Pastorenbilder werden geprüft Sakristei St. Sylvester Quakenbrück wird Atelier

Von Heiko Bockstiegel


Quakenbrück. Die Sakristei der St. Sylvesterkirche gleicht zur Zeit mehr dem Atelier eines Künstlerateliers als einem Raum, in dem eigentlich Andacht und Muße gefragt sind. Doch diese Maßnahme bringt die Innenrenovierung des Gotteshauses nun einmal mit sich, zumal es sich um besonders sensible Tätigkeiten handelt, die zur Zeit dort vonstatten gehen, nämlich die kunsthistorische Untersuchung der 17 Pastorenbilder, des Dreikönigsbildes der Familie von Dorgelo sowie einer Wappentafel der Burgmannsfamilie von Dincklage, deren Restaurierung angestrebt wird.

Die Galerie mit den Bildnissen der in Quakenbrück verstorbenen oder in den Ruhestand verabschiedeten Pastoren an der St. Sylvesterkirche ist durchaus respekteinflößend. So beginnt die Reihe mit dem Hermann-Bonnus-Porträt, einem Geschenk zum 350-jährigen Jubiläum der Reformations-Einführung in Quakenbrück 1893. Knapp ein Jahrhundert später, anlässlich des 100. Bestehens des Evangelischen Arbeitervereins 1992, erfolgte eine erste Restaurierung dieses Bildes.

Neben diesem nehmen vor allem drei weitere, von bedeutenden Osnabrücker Kunstmalern geschaffene Bilder einen herausragenden Platz ein.

So stammt das Ölbild des ersten Pastors nach dem Dreißigjährigen Krieg, Superintendent Vitus Büscher, vermutlich von Hermann Klostermann, der auch die Altarbilder anfertigte. Der überregional bedeutsame Philipp Anton Schilgen schuf laut erhaltener Signatur im Jahre 1847 das Porträt des Superintendenten Johann Christian Lange, und Theodor Doebner ist als Schöpfer des 1938 entstandenen Ölbildes von Pastor Wilhelm Kraemer bezeichnet. Hinzu kommen das 1630 von Caspar von Dorgelo 1630 gestiftete Tafelbild (Öl auf Holz) mit der Darstellung der Anbetung der Heiligen Drei Könige sowie die erst jüngst entdeckte Dincklagesche Wappentafel.

Hervorragende Expertin

Für den Kirchenvorstand war es von Anfang an selbstverständlich, im Zuge der Kirchenrenovierung auch eine Restaurierung dieser Ölbilder zu überdenken. „Mit der Diplom-Restauratorin Tanja Pieper-Beenken aus Jever haben wir eine hervorragende Expertin gewinnen können, die sich zunächst einen Eindruck vom Erhaltungszustand machen wird“, freut sich Pastor Wolfgang Thon-Breuker. „Dass alle Bilder durchweg gut erhalten sind, davon konnte sich Tanja Pieper-Beenken schon bei ihren ersten Untersuchungen überzeugen. „Wichtig ist bei wertvollen historischen Gemälden, wie richtig und vor allem schonend gereinigt werden muss.“

Da spielen zum Beispiel Farben und Materialien, die seinerzeit von den Künstlern verwendet wurden, eine Rolle. Mit einem Rasierpinsel oder einem Wattestäbchen testet Tanja Pieper-Beenken aus, welchen Verschmutzungsgrad die Ölbilder aufweisen. Logisch: Viele alte Gemälde, die jahre- bzw. jahrzehntelang hoch aufgehängt waren, sind von einer Schicht aus Staub und Schmutz bedeckt, unter der sich die Originalfarben kaum noch erkennen lassen. Hinzu kommen nicht selten Risse oder sogar Löcher.

Leinwandgemälde, und um solche handelt es sich bei den Pastorenbildern, reagieren äußerst sensibel auf Veränderungen ihrer Umgebung. Wechselnde Umgebungstemperaturen und Feuchtigkeitsverhältnisse, wie sie gerade in historischen Gotteshäusern wie der St. Sylvesterkirche nun einmal vorherrschen, führen nicht nur zum Lösen der Farbe vom Malgrund, sondern gehen einher mit Dehn- und/oder Schrumpfvorgängen der Malmaterialien.

Deshalb ist die Festigung der Farbe die erste Erhaltungsmaßnahme, schließlich sollen die Farben später wieder im Urzustand wirken. An einzelnen Farben nachzubessern, erfordert neben viel Fingerspitzengefühl auch umfassenden kunsthistorischen Sachverstand. Besonders kompliziert ist das unter Umständen notwendige Nachspannen der Leinwand.

Die vielen Arbeitsschritte zur Renovierung der Ölbilder beinhalten ebenso grobes Reinigen von Staub und Schmutz und Säuberung der Bildoberfläche. Es folgen Flicken und Kitten von Bildverletzungen, das farbliche Angleichen (Retuschieren) der Fehlstellen, die eigentliche Bildrestauration mit Wiederherstellung der Farben und schließlich das Reinigen und Ausbessern der jeweiligen Rahmen.

Bis es soweit ist, gilt es für den Kirchenvorstand zunächst die Kosten für die Bilderrestaurierung zu ermitteln und die Finanzierung zu sichern.