Leben zwischen zwei Kulturen Impressionen aus dem Iran für Badberger Landfrauen

Von Albert Schmidt

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Landfrau wie ihre Gastgeberinnen ist die aus dem Iran stammende Parvin Hemmecke-Otte (Mitte)Foto: Bernard MiddendorfLandfrau wie ihre Gastgeberinnen ist die aus dem Iran stammende Parvin Hemmecke-Otte (Mitte)Foto: Bernard Middendorf

Badbergen/Quakenbrück. Einen hochinteressanten Vortrag bot der Landfrauenverein Badbergen in seiner Jahreshauptversammlung an: „Mein Leben und Arbeiten zwischen zwei Kulturen“ von Parvin Hemmecke-Otte. Die diplomierte Agraringenieurin kommt aus dem Iran, bewirtschaftet mit ihrem deutschen Ehemann einen Hof in Braunschweig und ist dort Kreisverbandsvorsitzende der Landfrauen.

In Teheran geboren, wo 1979 die Revolution das Land aufwühlte, aufgewachsen in einer Großfamilie – der Wechsel nach Deutschland, veranlasst von der besorgten Mutter, kam früh für die Abiturientin Parvin, die „Internationale Landwirtschaft“ studierte und in Braunschweig einen Deutschen heiratete.

Sie lernte zwei Kulturen kennen, wie sie unterschiedlicher kaum sein können. Große bewässerte Plantagen mit Obst, Trauben und Zitrusfrüchten, Datteln, Feigen und Pistazien prägen den Iran, dazu Reis- und Weizenanbau. In Deutschland betreibt sie Ackerbau und große Anpflanzungen von Weihnachtsbäumen.

Die Familie fängt auf

„Bei uns gibt es einen starken Zusammenhalt der ganzen Familie“, erzählte sie. „Es war zunächst schwer hier für mich, aber meine Schwiegermutter hat mich mit zu den Landfrauen genommen. Ich gehörte schnell dazu, wurde Vertrauensfrau und später Kreisvorsitzende.“

Sie habe mit den Frauen bereits eine Reise in den Iran unternommen. „Und das bei großer Hitze – bis zu 38 Grad“, so die Referentin. Besonders imponierend in dem 2500 Jahre alten Königreich Persien, das zeigten viele Fotos, ist die Architektur mit prachtvollen Bauten, „windgekühlten“ antiken Gebäuden und einer ausgeklügelten Energie- und Wasserversorgung. „Wasser spielt bei uns eine große Rolle.“

Das 20-jährige Embargo treffe die Bevölkerung hart. „Es gibt keine Ersatzteile, auch bei Landmaschinen“. Alles müsse mühselig repariert werden. Langeweile sei während der Bus-Rundreise bei den Landfrauen übrigens nie aufgekommen. So war der Besuch des Basars in Teheran „ein Muss“

Eine ganze Reihe von Fragen folgten. Ja, auch Viehzucht gebe es, zwar nicht mit Schweinen, aber mit Schafen und Kühen. Menschen ohne Arbeit würden nicht wie hier staatlich unterstützt: „Die Familie fängt auf und trägt“. Nach zunächst strenger Islamisierung würden jetzt auch andere Religionen toleriert, nur Missionierung sei verboten. „Ab sieben müssen Mädchen ein Kopftuch tragen.“ Die Mehrheit im Land seien Sunniten, ein Teil Schiiten. Moscheen würden auch von Frauen besucht. „In Deutschland gehen viele Iraner sogar in Kirchen; das sei für sie ein Ort der Meditation.“ Dass sie einen Deutschen geheiratet habe, sei kein Problem gewesen.

Ehrungen

Der Dank von Renate Schöne-Warnefeld ging an die Referentin sowie an mehrere Frauen für bis zu 40 Jahre Mitarbeit. In den Fachausschuss Landwirtschaft rücken Marianne Thumann und Doris Kruse-Vogt für Margret Reinke und Ulrike Jürgens nach; Beate Völker und Kerstin Lüdeling treten für Hildegard Haferkamp und Renate Huster als Ortsvertrauensfrauen an.


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