NLWKN startet am 17. November Neue Deiche für die Hase im Artland: Erste Arbeiten

Von Christian Geers

Die Hasedeiche zwischen Quakenbrück und Gehrde sollen auf einer Länge von 6,5 Kilometern erneuert werden.Ihre Standsicherheit sei bei Hochwasser nicht mehr gewährleistet, sagt das Land.Foto: Christian Geers/ArchivDie Hasedeiche zwischen Quakenbrück und Gehrde sollen auf einer Länge von 6,5 Kilometern erneuert werden.Ihre Standsicherheit sei bei Hochwasser nicht mehr gewährleistet, sagt das Land.Foto: Christian Geers/Archiv

Quakenbrück/Badbergen. Die vom Land Niedersachsen angestrebte Erneuerung der Hasedeiche zwischen Quakenbrück und Gehrde läuft an. Am Montag, 17. November, will der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLKWN) mit vorbereitenden Arbeiten beginnen. Das hat die NLWKN-Direktion mit Sitz in Norden mitgeteilt. Zwischen der Sohlengleite am Schützenhof und Devermanns Brücke in Badbergen sollen zwei Teiche zugeschüttet und Gehölz entfernt werden.

Diese Arbeiten, die von der Firma Peters aus Vrees ausgeführt werden und rund 60000 Euro kosten, dienten der ab dem kommenden Frühjahr vorgesehenen Dammerneuerung an der Gehobenen Hase. Aus Gründen des Naturschutzes könnten sie nur in den Wintermonaten erfolgen, so der NLWKN. Das Landschaftsplanungsbüro Seling aus Osnabrück ist nach Behördenangaben mit der „ökologischen Baubegleitung“ beauftragt worden.

Zunächst werde der Fischbestand in den beiden Teichen in der Nähe der Sohlengleite geborgen und in umliegende Gewässer umgesetzt. „Anschließend werden die Teiche verfüllt. Parallel dazu werden in diesem Bereich Gehölzrückschnitte durchgeführt“, wird Michael Willems, Leiter des Geschäftsbereiches „Planung und Bau wasserwirtschaftlicher Anlagen und Gewässer“in der NLWKN-Betriebsstelle Cloppenburg, in der Pressemitteilung zitiert.

Diese Arbeiten sind aus Sicht der Planer unumgänglich und nicht zu vermeiden. Die Teiche müssten zugeschüttet werden, um Platz zu schaffen, damit der rechtsseitige Hasedamm neu gestaltet werden könne. Geplant sind abgeflachte Böschungen, ein sogenannter Deichverteidigungsweg und Gräben für Sickerwasser. Belange der Wasserwirtschaft stünden der Verfüllung der Teiche nicht entgegen, weil die notwendige Beseitigung „im überwiegenden Interesse des Allgemeinwohls liegt“. Für die beiden Stillgewässer muss die NLWKN-Betriebsstätte allerdings an anderer Stelle Ersatz schaffen. Das hatte der Landkreis Osnabrück gefordert.

Die NLWKN-Dienststelle in Cloppenburg hatte Anfang September den Antrag gestellt, auf einem rund 600 Meter langen Abschnitt mit den vorbereitenden Arbeiten für die vorgesehene Dammerneuerung an der Gehobenen Hase und der damit verbundenen Verbesserung des Hochwasserschutzes beginnen zu dürfen. Nach Prüfung der Unterlagen kommt die Direktion des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz in Norden zu dem Ergebnis, dass die rechtlichen Voraussetzungen für einen sogenannten vorzeitigen Beginn vorliegen.

Gleichzeitig hat die Behörde die „sofortige Vollziehung“ angeordnet, ist dem 13 Seiten umfassenden Bescheid weiter zu entnehmen. Darin wird auch darauf hingewiesen, dass „die Zulassung des vorzeitigen Beginns zu keiner rechtlichen Bindung eines etwaigen nachfolgenden Planfeststellungsbeschlusses führt“. Baubeginn für die Erneuerung der Hasedeiche soll im Sommerhalbjahr 2015 sein.

Wie berichtet, ist die vorgesehene Dammertüchtigung zwischen Quakenbrück und Gehrde auf einer Länge von 6,5 Kilometern zurzeit noch Gegenstand eines Genehmigungsverfahrens. Nach der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der Anlieger, der Auslegung der Planunterlagen sowie einem Erörterungstermin im Juni kommt die NLWKN-Direktion zu dem Schluss, dass sich das Planfeststellungsverfahren in einem Verfahrensstand befinde, „der eine positive Entscheidung [...] für das gesamte Verfahren erwarten lässt“. Das bedeutet aber auch, dass die Arbeiten rückgängig zu machen sind, „wenn es wider Erwarten nicht zur Planfeststellung kommen sollte“, heißt es in dem Bescheid.

Stadt Quakenbrück, Samtgemeinde Artland, Gemeinde Badbergen und Landkreis Osnabrück sind von der NLKWN-Direktion mit Schreiben vom 23. Oktober auf die ab heute beginnenden Bauarbeiten hingewiesen worden. Auch im Ausschuss für Planen und Bauen des Artländer Samtgemeinderates war die angekündigten Bauarbeiten kurz Thema. Erster Samtgemeinderat Frank Wuller hatte in einer Sitzung in der vergangenen Woche auf die „Zulassung des vorzeitigen Beginns“ hingewiesen.

Ratsherr Jürgen Jellmann aus Badbergen schüttelte den Kopf. „Dass so etwas möglich ist, kann ich nicht glauben“, empörte er sich in der Sitzung. Der Badberger gehört zu einer Gruppe von betroffenen Haseanliegern, die das vom Land Niedersachsen geplante Millionenprojekt kritisieren und mit den vorliegenden Plänen nicht einverstanden sind. Sie lehnen besonders den Bau zweier Flutmulden im Hasedeich ab und wehren sich gegen die Ausweitung des Überschwemmungsgebietes. Jellmann sagte, es sei „ungeheuerlich, wie der NLWKN mit den Bürgern umgeht“. Die Behörde habe vier Monate gebraucht, um das Protokoll des Erörterungstermins zu schreiben. „Jetzt sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden“, sagte er mit Blick auf die angekündigten Bauarbeiten.