wenn wir das richtige Wort nicht kennen“, schmunzelt die Syrerin. Das Dokument, mit dem sie sich zur Zeit ausweist, ihre „Aufenthaltsgestattung zur Durchführung des Asylverfahrens“, nennen sie „das Papier mit den zwei Flips“, erklärt Slava Issa. Davor hatte sie das „weiße Papier“. Sie wartet auf das „Papier mit der Übersetzung“ und schlussendlich auf die „Plastikkarte“, den richtigen Personalausweis.


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