Wie in einer Geisterstadt Der Quakenbrücker Rewe-Markt ist Geschichte

Von Katharina Preuth


Quakenbrück. Der Rewe-Markt in Quakenbrück ist Geschichte. Am Samstag um 18 Uhr drehte Marktleiter René Kühling den Schlüssel um. Ende. Aus. Vorbei. Am letzten Verkaufstag konnten Kunden noch die Reste abgreifen. Die meisten Regale aber waren leer. Die 30-Prozent-Rabattaktion hatte viele Schnäppchenjäger angelockt.

„Der Markt ähnelt einer Geisterstadt“, meint René Kühling, mittlerweile ehemaliger Marktleiter des Quakenbrücker Rewe-Marktes , und schaut sich im Gebäude um. Trostlos sieht es dort aus. Die Obst- und Gemüseabteilung direkt am Eingang begrüßt den Kunden mit gähnender Leere. Im Bereich des Frischesortiments sei schon seit Längerem kein Nachschub mehr geliefert worden, erklärt Kühling. Aber auch in den Kühlschränken dahinter, in denen einst Käse- und Wurstprodukte standen, sieht es ähnlich aus. Die Kühlung ist abgestellt, die Truhen ausgeräumt. Einzig die günstigen Produkte der Rewe-Eigenmarke, erkennbar in der charakteristischen weißen verpackung mit der blauen Aufschrift „Ja“, erweisen sich als Ladenhüter oder besser -füller. Ein Berg Toilettenpapier steht auf einer Palette fast unberührt mitten in der leeren Halle, neben Litern von Orangenlimonade und günstigem Mineralwasser. In den Regalen, einen Gang weiter, stapeln sich Verpackungen mit Cornflakes und anderen Frühstückscerialien.

Proviant fürs Zeltlager

„Mein Sohn hat hier heute fürs Zeltlager eingekauft“,berichtet Kundin Barbara Bobe aus Quakenbrück und zeigt dabei in Richtung der günstigen Tüten mit Chips, Flips und Salzstangen. Das habe sich für ihn richtig gelohnt, freut sie sich die Mutter: An der Kasse habe er schließlich von der 30-Prozent-Rabattaktion profitiert. Da habe sie sich selbst auch noch aufgemacht, um einige letzte Angebote mitzunehmen, sagt Barbara Bobe.

Für Marktleiter Kühling sei das Gefühl den letzten Tag im ausgeräumten Markt zu verbringen nicht neu. „Ich kenne das noch aus Löningen, da war ich auch bei der Schließung dabei.“ Er selbst fange im Rewe in Vechta an, allerdings zunächst eine „Etage tiefer, als Assistent der Geschäftsleitung. Gerüchten zur Folge solle es dort aber bald einen zweiten Markt geben, berichtet René Kühling. Er hofft, dann seine alte Stellung wiederzubekommen.

Übernahmeangebote für andere Filialen

Marktleiter Kühling kennt das Gefühl, den letzten Verkaufstag in einem nahezu ausgeräumten Markt zu verbringen. „Ich kenne das noch aus Löningen. Da war ich auch bei der Schließung dabei.“ Und wie geht es für ihn nun weiter? Er wechsele in den Rewe-Markt in Vechta. „Allerdings zunächst eine „Etage tiefer“, als Assistent der Geschäftsleitung, sagt er. Gerüchten zufolge solle es in der Kreisstadt aber bald einen zweiten Markt geben, schiebt René Kühling nach. Er hofft, dann seine alte Stellung als Marktleiter wiederzubekommen.

Für Melissa Mantler dagegen ist am Samstagabend Schluss. Es ist ihr endgültig letzter Tag als Rewe-Verkäuferin. Sie möchte auch weiter in Quakenbrück arbeiten, nahe ihrem Wohnort. Darum habe sie das Angebot, in einer anderen Filiale anzufangen, abgelehnt, berichtet sie.

Diese Chance hat die Geschäftsleitung allen Mitarbeitern des Quakenbrücker Rewe-Marktes geboten. Die wenigsten hätten diese aber angenommen, weiß die Pressestelle. Melissa Mantler hat das Glück, nach der Schließung nicht arbeitslos zu sein: Sie hat bereits etwas Neues gefunden. „Ich hab mich an den Gedanken gewöhnt, hier bald nicht mehr an der Kasse zu sitzen. Wir haben schon vor etwa einem Jahr von der Schließung erfahren“, sagt die Verkäuferin. Darum fühle es sich gar nicht so merkwürdig an, dem Markt endgültig den Rücken zu kehren.

Bald neuer Vollsortimenter?

Die Waren, die trotz Rabattaktion nicht verkauft wurden, werden an andere Rewe-Märkte geliefert. Was mit dem Gelände geschieht und ob bald ein neuer Verbrauchermarkt in der Neustadt eröffnet, ist ungewiss.

Sicher ist nur dies: Der städtische Bebauungsplan sehe an dieser Stelle „großflächigen Einzelhandel“ vor, teilte Franz-Georg Gramann, auf Anfrage unserer Redaktion vor einigen Wochen mit.

Vielleicht können sich die Kunden schon bald auf neuen Vollsortimenter freuen.