Einladung zum Staatsakt Quakenbrücker war der Chauffeur von Ernst Albrecht



Quakenbrück. Mit einem Staatsakt würdigt das Land Niedersachsen am Montag, 22. Dezember, den früheren Ministerpräsidenten Ernst Albrecht. Zu den geladenen Gästen der Trauerfeier in der Staatsoper gehört auch Peter Korte. Elf Jahre, von August 1979 bis Juli 1990, war der Quakenbrücker der Fahrer des früheren Regierungschefs. „Wir haben uns von Anfang an wunderbar verstanden“, erinnert sich der 69-Jährige.

Die Einladung für den Staatsakt liegt schon seit einigen Tagen bei Peter Korte auf dem Tisch. Absender ist die Niedersächsische Staatskanzlei, die zu Ehren des früheren Ministerpräsidenten Albrecht zu einer Gedenkstunde bittet. Die Liste der Trauergäste haben die Mitarbeiter mit der Familie abgestimmt. Einer von ihnen ist also Peter Korte, der elf Jahre lang Albrecht in einer Limousine zwischen Ems und Elbe, zwischen Nordsee und Harz, kreuz und quer durch die Bundesrepublik und in viele europäische Nachbarländer chauffierte.

Korte, der zuvor Fahrer von Bundespräsident Walter Scheel gewesen war, wechselte nach dessen Ausscheiden aus dem Amt im Jahr 1979 aus der damaligen Bundeshauptstadt Bonn nach Hannover. Dort sollte er künftig als Chauffeur von Ministerpräsident Ernst Albrecht tätig werden. Der sei ein ausgesprochener Familienmensch gewesen, erinnert sich Korte. „Freitags nachmittags verabschiedete sich Albrecht ins Wochenende, Termine hatte er dann keine mehr.“ Das wiederum bescherte auch dem Fahrer des Landesvaters unverhoffte Freizeit. „Das kannte ich bei Walter Scheel nicht. Der sagte immer: ‚Ein Bundespräsident ist immer im Dienst.‘“ Entsprechend selten hatte Peter Korte mal ein Wochenende frei. Das ist bei Ernst Albrecht nun ganz anders. Nur selten muss der Landesvater seinen Fahrer daheim in Quakenbrück aus dem Wochenende klingeln und nach Hannover beordern. „Manchmal eilte es, wenn Helmut Kohl das CDU-Präsidium in Bonn zusammenrief“, sagt der Quakenbrücker.

Der Tag eines Ministerpräsidenten ist durchgeplant: Jeden Morgen holt Peter Korte den Regierungschef auf dessen Familiengut Beinhorn bei Burgdorf ab und bringt ihn in die Staatskanzlei. „Stets hat er mich mit Handschlag begrüßt und sich immer nach der Familie erkundigt.“ Albrecht habe immer auf dem Beifahrersitz Platz genommen, nie hinten. „Wir haben uns ein bisschen unterhalten, dann hat Albrecht den Rest der 35-minütigen Fahrt für die Lektüre der Tageszeitung genutzt.“

An Albrecht, dessen Markenzeichen in seiner 14-jährigen Amtszeit ein strahlendes Lächeln war, hat der Quakenbrück nur gute Erinnerungen. „Ein sympathischer Mann, mit einem ehrlichen Interesse an den Menschen.“

Das führte dann auch dazu, dass der Ministerpräsident unbedingt die Eltern von Peter Korte kennenlernen wollte. Im März 1981 ergab sich die Gelegenheit ganz zufällig, als Quakenbrück eine Station auf einer Rundreise durch den Landkreis Osnabrück war. Einen Abstecher in die Plückmannstraße zu den Kortes sah der Zeitplan überhaupt nicht vor. Dennoch musste der Chauffeur auf Bitten des Ministerpräsidenten den Wagen dorthin steuern – samt Polizei-Eskorte im Schlepptau, was natürlich für reichlich Aufsehen in der Straße sorgte.

Eine gute Stunde unterhielt sich Albrecht mit den Eltern von Peter Korte, während am anderen Ende der Stadt die Politiker den Landesvater längst sehnsüchtig erwarteten. Ein Ereignis, von dem damals selbstverständlich auch das „Bersenbrücker Kreisblatt“ Wind bekam.

Natürlich kennt Peter Korte, der den Ministerpräsidenten dauernd begleitete, noch viele andere Anekdoten. Wie die aus dem Jahr 1988, als die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Gemeinschaft (EG) in Hannover zusammenkamen. François Mitterrand, erinnert sich Korte, habe gegenüber Albrecht den Wunsch geäußert, doch gemeinsam mit ihm einmal – unbemerkt vom Protokoll und ganz ohne Begleitschutz – einen Abstecher nach Celle zu unternehmen. „Das hat natürlich so nicht geklappt, weil die Leibwächter Frankreichs Staatschef nicht aus den Augen ließen.“ Die waren beim Besuch in der Stadt Celle dabei, und Peter Korte brachte die beiden Politiker sicher ans Ziel.


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