Gespräch mit Martin Espenhorst Eine fast vergessene Schriftstellerin aus Menslage

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Menslage/Quakenbrück. Einst gab es im Nordkreis kaum einen Haushalt, in dem nicht das 1933 erschienene Buch „Unter den Eichen“ von Margarete zur Bentlage im Regal stand. Es war ein Bestseller und machte die in der Bauerschaft Wierup bei Menslage geborene Schriftstellerin in Deutschland berühmt. Heute ist Margarete zur Bentlage – geboren 1891, gestorben 1954 – fast vergessen. „Zu Unrecht“, findet Martin Espenhorst. Die Gründe dafür wird der Historiker aus Gehrde am 27. März, 19.30 Uhr, in einem Vortrag im Franziskus-Haus am Marktplatz in Quakenbrück erläutern, und zwar auf Einladung des Fördervereins des Stadtmuseums. Der Eintritt ist frei.

Herr Espenhorst , Sie beschäftigen sich seit einiger Zeit intensiv mit Margarete zur Bentlage. Ihre Ausgangsthese: Sie ist zu Unrecht in Vergessenheit geraten.

Das ist so. Im Vortrag am 27. März werde ich versuchen, dafür die Argumente darzulegen und ihre Bedeutung für den Literaturbetrieb in Deutschland herausarbeiten. ‚Unter den Eichen‘ beispielsweise war ein Bestseller. Das Buch hat sich mehr als 100000-mal verkauft. Auch sind ihre Texte in Anthologien zusammen mit Beiträgen von Hermann Hesse oder Selma Lagerlöf erschienen. Anders gesagt: Bis in die 60er-Jahre hinein war Margarete zur Bentlage eine feste Größe im Kulturbetrieb. Auch nach ihrem Tode erschienen noch zahlreiche Publikationen – ob in Zeitschriften oder als Disseration. Dann gab es Ende der 60er-Jahre einen Bruch. Es wurde still um das Werk von Margarete zur Bentlage.

Worauf führen Sie das zurück?

Das hängt möglicherweise auch damit zusammen, dass Margarete zur Bentlage auch in der Zeit des Dritten Reiches publiziert hat. Vor dem Hintergrund der Debatten in der Nachkriegszeit – verbunden mit der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Zeit – ist auch ihr Werk in den 60er- und 70er-Jahren zunehmend vorsichtig und kritisch betrachtet worden. Es war in dieser Zeit offenbar einfach schwierig, einen positiven Zugang zu ihren Büchern zu finden.

War die kritische Haltung berechtigt?

Ich glaube, dass die Zeit inzwischen so weit fortgeschritten ist, dass wieder unvoreingenommene Annäherung an das Werk möglich ist. Sicher hat Margarete zur Bentlage viel über Landschaftsgeschichte und den ländlichen Raum geschrieben. Das hatte aber nichts mit der Blut- und Bodenliteratur im Nationalsozialismus zu tun. Das hatte einfach was mit der Zeit und der Region zu tun, in der Margarete zur Bentlage lebte. Außerdem sind viele dieser Werke in der Zeit zwischen 1922 und 1926 entstanden. Hinzugefügt sei auch noch, dass es auch bekannte Literaten gab, die im Rahmen der Diskussionen das Werk von Margarete zur Bentlage verteidigt haben.

Können die Texte heute noch von Interesse sein?

Sicher. Sie hat ja, genau betrachtet, in ihren Büchern immer eine in sich geschlossene Märchenwelt beschrieben. Heute würde man sagen, es handelt sich um Fantasie-Geschichten, die in einem historischen Umfeld eingebettet sind. Und sind durchaus im Trend. Das zeigen ja auch Kinofilme oder die Bestsellerlisten für Bücher. Hinzu kommt, dass die Geschichten von Margarete zur Bentlage einer völlig anderen Welt entsprungen sind. Da gab es keine Autos, Telefone und oft nicht mal Elektrizität. Auch das ist faszinierend.

Margarete zur Bentlages eigener Lebensweg ist ja auch faszinierend – von einer kleinen Bauerschaft in die große weite Welt der Literatur und Kunst.

Stimmt. Es ist schon erstaunlich, welchen Weg diese Frau aus Wierup bei Menslage gegangen ist. Als sie mit Rudolf Schistl verheiratet war, gehörte sie zu den wichtigen Leuten in der Nürnberger Künstlerszene. Später – nach dem Tod ihres Mannes und der Heirat mit Paul List – wiederum gehörte sie zu den absoluten Größen in der deutschen Literaturszene. Auch das möchte ich in meinem Vortrag in Quakenbrück gerne deutlich machen. Margarete zur Bentlage war eine bedeutende Frau ihrer Zeit. Sie neu zu entdecken ist lohnenswert.


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