Der Kerl, der auferstanden ist Metal-Musik statt Orgelklänge in Nortruper Kirche

Von Bjoern Thienenkamp


Nortrup. Uwe Brand macht etwas andere Gottesdienste. Mit einem Gothic-Gottesdienst etwa fiel er letztes Jahr auf. Am Freitagabend war nun Heavy Metal angesagt. Wieder in der Dorotheenkirchen in Nortrup. Die Bühne, pardon, den Altarbereich überließ der Showmaster Gottes aber größtenteils der Szeneband Solution Cycle.

Der Parkplatz und die Kirche sind bereits eine halbe Stunde vor Beginn gut gefüllt. „Das ist eine Bombenstimmung, ich weiß nicht, was noch kommen soll“, ist Berufsschulpastor Brand erstaunt über den Zulauf. Viele Gäste begrüßt der 53-Jährige persönlich.

Die vier Jungs von Solution Cycle aus Bramsche warten schon auf ihren Auftritt. „Wir sind eine saugute Metal-Band“, ist Leadsänger Rune Schohaus überzeugt, dass seine Truppe den Abend reißen wird.

„Ich bin Mitglied in der Gemeinde, und wenn etwas Besonders ist, sind wir schon interessiert, besonders wenn es mit Musik zu tun hat“, sagt Oliver Krause aus Kettenkamp. Der Sohn des 43-Jährigen schaut schon ganz gespannt in den Kirchenraum.

Nebelschwaden im Altarbereich

Der Altar ist erleuchtet, die Kanzel von unten blau angestrahlt. Mittels Projektion flackert hinter dem Altar ein Feuer. 19 Uhr. Nebelschwaden huschen unter dem Altarbereich hervor. Die vier Jungs im Alter von 19 bis 22 Jahren legen mit drei E-Gitarren und dem Schlagzeug los. Zunächst harmlos. Dann wird die Musik quasi randalierend, hinzu kommt grölender unverständlicher Gesang. Das Kamerateam vom NDR prescht heran. Der Nebel wabert. Applaus.

„Was für ein Auftakt“, fängt Brand in seinem langen schwarzen Ledermantel an und bedankt sich bei seinem Vorbereitungsteam. „The Fire of Life“ kündigt er an, „Heavy Metal gehört zu uns und Heavy Metal gehört in die Kirche“, resümiert der Kirchenmann. „Hit the Road Jack“ folgt.

„Heavy Metal ist genau die richtige Sprache“, findet Brand, als er drei Anrufe ankündigt. Die Band legt wieder los, Schohaus brüllt und kreischt ins Mikrofon, holt erschöpft Luft, hüpft. Vor der Band versammelt sich etwa ein Dutzend, verschränkt die Arme hinter dem Rücken und headbangt. Für den Laien: das ist Kopfschütteln wie ein nasser Hund, der sich trocknen will.

Video zeigt Sequenzen mit Jesus

In drei leisen Passagen fließt jeweils ein „Kyrie eleison“ von Brand ein. Dann wieder Ruhe. „Ich lade Euch ein, mit mir zu beten“, sagt Brand. Die vier Jungs sind ebenso andächtig wie das ganze Haus. Amen.

Brand erzählt die Geschichte vom alten König mit zwei Söhnen, die jeweils fünf Silberstücke erhalten, um eine Halle zu füllen. „Manchmal ist das Leben echt krass, hat keine Perspektive mehr“, referiert Brand, während ein Video Sequenzen mit Jesus zeigt. „Johannes zeigt, wer Christus war – lange tot und doch lebendig“, sagt der Pastor. „Warum Angst vor der Zukunft haben?“, stellt er in den Raum.

„Was bedeutet Euch Jesus?“, fragt Brand. „Ein Stück weit Orientierung“, antwortet Schohaus. „Leben, einfach nur Leben. Er ist ja der Kerl, der auferstanden ist“, sagt ein Jugendlicher. „Dass der zu mir ganz doll lieb ist“, findet ein kleines Mädchen.

600 kleine Holztäfelchen hängen an einem Holzkreuz, das Bersenbrücker Berufsschüler gebaut haben. „Bitte schreibt darauf, was Euch in diesem Moment bewegt“, fordert der Kirchenmann auf. Sein Vaterunser wird von der Band fortgeführt. Der Altar leuchtet lila.

Weitere Lieder, der Segen, ein Dank an das Team, den Kirchenvorstand, das Pastorenehepaar und den NDR beenden den Gottesdienst. Die Holztäfelchen werden vor der Kirche in ein Feuer geworfen, damit die Wünsche aufsteigen. „Das war eine runde Sache, ich hätte nicht gedacht, dass die Stimmung so überschlägt“, freut sich Brand rückblickend.

Mit grünen Haaren fällt Merle Radtke auf. „Ich hätte mit weniger Musik gerechnet, mehr Gelaber, bin positiv erstaunt, mit so viel Power hätte ich nicht gerechnet“, sagt die 17-jährige Quakenbrückerin, die sich in der Jugendarbeit engagiert, aber sonst kein Kirchgänger ist.

Bleibt die Frage, was als Nächstes kommt. Samba? Tänzerin Erika da Silva von der Sambanale in Badbergen wäre wohl sicherlich dabei...