Ergebnis der Antragskonferenz Stromtrasse: Nur Suchräume im Altkreis Bersenbrück?

Durch den Altkreis Bersenbrück soll den aktuellen Planungen zufolge bis zum Jahr 2022 eine neue 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung gebaut werden, die in Merzen endet. Der Verlauf der Trasse ist ungewiss, sicher ist nur, dass sie in Merzen enden wird. Symbolfoto: Michael GründelDurch den Altkreis Bersenbrück soll den aktuellen Planungen zufolge bis zum Jahr 2022 eine neue 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung gebaut werden, die in Merzen endet. Der Verlauf der Trasse ist ungewiss, sicher ist nur, dass sie in Merzen enden wird. Symbolfoto: Michael Gründel

Altkreis Bersenbrück. Die Suche nach einer Trasse für den Neubau einer 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung zwischen Conneforde und Merzen ist etwas konkreter geworden. Die Übertragungsnetzbetreiber Amprion und Tennet halten einen teilweisen Trassenverlauf entlang der Autobahn 1 für ungeeignet. Sie sprechen sich dagegen für eine Trasse quer durch den Altkreis Bersenbrück aus.

Das ist das Ergebnis einer sogenannten Antragskonferenz, mit der das Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) das Raumordnungsverfahren vorbereitet hat. In dieser Woche hatte die Behörde mit Sitz in Oldenburg die Vertreter der vom Leitungsbau betroffenen Kommunen und Landkreise, Projektplaner sowie die Vertreter weiterer Behörden und Institutionen eingeladen.

Erste Untersuchungen

Dort hätten die mit Planung und Bau der 380-kV-Leitung beauftragten Unternehmen Amprion und Tennet das Vorhaben erläutert und die erforderlichen Untersuchungen vorgestellt, teilte das Amt auf Anfrage unserer Redaktion mit. Zudem seien Inhalt und Umfang der Antragsunterlagen für das Raumordnungsverfahren, Verfahrensablauf und voraussichtlicher Zeitrahmen besprochen worden. „In der Antragskonferenz sind ebenfalls mögliche und sinnvolle Vorhaben-Alternativen zu diskutieren“, erläuterte eine Sprecherin.

Das von den Übertragungsnetzbetreiber Amprion und Tennet beauftragtes Gutachterbüro hatte einen Blick auf die Landschaft zwischen Conneforde (Landkreis Ammerland) und Merzen geworfen und sogenannte Raumwiderstände ermittelt. Dazu gehören zum Beispiel Ortschaften, Wohn- und Gewerbegebiete, Naturschutz- und Erholungsgebiete und Biotope. Diese haben Einfluss auf den Verlauf einer Stromtrasse, weil Mindestabstände zu Wohngebieten von 400 Metern und zu Einzelhäusern im Außenbereich von 200 Metern vorgeschrieben sind.

Vier Korridore

Das Ergebnis der Untersuchung: Aus den aus mehr als 100 Seiten starken und aus mehreren Karten bestehenden Antragsunterlagen geht hervor, dass Amprion insgesamt vier Korridore von jeweils ungefähr einem Kilometer Breite für den Bau einer Stromtrasse untersucht hat. Drei davon führen von Nord nach Süd durch den Altkreis Bersenbrück und sind nach Ansicht von Amprion geeignet, im anstehenden Raumordnungsverfahren näher untersucht zu werden. Diese seien „in relativ konfliktarme Räume“ gelegt worden, die Planer hätten auf „sehr hohe und hohe Raumwiderstände“, also Wohnbebauung, „größtmögliche Rücksicht“ genommen.

A1 als Trasse ungeeignet

Anders sieht es nach Aussage der Gutachter aber für den Korridor zwischen Cloppenburg und Merzen aus, der teilweise der Bundesautobahn 1 folgt und schließlich ab Rieste in Richtung Merzen verläuft. Dieser Korridor entlang der Autobahn, der in mehreren Varianten geprüft worden ist, scheidet laut Amprion als Trasse aus. Hier gebe es eine „überdurchschnittlich hohe Dichte zulassungshemmender Konflikte“. Zudem müsse die Autobahn bis zu viermal gequert werden, was zu Mehrkosten bei Bau und Unterhaltung führen werde – neben den „zu erwartenden Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft“.

Trassenvarianten zwischen 48 und 62 Kilometer lang

Während die Korridore A, B und C durch den Altkreis Bersenbrück zwischen 48 und 50 Kilometer lang sind, haben die Planer für Korridor D eine Länge von 60 Kilometern errechnet. „Weder aus der Raumwiderstandsanalyse noch aus der Untersuchung der Bündelungspotenziale lassen sich Vorteile des Korridors D ableiten, die so gewichtig sind, dass die Mehrlänge von 20 Prozent gegenüber den anderen Korridoren dafür in Kauf genommen werden kann“, heißt es in der Untersuchung weiter. Laut Gutachter ist nicht zu erwarten, „dass durch weitergehende, vertiefende Untersuchungen im Zuge des Raumordnungsverfahrens ein grundsätzlich anderes Ergebnis erwartet werden könnte“. An den „maßgeblichen Raumwiderstandskriterien“ werde sich schließlich auch weiter nichts ändern.

Erdverkabelung möglich?

Die 380-kV-Höchstspannungsleitung ist in der Voruntersuchung als Freileitung geplant worden. Ob eine teilweise Erdverkabelung möglich wird, steht derzeit noch nicht fest. Denn wenn das bisherige Energieeinleitungsausbaugesetz (EnLAG) novelliert wird, könnte auch die geplante Stromtrasse durch den Altkreis Bersenbrück zu einer Erdkabel-Pilotstrecke werden.

Start des Raumordnungsverfahrens steht noch nicht fest

Wie geht es weiter? Bis Ende des Monats haben die Gemeinden und Behörden, die zur Antragskonferenz eingeladen waren, Zeit, eine Stellungnahme abzugeben. Das Amt für regionale Landesentwicklung stelle dann „den räumlichen und sächlichen Untersuchungsrahmen für die Planung fest“, erläuterte die Behördensprecherin. Soll heißen: Das ArL legt letztlich fest, welche Trassenvarianten und Alternativen näher untersucht werden sollen. Sobald auch der Vorhabenträger, also die Netzübertragungsbetreiber Amprion und Tennet, alle Unterlagen eingereicht haben, leitet das ArL das Raumordnungsverfahren ein. Wann das so weit sein wird, steht nach Behördenangaben derzeit noch nicht fest.


Der Bau der 380-kV-Höchstspannungsleitung zwischen Cloppenburg und Merzen ist ein Gemeinschaftsprojekt der Netzbetreiber Tennet und Amprion. Tennet ist für die 60 Kilometer lange Strecke zwischen Conneforde und Cloppenburg zuständig, Amprion für das 55 Kilometer lange Stück zwischen Cloppenburg und Merzen. Dort ist zudem der Bau einer Umspannanlage vorgesehen. Mit dem Bau soll eine „Erhöhung der Übertragungskapazität“erreicht werden. Der Strom, der in den Windparks vor der Nordseeküste produziert wird, muss zu den Verbrauchszentren im Süden der Bundesrepublik geleitet werden. Grundlage für diesen Neubau ist der Bundesbedarfsplan 2013. Darin ist von einer Stromtrasse die Rede, die von Cloppenburg nach Westerkappeln reicht. Doch diese Planung ist inzwischen überholt. In der nächsten Überarbeitung des Bundesbedarfsplans soll Merzen als Endpunkt aufgeführt werden. Die Stromtrasse soll nach den Planungen der Netzbetreiber 2022 fertig sein. cg

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