100 Jahre Dorfschule Borg 24 Baudenkmale im Artland lockten Besucher

Von Alexandra Lüders

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Menslage. 24 Baudenkmale im Artland öffneten Türen und Tore, um sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Im Mittelpunkt stand der 100-jährige Geburtstag der alten Dorfschule in Borg, wo zahlreiche Ehemalige der Einladung zu einem Klassentreffen aller Jahrgänge gefolgt waren. Das von der Zimmerei Diersing und Partner organisierte Programm zum Thema „Kulturschatz Artland Live“ beinhaltete einen Gottesdienst, Ausstellungen, Führungen und eine Werkschau. Auch auf allen anderen Höfen war Geschichte, Kunsthandwerk, Kultur und Kulinarisches angesagt.

„Über Jahrhunderte waren Schule und Kirche auch in Borg eng verzahnt. Die Gründung von Dorfschulen überhaupt entsprang dem evangelischen Grundanliegen, Menschen lesekundig zu mache und sie so zu mündigen Christinnen und Christen werden zu lassen. Die Schulgeschichte war bis 1918 in den Ortschaften des Kirchspiels Menslage auch Kirchengeschichte“, schilderte Pastor Uwe Müller in seiner Predigt aus der Geschichte des Ortes.

Ab 1918 seien die damaligen Lehrer von kirchlicher Schulaufsicht befreit gewesen. Ständer mit Schautafeln informierten über die Schulchronik und eine Bildergalerie faszinierte die Ehemaligen mit alten Aufnahmen.

Da gab es viele Überraschungen am Rande: Oft hat das Alter die Rücken gebeugt und die Augen getrübt. Die Namen stimmen nicht mehr und die Gesichter sind verändert. Doch umso größer schien die Freude über die Reise in die Vergangenheit. Stundenlang wurden Erinnerungen ausgetauscht, Emotionen wiederbelebt. Für zwei Tage existierte die alte Dorfgemeinschaft wieder.

Auch für den 83-jährigen Dolf Pieper, der eigens aus Vechta angereist war und 1937 bis 1941 hier zur Schule gegangen ist. „Als der Krieg begann, mussten wir Maulbeeren für Fallschirmseide pflanzen und Schafgarbe, Brombeerblätter und Ackerschachtelhalm für die Medizin der Soldaten im Herberger Feld sammeln“, berichtet er von damals.

Unterricht hatte Dolf Pieper bei Albert Knoke. Bei dem habe er auch schon mal Prügel bezogen, ergänzt sein Bruder Volker lachend. Die Jungen und Mädchen seien damals auch im tiefsten Winter mit Holzschuhen und selbst gestrickten Strümpfen unterwegs gewesen, wusste Otto Nehmelmann, der von 1949 bis 1953 als einziger Junge in seiner Klasse die Schule besuchte. „Lehrer Franz Rieß hat meine beiden Söhne Peter und Bernd ganz liebevoll betreut“, erinnerte sich die Niederländerin Lammie Löhr dankbar an frühere Schulzeiten. Wie die Chronik verriet, gab es aber auch drastische Strafen für „Mädchen ärgern, Auslachen von behinderten Mitschülern und Unterrichtsstörungen“.

Hochzufrieden zeigen sich Horst Ubben und Steffen Diersing. Wer sein Denkmal in den kommenden Jahren zeigen wolle, dem stehe ihr Team zur Verfügung, versprach das Duo.

Auf dem Kamelhof gab es außer leckeren Pfannkuchen, Trödel, Hofbesichtigungen und Kamelwolle. Ein Potpourri von Kunsthandwerk, Fotografie und Kalligrafie lockte auf dem Hof Fritsch-Schneider in Menslage-Hahlen viele Besucher an. Gern ließen die sich dann auch die hausgemachten Liköre und Dips von Hannelore Fritsch-Schneider schmecken.


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