Bonhoeffer im Blickpunkt Auftakt für 50-Jahr-Feier in St. Petrus Quakenbrück

Von Alexandra Lüders

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Quakenbrück. Ganz im Zeichen des lutherischen Theologen Dietrich Bonhoeffer stand die Auftaktveranstaltung zum 50-jährigen Jubiläum der St.-Petrus-Kirche in Quakenbrück.

Im morgendlichen Gottesdienst erinnerten Pastorin Christina Richter, Michael Schnelle und Christine Paul mit Liedern, Gebeten und Briefen an das Schicksal des evangelischen Theologen, der zusammen mit drei anderen Familienmitgliedern im Widerstand gegen das Nazi-Regime sein Leben lassen musste. Der Ahrenshorster Gospelchor ließ dazu Bonhoeffers Lieblingsmusik erklingen.

Zur Eröffnung der Reinhard-Bultmann-Kunstausstellung referierte Liselotte Ulmer am Nachmittag über Leben und Werk Bonhoeffers, der 1940 Taufpate von Reinhard Bultmann wurde. Zur Vernissage waren zahlreiche Besucher und nahe Angehörige des verstorbenen Malers erschienen.

Großer Tag für kleine Kirchengemeinde

Die ganztägige Jubiläumsveranstaltung war ohne Frage ein Highlight für die kleine evangelische Kirchengemeinde in der Quakenbrücker Neustadt. Mit der Ausstellung Bultmanns hat sich der Kirchenvorstand ein Juwel ins Bonhoeffer-Gemeindehaus geholt. Auch hätten die Vernissage und der Gottesdienst nicht feierlicher, authentischer und berührender sein können. Dank des engagierten Einsatzes aller Akteure, die sich akribisch vorbereitet hatten, war nicht nur die Vernissage sehr gelungen.

Mit bewegter Stimme schilderte Liselotte Ulmer einzelne Stationen und Wirkungsstätten in Dietrich Bonhoeffers Leben, die sie während einer Studienreise kennengelernt hatte. Sie wandelte auf seinen Spuren durch Berlin, Finkenwalde, Buchenwald und Weimar.

An Bonhoeffers Lebensstationen erinnert

Während im Gottesdienst die Kraftquellen Bonhoeffers wie die Bibel und die Musikalität im Fokus standen, wusste Ulmer über die „Topografie des Terrors“ im Gestapokeller sowie über Bonhoeffers Leidensweg und seine Ermordung zu berichten. Anhand einer Diaschau präsentierte sie eindrucksvoll die verschiedenen Orte seines Schaffens, Sterbens und Gedenkens. In Stettin sei beispielsweise ein in 2012 eingeweihter Dietrich-Bonhoeffer-Garten eine Inspiration für viele Menschen – das Werk eines Internationalen Jugendprojektes. „Auch die Aufzeichnungen Dietrich Bonhoeffers finden heute weltweite Beachtung und stehen im Spannungsverhältnis zwischen Depression und innerer Stärke. Er ist der meistgelesene Theologe der Gegenwart“, verblüffte Ulmer mit neuen Erkenntnissen.

Gelungene Präsentation von 30 Bultmann-Bildern

Wie Bultmanns Witwe Silke und seine Schwester Liselotte Kramer aus Weener erläuterten, pflegten Dietrich Bonhoeffer und der Vater des Kunstmalers als Mitglieder der „Bekennenden Kirche“ freundschaftlich-pastorale Kontakte zueinander. Bonhoeffer sei bei ihrer in Sydow (nahe des Priesterseminars Finkenwalde) wohnenden Familie häufig zu Gast gewesen und daher 1940 Taufpate ihres Bruders Reinhard geworden, erzählte Kramer. Sie hatte bereits als Vierjährige Kontakt zu Bonhoeffer und ist eine der letzten Augenzeugen der damaligen Zeit. Ihr Vater Peter Bultmann war früher Vikar in Rastede und führte nach dem Krieg eine Pfarrstelle in Bad Zwischenahn.

Alle Angehörigen des Kunstmalers dankten Pastorin Richter und ihrem Team für die gelungene Präsentation der 30 Gemälde und die musikalische Umrahmung durch den Flötenkreis der St.-Sylvester-Kirche. Mit einer künstlerischen Betrachtung leitete Alexandra Lüders zum Rundgang über.


Führungen durch die Ausstellung können bis Weihnachten unter Telefon 05431/900740 mit oder ohne Kaffee/Teeservice gebucht werden.

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