Gräberfeld auf kommunalem Gelände Muslime erhalten in Quakenbrück eigenen Friedhof

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Ein Teilbereich des kommunalen Friedhofs der Samtgemeinde Artland am Steimelager Weg in der Stadt Quakenbrück soll für die Beerdigung von Muslimen vorgehalten werden. Foto: Christian GeersEin Teilbereich des kommunalen Friedhofs der Samtgemeinde Artland am Steimelager Weg in der Stadt Quakenbrück soll für die Beerdigung von Muslimen vorgehalten werden. Foto: Christian Geers

Quakenbrück. Die Samtgemeinde Artland will auf dem kommunalen Friedhof am Steimelager Weg in der Stadt Quakenbrück einen Teilbereich als Friedhof für Muslime ausweisen. Außerdem hat die Verwaltung einen Vorschlag unterbreitet, wie eine Bestattung nach muslimischen Regeln unbürokratisch möglich wird.

Erster Samtgemeinderat Frank Wuller berichtete in der jüngsten Sitzung des zuständigen Ausschusses für Planen und Bauen, dass die Verwaltung Regelungen gefunden habe, die Bestattungen „ohne überhöhten formalen Aufwand ermöglichen“. Eine Änderung der bestehenden Friedhofssatzung sei nicht erforderlich, denn das muslimische Ritual sei kein Problem.

Zusammen mit der Vorsitzenden der Lenkungsgruppe Integration, der Fachstelle Gesellschaftliche Integration in der Samtgemeinde Artland, mit einem örtlichen Bestatter und einem Vertreter des Bauamtes hat es nach den Worten Wullers einen Ortstermin auf dem kommunalen Friedhof gegeben. „Hier ist nach einvernehmlichen Regeln für eine Bestattung nach muslimischem Ritual gesucht worden“, sagte der Fachbereichsleiter. Das gefundene Ergebnis stehe im Einklang mit der Friedhofssatzung der Samtgemeinde Artland und dem in Niedersachsen geltenden Bestattungsgesetz. Angeregt hatte den Friedhof für Muslime die SPD-Fraktion im Artländer Samtgemeinderat.

Die Bestimmungen im Einzelnen: Innerhalb des Friedhofsgeländes sollen im nordöstlichen Bereich 400 Quadratmeter als muslimische Bestattungsfläche ausgewiesen werden. Das Gräberfeld kann so aufgeteilt werden, dass eine Bestattung mit Ausrichtung nach Mekka möglich ist. Eine Benutzungspflicht dieses muslimischen Gräberfeldes gibt es aber nicht.

Wenn eine Beisetzung innerhalb von 24 Stunden gewünscht wird, soll der Bestatter beim Landkreis Osnabrück als Unterer Gesundheitsbehörde eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Voraussetzung ist, dass alle notwendigen formalen Bedingungen vorliegen. Ein Raum für rituelle Waschung muss es auf dem Friedhof nicht geben, dieser wird vom Bestattungsunternehmen vorgehalten. Für Trauerfeiern steht die kommunale Aufbahrungsstätte zur Verfügung.

Auf dem muslimischen Friedhof sind Bestattungen im Leinentuch ohne Sarg möglich. Der Leichnam soll allerdings im geschlossenen Transportsarg auf den Friedhof gebracht werden. Die Bestattung ohne Sarg ist nur möglich, soweit öffentliche Belange nicht entgegenstehen. Über die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben wacht der Bestatter.

Für das muslimische Gräberfeld sind Wahlgräber vorgesehen, die nach Ablauf von 30 Jahren wiedererworben werden können. Was Grabschmuck und Grabpflege angeht, so greift der Paragraf der Artländer Friedhofssatzung, die auf die „Würde des Friedhofs“ abhebt, hier nicht. Mit islamischen Gräbern, für die es keinen Grabschmuck gibt, sind nach Ansicht der Verwaltung keine Konflikte zu erwarten, weil das Gräberfeld vom übrigen Gelände abgetrennt ist.

Viel Lob erhielt die Verwaltung für die ausgearbeitete Lösung von allen Fraktionen. Hubert Schwertmann (CDU) bescheinigte ihr, „sensibel und feinfühlig die Bedürfnisse der Muslime“ interpretiert zu haben. In „dieser unbürokratischen Hilfe“ sah Andreas Maurer (Die Linke) ein Angebot und eine ergänzende Hilfe für Familien muslimischen Glaubens.


Hier einige Regeln des Islam zur Beisetzung: Die Bestattung sollte am Todestag stattfinden. Der Friedhof braucht einen Raum für eine rituelle Waschung. Ein religiös neutral gehaltener Raum für die Trauerfeier ist nötig. Auf dem Gräberfeld muss es möglich sein, dass das Gesicht des Toten nach Mekka weist. Das Grab muss sich in „jungfräulicher Erde“ befinden, es darf darin noch keine andere Bestattung stattgefunden haben. Muslime werden ohne Sarg nur in einem Leinentuch bestattet. cg

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