Lisa Ortgies: Etwas bewegen Büchner-Preis für WDR-Moderatorin aus Quakenbrück

Von Nicole Weymann

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Lisa Ortgies, Moderatorin der Magazins Frau TV, hat der Luise-Büchner-Preis für Publizistik erhalten Foto: WDR/ArchivLisa Ortgies, Moderatorin der Magazins Frau TV, hat der Luise-Büchner-Preis für Publizistik erhalten Foto: WDR/Archiv

Quakenbrück. Es gibt zur Zeit tatsächlich nur ein Frauenmagazin im deutschen Fernsehen. Seit 1997 strahlt der WDR „Frau TV“, moderiert von Lisa Ortgies, aus. Für ihre Arbeit erhält die Journalistin nun den Luise-Büchner-Preis für Publizistik, da sie, so die Begründung der Jury, mit ihrer Arbeit für einen modernen, selbstbewussten und unverkrampften Feminismus stehe, wobei sie ihre Haltung in Moderation und Publikationen sympathisch und konsequent vertrete.

Frau Ortgies, beim Büchner Preis denkt man zunächst an Literatur. Inwiefern sagte Ihnen der Luise Büchner-Preis etwas?

Ich wusste, dass Bascha Mika und Julia Voss ihn schon bekommen hatten, und dass Georg Büchner mehrere Geschwister hatte, die ebenfalls prominent sind oder waren, aber wirklich mit ihr beschäftigt habe ich mich erst anlässlich der Preisvergabe. Aber was ich da so gefunden habe, war schon ziemlich beeindruckend. Zu ihrer Zeit gab es ja einige Frauen, die sich in der Frauenbewegung engagiert haben. Luise Büchner war wesentlich pragmatischer als viele ihrer Zeitgenossinnen. Sie setzte sich zum Beispiel sehr für die Bildung und Ausbildung von Mädchen und Frauen ein.

Wie relevant ist jemand wie Luise Büchner für ein heutiges Frauenmagazin?

Man lernt bei jeder Recherche zu jedem Thema etwas dazu, da finde ich es wichtig, auch etwas über die Anfänge der Frauenbewegung zu wissen um sich auch auf die Ursprünge berufen zu können. Die Diskussion, wie viele Unterschiede im Verhalten und im Charakter von Menschen über das Geschlecht festgelegt sind, ist die gleiche, die auch damals schon geführt wurde, und gerade jetzt wieder sehr aktuell.

Inwiefern?

Seit rund zehn Jahren werden viele Hirnforschungs- oder Hormonforschungsstudien herausgebracht – die haben aber oft nur 20 oder 30 Studienteilnehmer. Solche Ergebnisse sind nicht wissenschaftlich, sondern haben höchstens Unterhaltungswert. Seriöse Meta-Studien zeigen, dass die Unterschiede innerhalb eines Geschlechts deutlich größer sind, als die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Trotzdem werden solche Studien aber gern von der Presse gern aufgegriffen und vermitteln den Eindruck als würden die Unterschiede zwischen Mann und Frau immer größer.

„Typisch Mann“ oder „typisch Frau“: Bücher, Artikel und andere Publikationen zu dem Thema scheinen gut zu laufen.

Ja, ich habe ebenfalls das Gefühl, dass die Definition einer Person über ihr Geschlecht wieder zunimmt. Argumente wie „In den ersten Jahren braucht das Kind vor allem die Mutter“ halte ich für Quatsch. Ausschlaggebend für eine gesunde Entwicklung, sind feste Bezugspersonen. Das kann neben der Mutter ebenso der Vater und die Oma sein, aber dass diese Verantwortung per Geschlecht ausschließlich auf Mütter übertragen wird, ist eine Einengung für alle Seiten. Auch Männer können Kinder erziehen.

Das kommt allerdings weniger oft vor. Ob Kindergarten oder Schule, gerade kleine Kinder haben wenig Kontakt mit männlichen Rollenvorbildern.

Das finde ich auch schade. Leider drängen die Männer nicht gerade in die Kitas und Grundschulen. Ein entscheidender Grund sind die schlechte Bezahlung und das Klischee, dass kleine Kinder besser bei Frauen aufgehoben sind. Beides kann man ändern, da sind auch die Gewerkschaften gefragt. Aber auch im privaten Bereich gibt es Baustellen: Nur 6 Prozent der Männer nehmen Teilzeit, nur 7 Prozent der Männer nehmen mehr ein Jahr Elternzeit. Wenn Frauen wirklich zugunsten ihres Jobs entlastet werden sollen, dann müssen die Männer dem Wunsch folgen, den sie in jeder Umfrage äußern: 60 Prozent möchten mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen.

Noch einmal zurück zur Sendung: So einen Preis für seine Arbeit zu bekommen macht schon stolz, oder?

(lacht) Sicher ist das schön, aber es ist ja nicht nur meine Arbeit, ich habe auch eine ganz tolle Redaktion, die Trends, Fragen und Ideen aufgreift. Und wenn ein wichtiges Thema durch einen Beitrag bei uns mehr Aufmerksamkeit erhält und etwas bewegt, sei es die Gesetzeslücke im Vergewaltigungsgesetz, die wir vor kurzem in unserer Sendung thematisiert haben oder das Problem der finanziellen Benachteiligung Alleinerziehender, nach dem wir gleich waschkörbeweise Post bekamen, dann zeigt das, dass wir auch etwas bewegen können.


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