Thema der Woche: Pflege im Artland Quakenbrücker Stift 1348 als Pesthospital gegründet

Von Nicole Weymann

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Quakenbrück. Es mag nicht der älteste Beruf der Welt sein, aber die Umsorgung Pflegebedürftiger gehört zumindest zu den ältesten Tätigkeiten der Menschheitsentwicklung, davon zeugen prähistorische menschliche Überreste, an denen zum Beispiel regenerierte Brüche und verheilte medizinische Schädelöffnungen erkennbar sind. Erste Aufzeichnungen über Medizin und Pflege gibt es bereits aus dem alten Ägypten vor fast 4000 Jahren, ebenso aus Mesopotamien.

Für die Entwicklung der Pflege als Beruf sind in Europa besonders die antiken Kulturen der Griechen und Römer verantwortlich, die Ärzte ausbildeten und somit auch die Krankenpflege professionalisierten. Zunächst religiös motiviert, wandten sich die Griechen bald der Medizin als Wissenschaft zu, und pflegerische Tätigkeiten wurden Teil der Ausbildung zum Arzt.

In Rom diente die Medizin vor allem der Werterhaltung des Humankapitals: Kranke oder verletzte Sklaven konnten nicht arbeiten, kranke und verletzte Soldaten und Gladiatoren nicht kämpfen und verloren an Wert.

Viele der antiken Errungenschaften verschwanden im Mittelalter aus Europa. Die heidnische Antike als Vorbild für das christliche Leben zu nehmen schien nicht angemessen. Bader, deren Geschäft als Mediziner eher ein Handwerk war, traten an die Stelle von Ärzten. Die Pflege Kranker und Verwundeter oder auch durchreisender Pilger außerhalb der eigenen Familie lag in den Händen der Kirche, deren Mönche und später auch Nonnen dies als Ausdruck ihrer Nächstenliebe und Dienst an Jesus und Gott sahen, und die zum Teil in Klosterakademien entsprechend ausgebildet wurden. Eine der ältesten Einrichtungen im Artland ist hier die St.-Antoni-Stiftung. Seit 1952 ein Altenheim, wurde sie 1348 als Pesthospital gegründet.

Das Bild von der Pflege als vorwiegend weiblichem Betätigungsfeld begann sich vor allem ab dem 17. Jahrhundert zu entwickeln. Zuvor waren Frauen zwar innerhalb der Familie, kaum jedoch im öffentlichen Leben für die Versorgung Kranker, Verletzter oder Gebrechlicher zuständig. Nun wurden erstmals eigens auf die Krankenpflege spezialisierte Institutionen gegründet, die vor allem Frauen aufnahmen und mit einer Grundausbildung Wissens- und Qualitätsstandards setzten. Grundsätzlich waren das jedoch punktuelle Verbesserungen, die oft nur örtlich begrenzt Wirkung zeigten.

Öffentliche Aufgabe

Um 1900, mit Beginn der Industrialisierung, wandelte sich das Gesellschaftsleben erheblich. Die Städte wuchsen und wuchsen, und damit wurde die Versorgung Pflegebedürftiger mehr und mehr zur öffentlichen Aufgabe. Zumal die nicht-kirchliche Krankenpflege einen denkbar schlechten Ruf hatte. Nicht selten waren die Pfleger Leute, die für eine „richtige“ Arbeit niemand anstellen wollte. Das damit einhergehende schlechte Image der Pfleger sorgte dafür, dass „anständige“ Frauen und Männer sich von diesem Berufsfeld fernhielten.

Es gründeten sich neue kirchliche Institutionen, die sich auf die Krankenpflege spezialisierten. Auch die Gründung des evangelischen Bethanien- und des katholischen St.-Borromäus-Krankenhauses, die sich 1971 zum Christlichen Krankenhaus Quakenbrück zusammenschlossen, fallen in diese Zeit.

Neben der Krankenpflege entwickelte sich auch die Fürsorge für alte Menschen oder vernachlässigte Kinder zu einem großen Problem der neuen Zeit, da familiäre Strukturen nicht mehr so viel Halt und Unterstützung boten.

Außerhalb der kirchlich gebundenen Initiativen war eine organisierte Pflege vor allem der Genesung verwundeter Soldaten gewidmet. Appelle zum Beispiel der preußischen Regierung und verschiedener vaterländischer Vereine sollten Bürgerfrauen zum Dienst am Menschen bewegen.

Auch das Rote Kreuz, beziehungsweise der Rote Halbmond, des Schweizers Henri Dunant haben ihren Ursprung in der Pflege Kriegsversehrter und Verwundeter. Mit der Gründung der ersten „modernen“ Krankenhäuser wie zum Beispiel der Berliner Charité und des Allgemeinen Krankenhauses in Wien waren auch die ersten weltlichen Institutionen geschaffen, die eigene Standards in der Ausbildung und den Anforderungen an die Pfleger stellten.

Der Pfarrer Theodor Fliedner gründete eine „Bildungsanstalt für evangelische Pflegerinnen“, aus der später die Diakonissenanstalt Kaiserswerth wurde und als Ausbildungsanstalt die erste war, die überregionalen Einfluss hatte.

Während sich also allmählich die Pflegequalität verbesserte, traten dabei auch Konflikte in den Berufsbildern der Pflegenden zutage. Die religiös motivierte Krankenpflege verstand sich als barmherziger „Dienst am Nächsten“, während der Beruf einer weltlichen Pflegerin mit einem Familienleben zu vereinbaren sein musste.

Die Frauenbewegung mit ihren Reformforderungen bewirkte, dass mehr und mehr Pflegerinnen ihren Beruf auch selbstbestimmt und unabhängig von beschützenden Mutterhäusern ausüben wollten. Die ehemalige Rot-Kreuz-Schwester Agnes Karli gehörte zu diesen „wilden“ oder „freien“ Schwestern. Sie gründete 1903 eine Berufsorganisation der Krankenschwestern, die mit ihren Richtlinien und Grundsätzen das Ansehen der freiberuflichen Krankenpflege erheblich verbesserte.

Erst in der jüngeren Vergangenheit wandelte sich das Berufsbild des Krankenpflegestandes dahin gehend, dass aus Dienerinnen am Kranken um der Liebe Christi willen hoch qualifiziertes und spezialisiertes Fachpersonal wurde, das gesellschaftlich anerkannt ist und eine fundierte Ausbildung mit hoher ethischer Anforderung genossen hat.


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