Hohe Herausforderung Stadtstiftung Quakenbrück zeichnet Hospizverein aus

Von Elisabeth Gadeberg


Quakenbrück. Mit der von Goldschmied Herbert Feldkamp geschaffenen Ehrengabe hat die „Stadtstiftung Quakenbrück – Bürger für ihre Stadt“ einen Verein gewürdigt, der sich einer hohen Herausforderung stellt – der Begleitung Schwerkranker und Sterbender in der letzten Phase ihres Lebens: den Hospizverein „Leben bis zuletzt“. Mit der Ehrung verbunden war die Übergabe eines Schecks über 5000 Euro für die weitere Arbeit der ehrenamtlich tätigen Hospizhelfer.

In seiner Würdigung bezog sich der 1. Vorsitzende der Stadtstiftung Quakenbrück, August Averbeck, auf ein Wort Goethes: „Doch werdet ihr nie Herz zu Herzen schaffen, wenn es euch nicht von Herzen geht.“ In diesem Sinne seien die ehrenamtlichen Hospizhelfer tätig, deren Engagement nicht hoch genug gewürdigt werden könne.

Zu einer humanen Gesellschaft gehöre es, so Averbeck, dass sie sich Gedanken über menschenwürdiges Sterben mache. „Ihre Tätigkeit als Sterbebegleiter ist es“, wandte sich der Vorsitzende an die Mitarbeiter des Hospizvereins, „so paradox das klingt, durch eine besondere Sterbekultur das Leben zu würdigen.“

Sterbende Menschen würden in der letzten Phase ihres Lebens einfühlsam und engagiert begleitet, um würdevoll von dieser Welt Abschied nehmen zu können. Auch Ehepartner, Freunde und Verwandte blieben in ihrem Schmerz nicht allein zurück. Auch sie erführen Zuwendung und würden in ihrem Kummer nicht allein gelassen. Der Gesetzentwurf einiger Parlamentarier zur Sterbehilfe, so Averbeck weiter, werfe ganz viele Fragen auf und mehr als das. Besondere Entwicklungen in der Schweiz und in den Niederlanden könnten und dürften nicht als Vorbilder dienen.

Mit Sicherheit widersprächen sie der Aufgabe, die sich der Hospizverein gestellt habe: Sterbende auf ihrem letzten Weg zu begleiten, ein Sterben in Würde zu ermöglichen und nicht Assistenten des Suizids zu sein.

„Die Stadt Quakenbrück ist stolz auf Einrichtungen wie Ihre“, bekundete Bürgermeister Paul Gärtner, der wie seine Vorredner – Generalvikar Theo Paul hatte die Festrede gehalten – das Anliegen des Hospizvereins würdigte, Sterben, Tod und Trauer als Teil des menschlichen Lebens zu begreifen.

Aus eigener Erfahrung wisse sie um den Wert der schweren Arbeit, die der Hospizverein leiste und die zumeist im Verborgenen geschehe, würdigte Christina Richter, Pastorin der Petrusgemeinde, namens der Kirchen die Tätigkeit der Hospizhelfer.

Deren couragierte Arbeit, „und zwar gerade die verschiedenen Fähigkeiten und Impulse, die da zusammentreffen“, machten in ihrer Gesamtheit die Arbeit des Hospizvereins aus, betonte dessen 1. Vorsitzende Erika Schleef-Drünert in ihren an die Stadtstiftung gerichteten Dankesworten.

„Jeder Mensch hat ein Recht auf ein Sterben unter würdigen Bedingungen“, zitierte Schleef-Drünert die zentrale Aussage der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland aus dem Jahr 2010. Der sterbende Mensch müsse sicher sein können, mit seinen Vorstellungen, Wünschen und Werten respektiert zu werden. Ein würdevolles Sterben verlange Zeit, Raum und kompetenten Beistand... Ein Sterben in Würde hänge ganz wesentlich von den Rahmenbedingungen ab, unter den Menschen miteinander lebten. Da stellten sich Fragen: „Wie sind die Rahmenbedingungen in unserer Gesellschaft? Welche Rahmenbedingungen brauchen wir für ein würdiges Miteinander in unserer Gesellschaft?“

„In welcher Funktion wir auch immer stehen mögen. Wir müssen die Ängste des kranken und sterbenden Menschen vor Schmerzen, vor dem Alleinsein, die Angst vor Autonomieverlust und davor, anderen zur Last zu fallen, ernst nehmen“, so Schleef-Drünert.

Es gebe Situationen, in denen Schmerzen, Atemnot, aber auch Depressionen und Angstgefühle als nicht ertragbar empfunden würden.

Die öffentliche Debatte halte für solche Situationen einen scheinbar einfachen Ausweg bereit: die Beendigung des Lebens – insbesondere durch Suizid, vorzugsweise in Form eines ärztlich unterstützten Suizids. Gehe man davon aus, dass auch das Sterben – und zwar bis zuletzt – Teil des Lebens sei, und zwar eines Lebens, das in der Gesellschaft gelebt werden könne und solle, dann erscheine das Signal, das zu einer routinierten Integration der Suizidbeihilfe führe, falsch. Es lasse den Sterbeprozess als Belastung, als möglichst schnell abzuwickelnde Phase, der kein eigener Wert mehr innewohne, erscheinen. Ein auf Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit ausgerichtetes Krankenversorgungswesen wie das, was wir haben, laufe außerdem Gefahr, hier kostenbegrenzende Weichenstellungen vorzunehmen, die mit der Vorstellung eines selbstbestimmten Sterbens in Würde nicht mehr in Übereinstimmung zu bringen seien, weil ein gesellschaftlicher Erwartungsduck entstehen könne, der den Druck auf kranke und alte Menschen erhöhe, anderen nicht zur Last fallen zu wollen.

Ein Sterben in Würde sei kein einfaches Unterfangen. Es bestehe, gesellschaftlich und individuell, stets die Gefahr des Scheiterns. Es gebe auch keinen einheitlichen Weg, der als „würdig“ anerkannt und allen empfohlen werden könne.

„Auch wir, so die Vorsitzende des Hospizvereins, „können oft nur mit unserem Da-sein mit aushalten, eben begleiten: Nähe erleben lassen, Kontakt pflegen, Möglichkeiten schaffen, über Schmerz und Ängste zu reden oder den Angehörigen Freiräume zu schaffen, um Kraft zu schöpfen.“

Jeder Mensch verdiene Respekt in seiner Einzigartigkeit und in seinen Grenzen, schloss Schleef-Drünert.


Ende der 1990er-Jahre des letzten Jahrhunderts entstanden in Quakenbrück zwei Gruppen, Omega und Hospiz. Beide hatten das Ziel, schwer kranke und sterbende Menschen und ihre Familien in der schweren, letzten Phase ihres Lebens zu begleiten. Die Gruppe Omega leitete Gisela Knackstedt, die Gruppe Hospiz Antje Junghans-Maurer. Nach dem Tode von Gisela Knackstedt kam es zur Vereinigung der beiden Gruppen mit Antje Junghans-Maurer als Dreh- und Angelpunkt und Eva-Maria Blanke als Einsatzleiterin. Erst 2006 kam es zur Vereinsgründung. Als 1. Vorsitzender stand Dr. Albrecht Beierbach zur Verfügung, der dieses Amt bis 2004 innehatte. Ihm folgte Antje Junghans-Maurer bis 2007. Seither leitet Dr. Erika Schleef-Drünert die Geschicke des Vereins „Hospiz – Leben bis zuletzt“. Im Jahr 2010 konnte der Verein sein zehnjähriges Bestehen feiern. 2012 dann die Umstrukturierung: Martina Hensel wurde hauptamtliche Koordinatorin, der Verein bezog ein Büro an der Artlandstraße 55. 2004 erfolgte der Umzug in das Gebäude am Schiphorst 2. In den 14 Jahren seines Bestehens haben zunächst die Gruppe, dann der Verein etwa 300 Menschen und ihre Familien begleitet. Ungefähr 100 Interessierte haben sich ausbilden lassen. Der Kreis der Ehrenamtlichen besteht aus etwa 25 Frauen und Männern, die sich jeden vierten Mittwoch im Monat treffen. Fünfmal i Jahr findet eine Supervision statt. Der Verein mit inzwischen 151 zahlenden Mitgliedern stellt sich gerne Vereinen oder Gruppen vor und pflegt Kontakt zu umliegenden Hospizvereinen. Es gibt einen „Runden Tisch mit den Pflegediensten, stationären Einrichtungen und Hausärzten. Zweimal im Jahr finden Veranstaltungen für die Öffentlichkeit statt – zu verschiedenen Themen und mit Referenten von außerhalb.

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