Feuchtbiotope und Blühstreifen Altkreis Bersenbrück: Jäger für die Umwelt aktiv

Von Nicole Weymann


Altkreis Bersenbrück. „Jagd und Naturschutz – passt das denn zusammen?“, mag sich ein Außenstehender fragen. Wer Naturschutz ausschließlich darüber definiert, dass man die Natur in Ruhe lassen solle, damit sich alles von alleine einpegele, mag das so sehen. Der müsste sich aber auch von vielen für die Natur wertvollen Lebensräumen verabschieden. Ohne den Menschen und seine Landschaftsgestaltung gäbe es viele Biotope, wie zum Beispiel die Lüneburger Heide oder die ökologisch unschätzbar wertvollen alten Streuobstwiesen, nicht.

In unserer Kulturlandschaft mit ihren unterschiedlichen Lebensräumen, Mooren, Wiesen, Weiden und Feldern, Heide, Hecken, Wald, Obstplantagen, Weinbergen, nicht zu vergessen Kleinbiotopen wie Seitenstreifen an Straßenrändern, Trockenmauern oder alten Solitärbäumen muss man der Natur Platz schaffen. Gerade die Jäger machen sich hier seit Langem verdient.

Dabei geht es nicht darum, eine möglichst große Anzahl an Rehen, Hasen und Wildschweinen für das eigene Jagdvergnügen zu erlegen. Es geht um verbesserte Lebensbedingungen für die ganze Tier- und Pflanzenwelt der Biotope, einen Lebensraum für möglichst viele Arten und um naturnahe Lebensräume.

Teiche: Ein Beispiel für ein solches Projekt liegt in Merzen: ein Fischteich, wie ihn vielleicht einige Angler kennen. Das Wasser wirkt sauber, rundherum ist alles grün, in der Mitte eine idyllische Insel. Trotzdem: Von der Bezeichnung „Biotop“ ist das Gewässer weit entfernt. Kein Frosch quakt hier, nicht einmal zur Laichzeit, keine einzige Libelle ist zu sehen – da stimmt etwas nicht. „Es gibt hier gleich mehrere Probleme“, sagt Martin Meyer Lührmann, dem der Teich als Projekt ins Auge fiel. Der Jägermeister der Jägerschaft Bersenbrück hat Marlis Schulz von der Unteren Naturschutzbehörde zum Ortstermin eingeladen. „Zunächst mal ist der Teich mit asiatischen Graskarpfen besetzt, die hier nicht heimisch sind. Die halten zwar das Wasser sauber, sorgen aber auch dafür, dass Schilf und Rohrkolben, die als Schutz für viele Tiere wichtig sind, kaum Gelegenheit haben zu wachsen. Ansonsten enthält der Teich zu viele Hechte und Welse für so ein kleines Gewässer. Frösche und Insektenlarven haben bei so einem Raubfischbesatz keine Chance.“

Entlang des steilen Ufers wachsen einheimische Erlen – die allerdings das Wasser beschatten. Flachwasserzonen, in dessen sonnenbeschienenem, warmem Wasser sich Kleinlebewesen wohlfühlen, fehlen völlig. Auch die hohen Bäume auf der Insel tragen zum „Schattendruck“ bei und sind zudem ebenfalls nicht heimisch. Dementsprechend gibt es, wenn nichts gegen eine Renaturierung spricht, einiges zu tun.

Der Fischbesatz würde entfernt, die Insel gerodet und zu einem Flachwasserbereich oder einer Sandbank umgeformt und die Uferränder abgeflacht – viel Arbeit für die Jäger, die sich für die Umwelt aber auszahlt. Wie schnell Tiere und Pflanzen einen solchen neuen Lebensraum annehmen, kann man an einem Teich sehen, der erst im vergangenen Jahr rekultiviert wurde. Ein paar Kopfweiden fehlen noch, ansonsten ist das Biotop bis auf gelegentliche „Wartungsarbeiten“ fertig.

Kopfweiden: Als wertvoller Lebensraum für Fledermäuse und Vögel, insbesondere Eulen, als Bienenweide im Frühjahr, als Nahrungsquelle für bis zu 400 weitere Insektenarten und ihre Larven und damit auch als Vorratskammer für Insektenfresser wie Meisen oder Spechte sind vor allem alte Kopfweiden „Kulturbiotope“. Durch das regelmäßige Abschneiden der jungen Triebe von Silber- und Korbweiden zum Beispiel für die Verarbeitung zu Flechtkörben entsteht ihre besondere Form. Heutzutage sind Korbflechter selten, daher werden auch kaum noch Weiden angepflanzt oder gar zu Kopfweiden geschnitten, womit auch der Lebensraum für ihre Bewohner abnimmt.

In den Gemeinden Voltlage und Merzen haben sich die Jäger auch dieses Biotops angenommen und vor vier Jahren mehr als 300 Weiden in Form von Alleen gepflanzt, die jetzt zum Winter hin erstmals beschnitten werden, und in ein paar Jahren ihre charakteristischen Köpfe entwickeln – vorausgesetzt, sie werden regelmäßig „gescheitelt“, wie man den Schnitt auch nennt.

Ackerrandstreifen: Gerne werden Landwirte angesprochen, Teile ihrer gepachteten Flächen extensiv zu bewirtschaften, um der Natur Raum zu lassen. Effektiver sei es, so Martin Meyer Lührmann, sich an die Verpächter zu wenden. Zum einen seien Pachten in den vergangenen Jahren enorm teuer geworden, sodass eher die Verpächter auf einen Teil der Einnahmen verzichteten könnten, als dass Landwirte ihre bezahlten Äcker unbestellt ließen. Zum anderen sind so auch langfristigere Projekte realisierbar. Einjährige Blühstreifen sind Oasen für allerlei Insekten und Futterinseln für ihre Fressfeinde, aber eben nur vorübergehend.

Zwei Verpächter aus Ueffeln stellen nun auf einer Länge von 350 Metern einen vier Meter breiten Saum rund um den Acker – eine Lücke zur Anfahrt des Hofes über einen Feldweg ausgenommen – zur Verfügung, um dort eine naturnahe Hecke anzulegen. Schon lange hätten sie das vorgehabt, und nun sei die Gelegenheit günstig, denn die Pacht für den Acker laufe gerade ab, so das Paar, das ungenannt bleiben wollte. „Mit der Lage hier auf einer Kuppe und den Feldern und Äckern rundherum gibt es auf rund 300 Hektar im Umkreis kaum Deckung, weder für Tiere noch für Spaziergänger, und daran wollten wir etwas ändern. Wir waren ganz überrascht und begeistert, dass uns die Jäger so massiv unterstützen. Eigentlich dachten wir, dass wir das alleine durchziehen müssten.“ Mit Unterstützung und Hilfe geht natürlich alles schneller und besser. In drei Reihen werden hier unter anderem Weißdorn, Eberesche, Hundsrose und der Gemeine Schneeball wachsen. Im Frühjahr bieten ihre Blüten Nektar für Insekten, in den Zweigen nisten viele Vogelarten, im Unterholz verstecken sich das ganze Jahr hindurch Säugetiere, Reptilien und zum Teil auch Frösche.

Blühstreifen und Wiesen: Neben den Feldhecken, die auch in Eigenregie angelegt werden, macht sich die Jägerschaft Bersenbrück auch um das Blühstreifenprogramm und die Pflege extensiv genutzter Grünflächen verdient. Die Einsaat ist sehr unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab. Blühstreifen entlang Äckern sind zum Beispiel fetter, weil der Dünger, mit dem die Felder behandelt werden, sich auch auf die Bodenqualität der Randstreifen auswirkt. Bei langfristigen Projekten kann man teurere Saatmischungen verwenden, die sich dafür in den Folgejahren zum Teil selbst wieder aussäen und so Arbeitszeit sparen, denn immerhin sind das Anlegen und Mähen dieser Flächen auch ehrenamtliche Arbeiten.


Die Landesjägerschaft Niedersachsen ist ein anerkannter Naturschutzverband. Die Jägerschaft Bersenbrück mit ihren 1650 Mitgliedern umfasst knapp die Hälfte des Landkreises Osnabrück, von Engter im Süden bis nach Menslage im Norden. Die 13 Hegeringe beinhalten gut 200 Eigen- und Gemeinschaftsjagdbezirke in den vier Städten und vier Samtgemeinden des Osnabrücker Nordkreises und verfügen zusammen über rund 93700 Hektar bejagbare Fläche. nwey