Tovarishch-Projektt unterstützt Quakenbrücker Ärztin hilft in Ghana


nwey/pm Quakenrück. Immer wieder sammelt der Quakenbrücker Verein „Tovarishch – Hilfe für Kinder“ Spenden für seine Arbeit. Wofür das Geld im Einzelnen verwendet wird, das wissen die meisten Spender nicht so genau. Sarah Thober, Assistenzärztin der Inneren Medizin im Christlichen Krankenhaus in Quakenbrück, hat eines der Projekte von Tovarishch besucht – die Twumasi Boateng Senior High School in Amasaman, gut 20 Kilometer nördlich der ghanaischen Hauptstadt Accra in Westafrika.

Das Interesse gerade für dieses Projekt rührt, wie sie sagt, noch aus Studienzeiten. Sie hatte sich mit Ghanaischen Kommilitonen angefreundet. Nach dem Studium frisch nach Quakenbrück gezogen, hörte sie von Tovarishch und nahm Kontakt auf. Im März 2014 dann war es so weit: Sarah Thober besuchte die noch im Bau befindliche Schule, gab dort unter anderem Bio-Unterricht und schloss bei ihren fünfwöchigen Aufenthalt neue Freundschaften. Hier folgt ihr Erfahrungsbericht:

Ghana, Westafrika, 33° Celsius – ich bin umgeben von staubigen Straßen, Lärm, fremden Gerüchen und Menschen, die trotz schwieriger Lebensbedingungen eine Freude ausstahlen, die ansteckt.

Meine Reise führt mich nach Amasaman nahe der Hauptstadt Accra, wo der Quakenbrücker Verein Tovarishch – Hilfe für Kinder e. V. seit 2006 den Bau einer Schule unterstützt. Schon von Weitem kann man das Gebäude mit dem noch nicht vollendeten ersten Stockwerk sehen. Davor wehen die ghanaische und die deutsche Flagge. Es gibt sechs Klassenräume, zu wenig für die mittlerweile fast 150 Schüler und Schülerinnen, die hier in den verschiedensten technischen und hauswirtschaftlichen Fächern unterrichtet werden.

Ich werde herzlich empfangen. Stolz wird mir die neu gebaute Versammlungshalle gezeigt, die sich an die Klassenräume anschließt. Sie wurde, inklusive aller elektrischen Installation, im Rahmen des praktischen Unterrichtes von den Jugendlichen selbst errichtet.

Ursprünglich entstanden auf dem Boden einer Kfz-Werkstatt und dem Wunsch, junge Menschen praktisch auszubilden, versteht sich die Twumasi Boateng Senior High Technical School als Berufsschule. Die Schüler haben die Möglichkeit, ihren Senior-High-School-Abschluss zu machen und gleichzeitig eine fundierte praktische Ausbildung zu bekommen. Diese hilft ihnen, auf eigenen Beinen zu stehen und der Jugendarbeitslosigkeit zu entkommen.

Die Schule wächst mithilfe vieler Spendengelder und dem unermüdlichen Einsatz der Vereinsmitglieder, Lehrer und Schüler stetig. Noch in diesem Herbst soll das erste Stockwerk mit Treppe und sechs zusätzlichen Klassenräumen fertig werden.

Noch ein anderes Projekt rückt dieses Jahr in den Vordergrund – die Förderung der Ausbildung junger Frauen. Ich habe die Ehre, Teil davon zu sein. Neben den von Jungen besuchten technischen Fächern ist die Nachfrage von Mädchen für den hauswirtschaftlichen Zweig groß. Ressourcen sind jedoch kaum vorhanden. Aktuell können nur rund 15 Schülerinnen unterrichtet werden. Ihre Begeisterung ist deutlich zu spüren.

Ebenso ihre Neugierde, als sie mich bitten, ein deutsches Gericht mit ihnen zu kochen. Wenig später finde ich mich zwischen ihnen vor einem kaum funktionsfähigen Gasherd und viel zu wenig Kochgeschirr wieder. Das Engagement ist dadurch allerdings nicht gebremst – ob ich nicht noch mehr Salz und Öl für die gekochten Karotten benutzen wolle – werde ich staunend gefragt, denn in Ghana isst man ölig, scharf und stark gewürzt.

Ein Besuch der Deutschen Botschaft in Accra, um einen Antrag auf Förderung des hauswirtschaftlichen Berufsschulzweiges zu stellen, ist ohnehin geplant. – Nach den gewonnenen Erfahrungen wird es mir noch wichtiger, den Antrag zu verfassen. In einer Gegend, in der die Arbeit am Computer Glückssache ist, da jeden Tag für mehrere Stunden der Strom ausfällt, erfordert das Geduld. Umso größer ist meine Freude, als ich – wieder zu Hause in Deutschland – erfahre, dass der Antrag tatsächlich bewilligt worden ist.

Auch die Lehrer der Twumasi Boateng Senior High Technical School erlebe ich als sehr motiviert. Das Schulgeld ist relativ niedrig im Vergleich zu vielen anderen privaten Schulen in Ghana. So bleibt es erschwinglich für die Familien der Jugendlichen. Allerdings ist das Gehalt der Lehrer dadurch ebenfalls niedriger als anderorts. Warum trotzdem viele Lehrer bleiben, interessiert mich.

Die Antwort scheint nicht schwierig zu sein. Das Unterrichten sei durch den hohen Anteil praktischen Lernens und durch die Verbindung zu Deutschland etwas Besonderes. Es stecke ein großes Entwicklungspotenzial in der Schule. Als Idee für die Zukunft wird zum Beispiel Deutschunterricht für die Schüler – vielleicht durch freiwillige Gastlehrer aus Deutschland – vorgeschlagen. In der Tat kann auch ich das Interesse der Schüler und Schülerinnen, Deutsch zu lernen, erleben. Da ich aufgrund meiner medizinischen Ausbildung gefragt werde, in Biologie etwas über den menschlichen Körper zu erzählen, nutze ich die Zeit am Ende jeder Stunde für ein wenig Deutschunterricht. So werde ich am Ende meines Aufenthaltes in Amasaman von strahlenden Gesichtern mit einem „Danke!“ und „Tschüss, mach’s gut!“ verabschiedet.

Bei meiner Abreise nehme ich viele nachhaltige Eindrücke und das Gefühl, dass sich die Schule auf einem guten Weg befindet und sich auch in den nächsten Jahren stark weiterentwickeln wird, mit zurück nach Deutschland.