Giftige Spinnen als Mitbewohner 19-jährige Quakenbrückerin lebte ein Jahr in Chile

Von Alexandra Lüders

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Quakenbrück. Als die Abiturientin Johanna Behling nach einjährigem Freiwilligendienst in Chile ins Artland zurückkehrte, verstärkte sich rückblickend ihre Erkenntnis: „Das war das beste Jahr meines Lebens.“ Unter Tränen hatte die 19-Jährige Abschied von ihren Schützlingen genommen und auch selbst im sozialdiakonischen Zentrum Los Sobrinitos der Martin-Luther-Gemeinde eine Lücke hinterlassen. Ihre Erfahrungen im 13000 Kilometer entfernten Candelaria waren in jeder Beziehung ungewöhnlich.

Denn nicht nur der Klimawechsel, auch der von Kriminalität, Drogen- und Alkoholkonsum geprägte Stadtteil forderte die Anpassungsfähigkeit der jungen Quakenbrückerin heraus. Laut Information des evangelisch-lutherischen Missionswerkes in Hermannsburg leiden die Familien in dieser Lebenswelt an großer Armut. Ihre Kinder sind zu 85 Prozent sozial gefährdet, das bedeutet verhaltens- und sozialauffällig, und brauchen eine starke Zuwendung von ihren Betreuern.

Als Freiwillige musste Behling also viel Eigeninitiative ergreifen und eigene Ideen umsetzen, um den Kindern der Schule Piececitos eine bleibende, positive Erinnerung zu hinterlassen. Ihre im Artland-Gymnasium erworbenen Spanischkenntnisse und ihre Mitwirkung in der evangelischen Jugend der St.-Sylvester-Kirche erleichterten Behling den Einstieg in eine fremde Kultur. „Ich habe nicht die Armut der Menschen lindern können, konnte ihnen aber Hoffnung und Einblick in meine Kultur geben“, berichtet sie.

Sehr beliebt war ihr Religions- und Englischunterricht bei den chilenischen Schülern. Am Nachmittag leitete sie die Naturwissenschafts-AG, bastelte, kochte und übte Zirkuslektionen mit den Kindern. „Lehrer und Schüler haben dort ein sehr herzliches Verhältnis. Diese Nähe war für mich zuerst irritierend. Sie nehmen ihre Schüler in den Arm und lassen sich beim Vornamen rufen. Man begrüßt sich mit Küsschen auf die Wange, auch beim Arzt. Es hat drei Monate gedauert, bis ich mich daran gewöhnt hatte. Die Menschen teilen miteinander, auch wenn sie nichts haben. Bei einem Besuch bringen sie immer etwas mit und gehen miteinander freundlicher und wärmer um als bei uns. Diese Mentalität hat mir sehr gutgetan. Die Rückkehr nach Deutschland war ein großer Schock für mich“, gesteht Johanna, die monatlich mit 100 Euro Taschengeld auskommen musste.

Sie wohnte mit ihrer Kollegin Johanna Hartke (20) in einer einfachen, unisolierten Holzunterkunft, in der giftige Spinnen und Taranteln zu ihren Mitbewohnern zählten. Auch die gefürchteten Skorpione gehörten zum alltäglichen Straßenbild. Während einer Auszeit haben Behling und Hartke das Land auf eigene Faust erkundet, um ihre Abenteuerlust zu stillen und den wilden Süden von Chile kennenzulernen. Es begegneten ihnen großartige Landschaften mit einer exotischen Tierwelt. So hinterließen Fischotter, Alpakas, Pinguine, Gletscher, Vulkane, der Pazifik und die Atacama-Wüste unvergessliche Eindrücke. Bei einer Reittour lernten die Freiwilligen auch Mapuches (Volk der Erde), die Ureinwohner Chiles, kennen. Ab Oktober zieht Johanna Behling nach Bremerhaven, um das Management im Kreuzfahrttourismus zu studieren. Mit in den Koffer kommen „Mamas Marmelade“ und viele gute Wünsche der Familie für das neue Leben an der Nordseeküste. Wer weiß, wohin das Fernweh Johanna in Zukunft noch führt?

Informationen im Internet:www.elm-misson.net


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