Millionenschweres Projekt Kosten für Sanierung der Oberschule Artland ermittelt

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Wie teuer Sanierung, Um- oder Neubau der Oberschule Artland werden könnten, hat ein Büro im Auftrag der Samtgemeinde Artland genau ausgerechnet. Foto: Christian GeersWie teuer Sanierung, Um- oder Neubau der Oberschule Artland werden könnten, hat ein Büro im Auftrag der Samtgemeinde Artland genau ausgerechnet. Foto: Christian Geers

Quakenbrück. Die Sanierung der Oberschule Artland wird teuer: Die Samtgemeinde Artland muss mit einem zweistelligen Millionenbetrag rechnen. Das geht aus einer von der Verwaltung in Auftrag gegebenen Kostenkalkulation hervor, die im Ausschuss für Planen und Bauen vorgestellt wurde. Die Kosten belaufen sich auf 10,4 Millionen Euro für eine Grundsanierung und auf bis zu 17 Millionen Euro für einen Neubau.

Der Stand der Dinge: Schon seit mehr als zwei Jahren beschäftigen sich die Gremien der Samtgemeinde Artland mit den von der Oberschule Artland an Von-Steuben-Allee und Jahnstraße genutzten Gebäuden. Die stammen aus den 1960er- und 1970er-Jahren, zuletzt wurde im Jahr 2004 ein Anbau geschaffen. Die Gebäude sind in unterschiedlich gutem Zustand. Vor allem aber die Mängel beim Brandschutz und die kaum vorhandene Wärmedämmung in den 40 bis 50 Jahre alten Gebäuden zwingen den Schulträger zum Handeln.

Der hatte bereits im September 2013 das Planungsbüro Schopmeyer mit einer Untersuchung beauftragt. Ergebnis: Die Experten schlugen vier Szenarien vor: Variante 1: Beseitigung der Brandschutzmängel im Gebäude Jahnstraße; Variante 2: Beseitigung der Brandschutzmängel, Verbesserung der Wärmedämmung an der Mauerwerksfassade, Ertüchtigung der abgehängten Decken und Fußböden; Variante 3: Schließung des Obergeschosses der früheren Orientierungsstufe, Erneuerung des Brandschutzes, Bau eines neuen Klassentraktes im Bereich des Gebäudes an der Von-Steuben-Allee; Variante 4: Abriss der kompletten Oberschule, Errichtung eines Neubaus entweder an der Jahnstraße oder an einem neuen Standort. Die Kosten für die einzelnen Varianten allerdings wurden nur grob geschätzt.

Die Untersuchung: Diplom-Ingenieur Ulrich Wiemeler vom Büro Gantert und Wiemeler Ingenieurplanung in Münster hatte sich nun die Szenarien durchgesehen und genaue Kosten ermittelt. „Diese Untersuchung hilft Ihnen beim Vergleich der Varianten“, sagte er in der Sitzung des Bauausschusses. Bei der Berechnung der Kosten ging der Fachmann vom Ist-Zustand aus. Das heißt, er legte nicht das im Schulentwicklungsplan des Landkreises Osnabrück für eine vierzügige Oberschule ausgelegte Raumkonzept zugrunde, sondern das in der OBS Artland bestehende. So weicht die Gesamtnutzfläche von 5460 Quadratmetern von der vorgeschriebenen Fläche (3451 Quadratmeter) ab. „So vergleichen wir nicht Äpfel mit Birnen“, erläuterte er.

Das Ergebnis: Eine Sanierung der bestehenden Räume in den Gebäuden Von-Steuben-Allee und Jahnstraße mit Erneuerung des Brandschutzes, der technischen Gebäudeausrüstung, Ertüchtigung der Wärmedämmung durch Erneuerung der Mauerwerksfassade, Einbau neuer Fenster und Instandsetzung der abgehängten Decken und Fußböden summiert sich auf rund 10,4 Millionen Euro. Darin berücksichtigt sind auch die Kosten für Schulcontainer, in die für die Zeit der Bauarbeiten Schulklassen ausquartiert werden müssen.

Allein die thermische Ertüchtigung schlägt hier mit 6,64 Millionen Euro zu Buche. Den Einspareffekt durch verbesserten Wärmeschutz hatte Wiemeler ebenfalls ausgerechnet: Die Wärmekosten von 75500 Euro pro Jahr ließen sich um 26000 Euro reduzieren. Im Klartext: Die Investition in den Wärmeschutz hat sich nach 255 Jahren ausgezahlt. In der Sprache des Ingenieurs klang das so: „Das ist wirtschaftlich nicht nachzuweisen.“

10,6 Millionen Euro würde es kosten, die Gebäude aus den 1960er-Jahren abzureißen, die übrigen Gebäude umzubauen und zu erweitern. Wiemeler: „Die Statik lässt es zu, neue Raumstrukturen zu schaffen und ein Lernhaus einzurichten.“ Dabei stehen Teilbereiche der Schule speziell für Klassen eines Jahrgangs zur Verfügung. Mensa, Pausenraum und Fachräume, die in einem guten Zustand seien, bleiben erhalten. Wesentlich teurer kämen die Samtgemeinde Artland die beiden Neubauvarianten: 16,8 Millionen kostet eine neue Oberschule am jetzigen Standort, gut 17 Millionen Euro ein Neubau an einem anderen Standort.

Die Bewertung: „Es handelt sich also um keine unwesentlichen Investitionen“, stellte Ulrich Wiemeler nach seinem Vortrag mit Blick auf die zweistelligen Millionenbeträge nüchtern fest. Nach seiner Einschätzung seien die Varianten 1 (Grundsanierung) und 4 (Neubau an anderem Standort) nicht zu empfehlen. Der Diplom-Ingenieur riet zu einem Architektenwettbewerb, um bei den Varianten 2 (Umbau und Erweiterung) und Variante 3 (Neubau am jetzigen Standort) „das Optimalste herauszuholen“. Das könne dadurch erreicht werden, indem Kostenobergrenzen formuliert würden.

Seine Empfehlung: Rat und Verwaltung sollten in den kommenden drei Monaten eingehend beraten „und Anfang 2015 den Knoten durchhauen“. Klar aber sei, dass durch den mangelhaften Brandschutz Handlungsbedarf gegeben sei.

Die Stimmen: „Bei diesen Zahlen kann man schon blass werden. Die sind schockierend“, kommentierte Hubert Schwertmann (CDU) die vorgelegte Expertise. Für ihn stehe fest, dass die Samtgemeinde nun eine Entscheidung treffen müsse. Die Antwort auf die Frage, was zu tun sei, sei schwierig, „weil deutlich geworden ist, dass wir viel Geld ausgeben müssen“, ergänzte Jürgen Lindemann (SPD). „Wir haben aber keine andere Wahl.“


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