Gedenken an die Verstorbenen Im Altkreis Bersenbrück werden die Gräber gerichtet

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Altkreis Bersenbrück. Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag, Buß- und Bettag, Totensonntag – kein anderer Monat hat so viele „stille Tage“ wie der November. Er steht im Zeichen des Kreuzes, der Vergänglichkeit und des Abschieds. Pünktlich zu den Totengedenktagen im November haben die Friedhofsgärtnereien im Altkreis Bersenbrück Hochkonjunktur. Doch auch privat richten die Menschen die Gräber in dieser Zeit besonders her.

Der dunkle Monat November beginnt mit Allerheiligen. Am 2. November feiern die Katholiken Allerseelen und lassen dazu die Gräber der Verstorbenen segnen. Der protestantische Feiertag, der Totensonntag, ist traditionell der letzte Sonntag, bevor der Advent beginnt.

Sie reißen die Geranien heraus und ersetzen sie durch Stiefmütterchen oder Heide. Wer sich in diesen Tagen auf Friedhöfen umschaut, bemerkt besonders viele fleißige Grabpfleger. Die Katholiken schmücken die Gräber der Verstorbenen zu Allerseelen. Dann gedenken sie besonders ihrer Toten. Das protestantische Pendant dazu ist der Totensonntag.

Die Quakenbrückerin Margarete Gramann kümmert sich um drei Gräber. Auf dem Grab ihres verstorbenen Mannes, der auf dem Friedhof nahe der St.-Marien-Kirche beerdigt ist, pflanzt sie Stiefmütterchen und richtet das Grab für die Prozession zur Gräbersegnung her. „Am Sonntag bin ich auch hier, dann muss ich das Licht anzünden“, erzählt Margarete Gramann. Die Grablichter oder auch Seelenlichter werden von den Gläubigen zur Gräbersegnung entzündet. Zum Herbst habe sie mit der Grabpflege besonders viel zu tun, berichtet sie. Alle Gräber in ihrer Verantwortung bekämen eine neue Bepflanzung.

Die Mehrarbeit in dieser Zeit können die Gärtnereien der Umgebung nur bestätigen. „Vor dem ersten Frost hole ich die Sommerblumen heraus und mache die Gräber winterfest“, berichtet Kerstin Trimpe. Gemeinsam mit ihrem Mann betreibt sie in Badbergen einen Garten- und Landschaftsbaubetrieb. Um die Pflege für etwa 60 Gräber kümmere sie sich aber meistens selbst, so Kerstin Trimpe. In ihren Zuständigkeitsbereich fallen die Friedhöfe in Badbergen und Quakenbrück. Sie pflanzt jetzt viel Stiefmütterchen und Heide. Kleine Koniferen und Buchsbäume überstehen den Winter und bräuchten weniger Pflege. „Viel Arbeit haben wir gerade mit dem Laub: Kaum drehe ich dem Grab den Rücken zu, liegt es schon wieder voll.“

Als Friedhofsgärtner durch und durch sieht sich Harald Münch. Seit 1970 gebe es die Friedhofsgärtnerei in Fürstenau, informiert Besitzer Harald Münch. Aus Leidenschaft betreibe er seinen Job. „Es ist der schönste Beruf der Welt“, begeistert er sich. Er betreibe auch eine Art Seelsorge, denn er stehe mit den Menschen, je nach Trauerfall, bis zu 30 Jahre in Verbindung.

Nur über einige sichtbare Veränderungen auf Friedhöfen ärgere er sich. „Statt des grünen Friedhofs ist das vorherrschende Bild eine Kieswüste.“ Münch sagt, dass sich immer mehr Menschen für Kieselsteine auf den Gräbern entscheiden und gegen eine Grünbepflanzung seien.

Darüber hinaus gebe es zwar nicht mehr so viel Arbeit wie noch vor zehn Jahren, doch sagt Münch auch, dass jetzt die „ultimative Hochsaison“ für Friedhofsgärtner sei. „Mit vier Leuten sind wir auf den Friedhöfen unterwegs und bringen die Gräber auf Vordermann.“ 280 Gräber würden in die Zuständigkeit des Fürstenauer Betriebes fallen. Zudem sei die Ladenfläche vollgestellt mit Grabgestecken, bestehend aus Tannengrün, Koniferengrün, Zapfen, Pilzen, Engel oder Spruchbändern.

Beim Blumenhandel Kröger in Ankum sei die Dauergrabpflege eine wichtige Geschäftsgrundlage. Besitzerin Martina Kröger berichtet, dass es abhängig vom Vertrag sei, wie die Gräber für die Gedenktage hergerichtet werden. Einige hätten gerne Kerzen, wieder andere würden Gestecke oder einen Strauß bevorzugen.

Die Dauergrabpflege werde von einer Treuhandstelle in Bremen kontrolliert. Damit Menschen nach ihrem Tod sichergehen können, dass die Pflege der eigenen Ruhestätte nicht vernachlässigt werde, gebe es diese Stelle, so Kröger. Sie selbst würden auch von Bremen aus bezahlt und per Stippvisite kontrolliert.

In Voltlage und Merzen hat der Gartenbaubetrieb Winkeljohann seinen Sitz. Weil in Voltlage die Gräbersegnung bereits am vergangenen Sonntag stattgefunden hat, konzentriert sich Winkeljohann in dieser Woche auf die Grabpflege in Merzen.

In dieser größtenteils katholischen Gemeinde habe der Betrieb weniger Arbeit. „Die Meisten pflegen ihre Gräber hier selbst“, informiert Reinhard Winkeljohann. Ansonsten würden sie viele Dauergestecke zu den Gedenktagen verkaufen, die sich den ganzen Winter über halten.


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