Voller Witz, Wärme und Esprit Kulturring Quakenbrück zeigt „Das Lächeln der Frauen“

Von Bernard Middendorf

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Brannten ein Feuerwerk an Emotionen ab: Julia Stinshoff und Hubertus Grimm. Foto: Bernard MiddendorfBrannten ein Feuerwerk an Emotionen ab: Julia Stinshoff und Hubertus Grimm. Foto: Bernard Middendorf

Quakenbrück. „Das Lächeln der Frauen“ – fürwahr, dahinter verbergen sich nicht erst seit Mona Lisa viele Rätsel, Geheimnisse, manchmal gar ganze Mysterien. Kein Wunder, dass zahlreiche Theaterliebhaber sich das Stück nicht entgehen lassen wollten, beileibe nicht nur Männer. Wer gekommen war, bereute es nicht: Er erlebte eine Aufführung voller Witz, Wärme und Esprit. Julia Stinshoff und Hubertus Grimm schafften es, nach eher verhaltenem Beginn den Funken überspringen zu lassen ins zuletzt begeisterte Publikum.

Wer gekommen war, bereute es nicht: Er erlebte eine Aufführung voller Witz, Wärme und Esprit. Julia Stinshoff und Hubertus Grimm schafften es, nach eher verhaltenem Beginn den Funken überspringen zu lassen ins zuletzt begeisterte Publikum.

„Nur“ zwei Darsteller? Ja, denn das ist die Besonderheit dieser Komödie nach dem gleichnamigen Roman von Nicolas Barreau: Sie lebt von zündenden Dialogen, aber auch von tiefsinnigen Monologen der beiden Hauptpersonen, zwei Verliebte, die wie einst Hero und Leander lange Zeit „zusammen nicht kommen können“, und das trotz – oder wegen? – modernster Kommunikationsmöglichkeiten wie Handy, Laptop und E-Mail.

Zwei hochtalentierte Schauspieler auf der Bühne

Das Tournee-Theater Thespiskarren bot zwei hochtalentierte Schauspieler auf. Unter der Regie von Karin Boyd brannten sie ein Feuerwerk an Emotionen ab, das zuerst „auf kleiner Flamme“ begann, bis beide sich im Dunkel der Aula mitfühlende Verbündete suchten – und eroberten. „Ort: Paris, Zeit: Gegenwart“ verkürzt es das Begleitheft , aber so schnell war diese „Beziehungskiste“ nicht erzählt.

Die junge Französin Aurélie Bredin findet auf einem ihrer Streifzüge per Zufall den Roman „Das Lächeln der Frauen“ – und darin Trost und Wärme, nachdem ihr Freund sie verlassen hat. Verständlich, dass sie alles daransetzt, den Autor „Robert Miller“ kennenzulernen, aber sie trifft – mit allerlei Verwicklungen – nur auf Verlagslektor André Chabanais, der den Kontakt nicht herstellen will, sondern stets selbst ihre Nähe sucht.

Man ahnt, warum: Er hat sich in Aurélie und ihr Lächeln verknallt, hat das Buch unter einem Pseudonym seinem Chef „untergejubelt“, arbeitet mit allen Tricks, um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken – charmant, kreativ und völlig ohne Skrupel. Vom frischen Liebeskummer noch halb betäubt, bleibt Aurélie lange arglos, erliegt aber „unmerklich“ seinem Werben. In Not gerät André trotzdem, er fällt sogar in Ungnade – dann nämlich, als ihr die Wahrheit dämmert.

Die Botschaft des Lächelns kommt an

Nüchtern ausgedrückt, hat Autor Nicolas Barreau Stilmittel wie Retrospektive, Anterospektive und sogar „Zeitraffer“ geschickt verwoben, um ein Verwirrspiel zu erzeugen, das jeden, der nicht gerade an Gefühlskälte leidet, erfasst. Wie Hubertus Grimm und Julia Stinshoff diesen Strudel an Hoffnung, Verwirrung und Verzweiflung, Euphorie, Nackenschlägen und Glücksmomenten `rüberbrachten, war mitreißend – wenn auch nicht vom ersten Moment an. „Die mussten sich erst warmspielen“, sagte jemand hinterher. Die jungen Akteure schafften es aber, immer mehr Lacher auf ihre Seite zu ziehen – mit augenzwinkernder Direktansprache, mit unverhohlener „Kumpanei“ und notfalls auch mit (gut) gespielter Hilflosigkeit.

Immer häufiger war Lachen zu hören im Dunkel der Aula. Und immer öfter auch Beifall, sogar auf offener Szene – völlig verdient, denn „Das Lächeln der Frauen“ – besser: der Aurélie – war ansteckend, das Mit-Leid des Publikums wich wachsender Vorfreude auf das – Amor sei Dank – unausweichliche Happy End. Zuletzt keimte gar der Verdacht auf, Aurélie und nicht André habe die Fäden gezogen: „Zusammen mit dem Gemüse bei schwacher Hitze langsam schmoren lassen“ verriet sie verschmitzt lächelnd ihr Rezept – nur für die Pfanne oder auch für das Garen von Männern ?

Viele „Vorhänge“, zuletzt gar Standing Ovations bewiesen: Die Botschaft des Lächelns war angekommen. „Zugaben gibt’s beim Theater ja leider nicht“, bedauerte ein älterer Herr. Fazit: Die Verantwortlichen des Kulturrings Quakenbrück jedenfalls haben mit diesem „Volltreffer“ wieder einmal ein glückliches Händchen bewiesen.


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