Premiere in Theaterwerkstatt „Superstück“: 13 Helden treffen sich in Quakenbrück

Von Bjoern Thienenkamp


Quakenbrück. Hans Rosenthal hat ihn nie gesehen. Denn als das ZDF am 30. August 1986 die Spielshow „Gefragt – Gewusst – Gewonnen!“ des Entertainers live vom Quakenbrücker Marktplatz sendete, stand der Europabrunnen da noch nicht. Jetzt aber spielte die Skulptur quasi die Hauptrolle in dem „Superstück – Gudrun Kräse und das Geheimnis der unsichtbaren Wand“, das die Theaterwerkstatt am Samstagnachmittag uraufführte.

„Liebe Heldinnen und Helden“, spricht Aishe Spalthoff das Publikum an, denn wer bei hohen Temperaturen ins Theater gehe, gehöre sicher dazu. „Draußen ist es wunderschön; hier wird es auch wunderschön“, sagt die Theatermacherin zu dem Stück in Kooperation mit InVia und dem FIZ.

Herausforderung für die Autorin Nicola Bongard

„Superkräfte gibt es an ganz unterschiedlichen Stellen, von Ehrenamt bis Hollywood“, ergänzt Heidi Vollprecht. „Die Hausfrau aus Bayern wird zur Superheldin“, kündigt die Kulturpädagogin ein Stück an, das nicht nach dem Schema von „Hänsel und Gretel“ verlaufe. „Wie kriege ich die alle zusammen in ein Stück?“, sei die Herausforderung für Autorin Nicola Bongard gewesen.

Das „Superstück“ beginnt mit Filmeinspielungen. Ganze 13 Helden berichten in die Kamera, womit sie gerade beschäftigt waren, als sie die Nachricht bekamen, zum Europabrunnen nach Quakenbrück aufzubrechen. „Wie im Film – nur total anders“, sei das gewesen. Oder mitten beim Fensterschmutzigmachen. Oder eine Einladung auf Esspapier sei gekommen. Oder lediglich „Es ist so weit“ habe auf dem Pieper eines Rettungssanitäters gestanden.

Treffen am Europabrunnen auf dem Quakenbrücker Marktplatz

Und so treffen sich dank Logistikheld Brain dann alle am Europabrunnen, tauschen sich aus, freuen sich übers Wiedersehen, frotzeln etwas. Und fragen sich, was sie hier eigentlich sollen. Auftraggeberin Gudrun Kräse meldet sich per Video, und „Wir brauchen einen Helden“ folgt als Gesangseinlage. Als Captain Cannabis einfach gehen will, stößt er und stoßen dann auch die anderen vor eine unsichtbare Wand. Dann wird es auch noch komplett dunkel, skurrilerweise nach dem berühmten Telekom-Jingle.

Einziger Ausweg scheint die Wasserzuleitung zu sein. Einige Helden, die nach dort entschwinden, kommen wieder, mal mit einem weißen Kaninchen, mal mit einem Kassettenrekorder. Auf dem Band sind Anweisungen, etwa „Superhelden tanzen nicht“. Die Helden werden dennoch von der Musik mitgerissen und tanzen. „Ballettmädchen und Weicheier“, schimpft die Stimme. „Wir haben versagt“, meinen die Helden. „Aber es hat Spaß gemacht.“

Mit dem fliegenden Teppich auf zu neuen Abenteuern

„Die sitzen und gucken“, entdecken die Helden das Publikum. Und auch, dass der Brunnen gar nicht echt ist. „Wir sind in einem Theater gefangen; das sind die Zuschauer“, kommt die Erkenntnis. Nachdem die Helden ihre wahre Persönlichkeit preisgeben, ist die Wand plötzlich weg.

Und auf einem fliegenden Teppich geht es: „Auf zu neuen Abenteuern!“


Weitere Aufführungen: 12., 17. und 18. Juli, jeweils um 16 Uhr in der Theaterwerkstatt Quakenbrück; Eintrittskarten zum Preis von sieben/ermäßigt vier Euro sind erhältlich in der Buchgalerie Artland und der Buchhandlung Thoben sowie im Internet auf www.theaterwerkstatt-quakenbrueck.de .