Zu wenig Wind für Riesendrachen Bunte Gestalten am Quakenbrücker Himmel

Von Heinz Benken


Quakenbrück. Für die ganz großen Drachen wehte zu wenig Wind. Aber die Sonne schien am Samstagnachmittag über dem Quakenbrücker Segelflugplatz, und viele Eltern nutzten die Einladung der Quakenbrücker Drachenfreunde zu einem Ausflug mit Kind und Drachen.

Seit fast einem Vierteljahrhundert leitet Walter Scheier jun. aus Menslage die Quakenbrücker Drachenfreunde, die immer am dritten Septemberwochenende zum Flugtag auf dem Segel-flugplatz in Quakenbrück einladen. „Unser Drachenfest ist noch nie ausgefallen,“ erzählt der Cheforganisator. „Nicht einmal, als wir spät im Herbst eingeladen hatten und es diesig und windstill war.“

Die Begeisterung für den preiswerten Flugsport ohne Motoren und Elektronik haben sich Walter Scheier und seine Mithelfer bewahrt. Die Begeisterung wollen sie vor allem an Kinder weiter geben. „Viele Kinder bewegen sich heute zu wenig.“ Und Bewegung bietet das Drachenfliegen reichlich, gerade wenn der Kampf mit dem zu leichten Wind einsetzt.

Bei Windstärke eins bis zwei hatten die Experten Holger Friedrichs aus Osnabrück und Uwe Schlüter aus Bad Essen ihre Riesendrachen und Drachensysteme mit mehreren Windspielen zu Hause gelassen. Die großen Drachen wären nicht in die Luft gegangen. Den größten Flugdrachen, den Schlüter mit nach Quakenbrück gebracht hatte, war nur viereinhalb Meter lang. Sein Schleierdelta hingegen misst 38 Meter. In Schlüters Besitz befinden sich mehr als 50 Drachen aller Größen und Formen.

Zum Bestand gehören fliegende Kühe, Wale, Papageien, Krokodile, Kraken. Die meisten Drachen fertigt Schlüter selbst, denn ein Riesenschleierdelta würde sicherlich im Verkauf einige Tausend Euro kosten. Seine Flugdrachen lässt Schlüter in ganz Deutschland und auch in den Niederlanden steigen. So ist er im Frühjahr und Herbst fast an jedem Wochenende mit seinen Drachen auf Tour. Beliebte Treffpunkte der Drachenfreunde sind Liebschützberg in Sachsen, Attendorn im Sauerland und das Drachenfest in Appeldorn.

Holger Friedrichs hatte wenigstens einen Artland-Drachen mitgebracht, der sich mit seinem satten Gelb prächtig vom blauen Himmel abhob. Der Rokkaku-Drache erreichte, obwohl es nur wenig Wind gab, eine Höhe von fast 100 Metern. Auch der Osnabrücker näht seine Drachen selbst. „Gute 50 sind es mittlerweile“.

Einfache Drachen konnten die Besucher auf dem Quakenbrücker Segelflugplatz unter fachkundiger Anleitung selbst basteln. Den Kindern und Jugendlichen halfen dabei Walter Scheier und sein Team. Und zum Schluss konnten Kinder bei der Drachenverlosung spendierte Flugdrachen gewinnen.

Die Ursprünge der Flugdrachen liegen in Asien. Quellen berichten, dass farbenfrohe Flattermänner bereits im 5. Jahrhundert vor Christus in China ihre Kreise am Himmel gezogen haben. Als Materialien wurden überwiegend Seide und Bambus verwendet. In China, Japan und Indonesien hatten die Flugdrachen sogar religiöse Bedeutung und galten als Mittler zwischen den Menschen und den Göttern. Im antiken Rom flatterten zu festlichen Anlässen bunte Drachenfiguren als Siegessymbole durch die Luft. Über den fernöstlichen Handel gelangten Flugdrachen im 16. Jahrhundert nach Europa, wo sie im 18. Jahrhundert als Kinderspielzeug, zunehmend beliebter wurden. Auf einfache Art wurde der Traum vom Flie-gen wahr.